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| 01:25 Uhr

Die Stadt war schwarz vor Menschen

Bad Liebenwerda.. Der Weg, der parallel zur Dresdner Straße durch das Bad Liebenwerdaer Wäldchen führt, trägt seit gestern wieder die Bezeichnung „Olympiaweg“ . Mit der Umbenennung soll auf ein Stück Bad Liebenwerdaer Geschichte aufmerksam gemacht werden: Am 31. Juli 1936 trugen Fackelträger das Olympische Feuer auf dem Weg nach Berlin durch die heutige Kurstadt. Von Frank Claus <br> und Karsten Bär

Wie RUNDSCHAU-Recherchen ergaben, waren unter den 3400 eingesetzten Fackelträgern auch zehn Bad Liebenwerdaer Sportler, die die Flamme trugen. Im Goldenen Buch der Stadt Bad Liebenwerda findet sich am 31. Juli 1936 eine Eintragung, von der die heute 78-jährige Johanna Krüger noch eine Ablichtung besitzt. Darauf steht nicht nur der Name ihres Mannes Hans, sondern auch die bekannter Bad Liebenwerdaer Männer wie Paul Meier, Max Seifert, Hermann Uhlig, Walter Geffe, Richard Dreißig, Walter Gudalla, Helmut Thiemig und Paul Müller. Den letzten der zehn Namen konnte die RUNDSCHAU auf der Abbildung nicht entziffern. Auf der Rückseite steht übrigens der vom damaligen Bürgermeister Müller verfasste Schriftzug: „Zur Erinnerung an die Wiederkehr des Jahrestages der Olympia-Fackelstaffellauf-Feier überreiche ich Ihnen umstehend eine Abbildung der dieser Feier gewidmeten Seite des Goldenen Buches der Kreisstadt Bad Liebenwerda.“ Doch das ist nicht alles, was Johanna Krüger besitzt. Sie hat sogar noch den silbernen Fackelhalter, den ihr Mann damals trug und den alle Träger mit einer dazugehörigen Urkunde als Erinnerung behalten durften. Darin eingraviert ist die Strecke der olympischen Fackel vom griechischen Olympia über Delphi, Saloniki und Sofia weiter nach Belgrad, Budapest, Wien, Prag und Dresden nach Berlin. Der aus Krupp Nirosta V 24 Stahl be stehende Fackelhalter ist von der damaligen Stiftung der Friedrich Krupp AG Essen aufgelegt worden.
Wie aus Bad Liebenwerdaer Archiven hervorgeht, hat der olympische Staffellauf damals die preußisch-sächsische Grenze bei Wainsdorf überquert und führte dann weiter über Krauschütz, Elsterwerda, Biehla, Haida, Zeischa, Bad Liebenwerda, Winkel, Langennaundorf bis in den Kreis Schweinitz. Genannt sind die Orte Wiederau und Herzberg. In Bad Liebenwerda soll die olympische Fackel um Mitternacht angekommen sein. In die Propagandamaschinerie der Nazis passte dieser Lauf hervorragend. Er wurde als völkerverbindendes Element dargestellt. So sollte der „Friedenswille“ des Dritten Reiches bekundet werden. Propaganda, die sich wenig später offen ins Gegenteil verkehrte.
Auch der heute 86-jährige Bad Liebenwerdaer Apotheker Wolfgang Liebe erlebte dieses Ereignis als 19-Jähriger. „Für die Stadt war das ein riesiges Ereignis“ , erinnert sich Wolfgang Liebe. „Liebenwerda war schwarz vor Menschen.“ In Zeitungsberichten ist von 20 000 die Rede. Auch viele Auswärtige hatten sich auf dem Rossmarkt eingefunden, um die Träger des Feuers zu sehen. Die Route der Fackelträger verlief nach Erinnerungen von Liebe über den Weg durchs Wäldchen, der deshalb im Volksmund schon „Olympiaweg“ genannt wurde, in die Stadt hinein über den Rossmarkt, bog in die Bahnhofstraße ein, lief weiter Richtung Berlin. An einen Trägerwechsel innerhalb der Stadt kann er sich nicht erinnern.
Den Gaststätten in der damaligen Kreisstadt Bad Liebenwerda habe das Ereignis ein gutes Geschäft beschert, blickt der Bad Liebenwerdaer, der schon seit Jahrzehnten die Löwen-Apotheke betreibt, zurück. Die Gastwirtschaften seien voller Gäste gewesen. „Es waren nicht nur Liebenwerdaer da, sondern auch Leute von außerhalb, aus Torgau und Riesa“ , so Wolfgang Liebe.
Auch er sei, nachdem das Feuer durch die Stadt getragen war, mit seinem Vater noch in einer Gastwirtschaft eingekehrt. In „Neumanns Bierstuben“ , im heutigen indischen Restaurant am Rossmarkt, sei kaum mehr ein Platz frei gewesen.

Hintergrund Aus der Geschichte des Fackel-Staffel-LaufesAus der Geschichte
Alle vier Jahre wiederholt sich in den Ruinen des griechischen Olympia eine Zeremonie, die den Beginn der Olympischen Spiele ankündigt: Das Olympische Feuer wird entzündet und der erste Läufer des Fackellaufes macht sich auf den Weg. Heute ist weitgehend in Vergessenheit geraten, dass dieser Lauf erst 1936 eingeführt wurde. Wer die Idee dazu hatte, ist nicht genau bekannt, fest steht aber, dass das damalige Propagandaministerium des „Dritten Reiches“ diesen Anlass weidlich nutzte.
Der Lauf führte durch sieben Länder über 3075 Kilometer. Die Spitze der Fackel bestand aus Magnesium, das ungefähr zehn Minuten brannte. 3400 Läufer trugen die Fackel von Olympia nach Berlin.Alle vier Jahre wiederholt sich in den Ruinen des griechischen Olympia eine Zeremoinie, die den Beginn der Olympischen Spiele ankündigt: Das Olympische Feuer wird entzündet und der erste Läufer des Fackellaufes macht sich auf den Weg. Heute ist weitgehend in Vergessenheit geraten, dass dieser Lauf erst 1936 eingeführt wurde. Wer die Idee dazu hatte, ist nicht genau bekannt, fest steht aber, dass das damailige Propagandaministerium diesen Anlass weidlich nutzte. Der Lauf führte über 3075 Kilometer. Die Spitze der Fackel bestand aus Magnesium, das ungefähr zehn Minuten brannte. 3400 Läufer trugen die Fackel von Olympia nach Berlin.