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| 18:08 Uhr

Springen und Dressur:
Pferdesport pur am Schappin

 Cecile Gröbe auf Calibsi‘s Matcho vom RFV Sonnewalde bei der ersten Wertung Kleine Tour der Springprüfung Klasse L am Freitagmittag.
Cecile Gröbe auf Calibsi‘s Matcho vom RFV Sonnewalde bei der ersten Wertung Kleine Tour der Springprüfung Klasse L am Freitagmittag. FOTO: Dieter Müller
Polzen. Die Pferdesporttage am Schappin mit 650 Starts sind eine der größten Veranstaltungen der Branche in Südbrandenburg. Von Birgit Rudow

Für die Reitsportfreunde in Südbrandenburg ist das Gestüt am Schappin bei Polzen an diesem Wochenende wieder das Mekka des Reitsports. Zum 16. Mal finden die Pferdesporttage am Schappin statt. 150 Reiterinnen und Reiter haben gemeldet. Etwa insgesamt 650 Mal gehen sie bei den Sprung- und Dressurprüfungen an den Start. Auch wenn die Organisatoren des hiesigen Reitvereins am Schappin mit den Jahren schon Übung haben und einiges zur Routine geworden ist, bedeutet dieses Wochenende im Juli für sie jedes Mal viel Arbeit und vollste Konzentration. „Im Prinzip bauen wir für drei Tage eine kleine Stadt auf“, sagt der Chef des Vereins Matthias Schulze. Die Pferdewagen müssen irgendwo hin. Für die Tiere werden Stallzelte aufgestellt. Einige Starter kommen mit Wohnwagen. Dafür gibt es einen kleinen Campingplatz. Hotels und Pensionen der Region sind von den Reitsportlern sowieso fast ausgebucht. Kilometer von Stromkabeln werden verlegt, die Wasserversorgung muss klappen und die mit Frühstück und anderen Mahlzeiten sowieso.

Zahlreiche Helfer im Einsatz

Auf 30 bis 40 Helfer ist der Reitclub Schappin e. V. an diesem Wochenende angewiesen. „Wir sind eine der wenigen noch übrig gebliebenen großen Veranstaltungen in Südbrandenburg“, so Matthias Schulze. Das Veranstaltungsgeschehen im Pferdesport sei in den vergangenen Jahren rückläufig, schätzt er ein. Dafür gebe es mehrere Gründe. „Vom Image her ist Reiten ein Breitensport. Es gibt etwa 1,8 Millionen Pferde in Deutschland und eine Million Reiter. Die Masse der Leute bevorzugt das Freizeitreiten, will mit dem Pferd die Natur erleben. Wir stellen aber noch den sportlichen Leistungsgedanken in den Vordergrund und beschäftigen uns mit dem sportlichen Teil. Allerdings auf ländlichem Niveau. Wir betreiben bei Weitem keinen Spitzensport“, so Schulze.

30 Mitglieder hat der Reitclub Schappin, davon zehn bis zwölf jugendliche und erwachsene Reiterinnen und Reiter, die sich dem Turniersport widmen. Sie kommen auch aus Cottbus oder Berlin. Eine Reitausbildung für Kinder und Jugendliche bietet der Verein nicht an. „Für eine fundierte Grundausbildung fehlen uns die Voraussetzungen, wie das entsprechende Pferdematerial. Dafür ist zum Beispiel Julia Lehmann vom Gutshof Adlernest in Arnsnesta viel besser geeignet“, sagt er.

Arbeit mit Pferden ist ein Stück weit Berufung

Das Gestüt am Schappin ist auch ein landwirtschaftlicher Betrieb, der sich erfolgreich mit Zucht, Aufzucht, Ausbildung und Vermarktung von Pferden befasst. Auch Pferdewirte wurden hier schon ausgebildet. Momentan allerdings ist kein Azubi auf dem Gestüt. „Die meisten jungen Leute haben eine völlig falsche Vorstellung von dem Beruf. Er erfordert schwere körperliche Arbeit und setzt ein hohes Maß an Grundkenntnissen und Fachwissen voraus“, so Matthias Schulze. Auf der anderen Seite aber könne der Umgang mit den Pferden und die Verantwortung für die Tiere auch die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen positiv beeinflussen. „Die Arbeit mit Pferden ist ein Stück weit Berufung“, ist er überzeugt.

Bei einem Turnier wie an diesem Wochenende kann man das hautnah erleben. Die Wettkämpfe finden auf zwei Turnierplätzen statt – auf einem für das Springen und einem für die Dressur. Die Springreiter haben am Freitagmorgen um 8.30 Uhr mit den Prüfungen begonnen. Die Dressurreiter sind um 10 Uhr in das Turnier eingestiegen. Erste Ergebnisse lagen am frühen Nachmittag schon vor. Die Springpferdeprüfung Klasse A hat Malvin Senst vom RV Seehausen gewonnen. Die erste Abteilung der Springprüfung Klasse A gewann Elisabeth Feltin vom Gastgeberverein Schappin. In der zweiten Abteilung siegte Sandra Schmölling vom RV Walddörfer. Der Sieg in der ersten Dressurprüfung Klasse E ging an Alexandra Leonhardt aus Mahdel. Heute werden die Wettkämpfe fortgesetzt, am Sonntag sind die Finalprüfungen. Gestartet wird nach Leistungsklassen und Ranglistenpunkten.

Auch Pferdelaien sind eingeladen

Ohne Hilfe von außen wären die Reitsporttage für den Club nicht zu stemmen. „Das ist nur mit der Unterstützung zum Beispiel der Sparkasse oder anderen regionalen Unternehmen, der Stadt und dem Amt Schlieben sowie anderer Vereine wie den Keglern aus Beyern und der Feuerwehr möglich. Alles wird im Ehrenamt bewältigt“, so Matthias Schulze. Als Dankeschön dafür gibt es jedes Jahr am Turnierfreitag den Sponsorenabend.

Die Pferdesporttage sind übrigens nicht nur etwas für Fachleute. Auch Laien dürfen gern mal vorbeischauen. „Ein Abstecher zum Schappin lässt sich am Wochenende gut mit den Modellflugtagen am Sender oder dem Garbenfest in Kolochau verbinden. Das ist eine gute Mischung“, findet Matthias Schulze.