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| 02:37 Uhr

"Die Region wartet auf etwas Großes"

Wenn die Bundeswehr zum Neujahrsempfang einlädt, versammelt sich auch die regionale Politprominenz.
Wenn die Bundeswehr zum Neujahrsempfang einlädt, versammelt sich auch die regionale Politprominenz. FOTO: Frank Claus
Holzdorf. Der Bundeswehr-Standort Holzdorf/Schönewalde wächst weiter, soll bald 2000 Beschäftigte haben – und die Landespolitiker haben, wenn es um Standortentwicklungen geht, nur schöne Worte parat. Das ist ein Fazit der Neujahrsrede des Standortältesten. Oberstleutnant Mario Herzer hat es im Beisein von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Donnerstagabend freilich in diplomatischere Worte gepackt. Frank Claus

Der Hilferuf ist auch an diesem Donnerstagabend nicht zu überhören. In den zurückliegenden Jahren ist er zumeist von Sand, Wald und Heide verschluckt worden. Doch halt, stopp: Die Militärs und der Städtebund Elbe-Elsteraue, ein länderübergreifend einmaliges Bündnis an einem Militärstandort, wähnten sich schon weit: Immerhin hatte sich Katharina Reiche (CDU), die damalige Parlamentarische Staatssekretärin für Verkehr und digitale Infrastruktur beim Bund, nach Holzdorf begeben und Hoffnungen auf einen Aufschwung vermittelt. Kurz nach ihrer Visite ist sie zurückgetreten.

Oberstleutnant Mario Herzer stellt klar: Holzdorf/Schönewalde, das ist aus militärischer Sicht ein hochmoderner Standort, an dem Beschäftigte beste Arbeits- und Dienstbedingungen vorfinden. Aber: "Die Region findet sich - mit Ausnahme der Kinderbetreuung bis zur Einschulung - bei den für die Lebensqualität relevanten Wohlfühlfaktoren deutlich im hinteren Feld wieder." In seinem Redemanuskript hat er das "deutlich" dick schwarz hervorgehoben. Es sei der mäßig ansprechende Wohnungsmarkt und vor allem die ungenügende Verkehrsinfrastruktur, die da zuallererst neben weiteren Faktoren zu nennen wären. Er erwartet deutlich mehr Initiative von den Regierungen Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen im Dreiländereck. "Die Region Elbe-Elsteraue wartet unverändert auf etwas Großes in der Regionalentwicklung", sagt Mario Herzer und führte jüngste Ängste an: Er befürchte angesichts der aktuellen Bahn-Politik jetzt auch noch, "dass die Region immer weiter von den lebensnotwendigen Bahnverbindungen abgekoppelt wird."

Und so klingt es fast wie ein Rettungshalm, als er anbietet, den "Standort als Gastgeber für eine neuerliche Infrastrukturkonferenz" zu nutzen. Da gefallen zwar die Dankesworte von Ministerpräsident Dietmar Woidke, "Deutschland braucht die Bundeswehr mehr denn je", und "ohne Euch hätten wir das Hochwasser 2013 nicht so gut überstanden", zu den drängenden Problemen kann er nur einen "kurzfristigen Termin" anbieten, den es jetzt geben solle, um die Standortbedürfnisse wieder in den Fokus zu rücken.

Freilich haben die internationale Lage, die Terrorismusgefahr, die weiteren militärischen Entwicklungen am Standort ebenfalls eine große Rolle gespielt. Schönewalde ist mit höchster Akribie an der Überwachung des deutschen Luftraums beteiligt, die verlegefähige Komponente arbeitete hervorragend. "Vom Standort Schönewalde aus wird unverändert an 365 Tagen im Jahr, dieses Jahr 366, die Hälfte des Luftraumes über der Bundesrepublik Deutschland lückenlos überwacht; an mindestens 30 Tagen im Jahr obliegt uns sogar die Verantwortung für ganz Deutschland", so der Chef des Einsatzführungsbereiches 3. Auf dem Flugplatz Holzdorf sei man nur noch sechs Hubschrauber von der "Zielstruktur" entfernt. 20 CH-53 GA sollen stationiert werden. Aus jetzt 1100 Flugstunden in 760 fliegerischen Einsätzen sollen in diesem Jahr 2000 Flugstunden werden.