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| 02:41 Uhr

Die Ortsgeschichte beginnt mit einem Kaufvertrag

Edda Schmidt hat sich der Malitschkendorfer Chronik angenommen. Viele dicke Bände sind bereits zusammengekommen, die in Wort und Bild das Geschehen im Dorf dokumentieren. Darunter auch ganz neu gebunden: die Jahre 2009 bis 2013.
Edda Schmidt hat sich der Malitschkendorfer Chronik angenommen. Viele dicke Bände sind bereits zusammengekommen, die in Wort und Bild das Geschehen im Dorf dokumentieren. Darunter auch ganz neu gebunden: die Jahre 2009 bis 2013. FOTO: sk
Malitschkendorf. Malitschkendorf, ein Ortsteil der Gemeinde Kremitzaue, feiert in diesem Jahr 725-jähriges Jubiläum der ersten schriftlichen Erwähnung. Das erste Juni-Wochenende ist dafür reserviert. Doch vor der Feier steht ein kurzer Blick in die Geschichte des Ortes. Hans-Dieter Lehmann

1290, also vor 725 Jahren, steht der Ortsname "Malutschkendorf" in einer Urkunde des Zisterzienserklosters Dobrilugk (Doberlug). Es handelt sich um einen Kaufvertrag zwischen dem Kloster und Johannes und Wittigs von Sunnenwalde. Hierbei wird ein Zeuge namens Nikolaus Plebanus de Malutschkendorf genannt. In folgenden Jahrhundert taucht der Name des Dorfes in verschiedener Schreibweise auf. All das ist nachzulesen in der Chronik, die mit Fleiß und Umsicht von Dorfchronistin Edda Schmidt zusammengestellt wurde.

Anweisungen aus Schlieben

1334 macht der askanische Herzog Rudolf von Sachsen, der damalige Landesherr, der Herzberger "Kaland-Brüderschaft" eine Schenkung, indem er ihnen den Zinsertrag von fünf Hufen im Dorf Malitschkendorf zukommen lässt. 1422 gehört das Dorf zum Leibgedinge der Witwe des letzten askanischen Herzogs, Offka. Malitschkendorf bleibt ein churfürstliches Amtsdorf. Es erhält seine Anweisungen vom Schliebener Amtsmann.

1547 sind 14 Hüfner mit zehn Erbhufen und vier Kossäten in Malitschkendorf ansässig. Sie haben Abgaben und Frondienste zu leisten. Darüber wird unter anderem in den Schliebener Amtsbüchern von 1516 und 1550 berichtet. Beispielsweise musste für das "Sloß Sliwen" Küchenholz gehauen werden, Bauholz herbei geschafft, Mistfuhren der Schäferei geleistet werden und die Schafschur durchgeführt werden. Des Weiteren musste beim Hopfenpflücken und der Gartenarbeit am Schloss geholfen werden. Bei der Jagd hatten sich alle Hüfner und Kossäten zur Verfügung zu stellen. Nicht vergessen werden sollten die regelmäßigen Abgaben an Naturalien (Getreide, Eier, Vieh, Hühner. Leicht hatten es die Bauern nicht. Sorge bereitete zudem die Burkhardtsche Wassermühle bei Polzen. Sie sorgte für Überschwemmungen von Wiesen- und Ackerflächen der Malitschkendorfer und Jagsaler Fluren. Man tat sich zusammen und kaufte 1503 die Mühle, um sie später abzureißen. Auch einen Dorfkrug gab es.

Das alte frühgotische Kirchengebäude ist eine Sehenswürdigkeit aus dem 13. Jahrhundert. Es war bereits vorhanden, bevor wir den schriftlichen Nachweis für die Existenz Malitschkendorf erbringen konnten. Zur Ephorie Schlieben zählte seit jeher die Parochie Malitschkendorf mit den Orten Jagsal, Redlin und Osteroda. Das Dorf hatte also stets einen Pfarrer. Die Registraturen der Kirchenvisitatoren geben Einblick über die dörflichen Verhältnisse vor Jahrhunderten. Der erste Malitschkendorfer Pfarrer nach der Reformation war ein ehemaliger Ordensbruder des Herzberger Augustinerklosters (Ern Hermann).

Bekannt wurde Pfarrer Mößler, der mit seiner Friedenspredigt am 18. Januar 1816 den Jagsaler Franzosenmord anprangerte. Zu dieser Zeit beschreibt das "Staats-Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen", herausgegeben ab 1814 von August Schumann (Zwickau), Malitschkendorf folgendermaßen: "Ein Amtsdorf im Herzogthum Sachsen, im Wittenberger Kreise, im Amte Schlieben, zwischen Sunnewalde und Herzberg, am Cremitzbache eineinhalb Stunden östlich von Herzberg entfernt gelegen. Es hat 28 Häuser, 150 Einwohner, eine Mutterkirche und Schule, eine Windmühle von zwei Gängen, 16 Hufen und 100 Kühe. Eingepfarrt sind hier die Dörfer Jagsal, Osterode und Rädlin. Kirche und Schule stehen unter der Inspection Schlieben und befanden sich unter der Collatur der Universität Wittenberg."

Viele Schicksalsschläge hatten die Bewohner des Dorfes im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts zu überstehen. Alte Zeitungsberichte aus dem "Schweinitzer Kreisblatt" oder dem Schliebener "Stadt- und Land-Boten" wissen zu verschiedenen Katastrophen zu berichten. Die schlimmsten und gravierendsten Ereignisse waren die beiden Weltkriege. Viele Männer des Dorfes kamen aus diesen nicht zurück.

Viel Kultur und Sport

Das Leben ging weiter. Im Jahr 1919 wurde die Feuerwehr gegründet, 1924 gab es Anschluss an das elektrische Stromnetz. Auch die DDR-Zeit ist Geschichte. Begriffe wie KAP und LPG müssen der jüngeren Generation schon erklärt werden. Gegenwärtig ist es die Burgwall Agrar GmbH, die mit der Rinderhaltung einen Wirtschaftsfaktor in der Gemeinde darstellt und Arbeitsplätze schafft. Kulturell und sportlich hat das Dorf schon lange einen guten Ruf, den es beim Fest zu verteidigen gilt.

Zum Thema:
Am Freitag, 5. Juni, gibt es abends einen Vortrag, der sich mit dem Malitschklendorfer Burgwall beschäftigt.Am Samstag, 6. Juni, geht es am Nachmittag mit einem Gottesdienst und danach mit einem bunten Freizeitangebot im Freizeitzentrum weiter. Abends ist Tanz.Am Sonntag, 7. Juni, wird kurz vor dem Mittag der Festumzug gestartet. Am Nachmittag klingt das Jubiläumsfest gesellig aus.