Von Sven Gückel

Aus einer eher zufälligen Begegnung beim Sonntagsspaziergang könnte für Christian Graf und Thilo Jachmann eine echte Erfolgsgeschichte erwachsen. Beide übernahmen vor wenigen Wochen als neue Pächter das Mannschaftsheim am Bundeswehrstandort Holzdorf und sind nun bestrebt, mit frischen Ideen und Gaumenfreuden die Kundschaft für sich zu gewinnen.

Auf unterschiedlichen Wegen zusammengekommen

Ihre Wege hätten unterschiedlicher kaum sein können. Während der Herzberger Bäckermeister Christian Graf einer Familientradition folgend das Bäckerhandwerk erlernte und sich mit dem Café Plätzchen in Herzberg einen kleinen Traum erfüllte, zog es den Uebigauer Thilo Jachmann hinaus in die Welt. Österreich und die Schweiz, Dublin, Kreuzfahrtriese Aida, die USA, Kuweit, Trinidad, Gambia, Georgien, Ägypten und schließlich China standen für ihn zwischen 1995 und 2017 auf dem Reiseplan. In allen Ländern arbeitete er als Koch oder in Hotelprojekten.

Dass beide sich zufällig begegneten und früh erkannten, fortan ein gemeinsames wirtschaftliches Projekt auf die Beine zu stellen, begründet sich, neben der Sympathie füreinander, vor allem auf dem Wunsch nach Veränderung. „Ich war schon längere Zeit auf der Suche nach einer neuen Idee, die ich neben dem Café Plätzchen umsetzen kann”, berichtet Christian Graf. Dabei schwebte ihm vor allem der Einstieg als Caterer vor. Für Thilo Jachmann war es der Wunsch, neue Herausforderungen anzugehen und sich in der alten Heimat niederzulassen. Des Reisens etwas müde, kam die Begegnung mit dem Herzberger daher für ihn genau zur richtigen Zeit.

Seit dem Sommer nimmt Projekt Fahrt auf

Schon wenige Monate später stand das Konzept für die beiden Männer fest. Inzwischen wirtschaftlich in der Keks & Keule Catering GmbH vereint, bewarben sie sich auf eine Ausschreibung der Bundeswehr. Die suchte für das Mannschaftsheim am Fliegerhorst Holzdorf nach neuen Pächtern. Mit frischen Ideen sollen hier künftig Mannschafts- und Unteroffiziersdienstgrade sowie Zivilbeschäftigte gleichermaßen kulinarisch versorgt werden. Ein Vorhaben, das den Ehrgeiz von Christian Graf und Thilo Jachmann gleichermaßen anspricht.

Seit dem Sommer nimmt das Projekt ordentlich Fahrt auf. Gemeinsam mit der Heimbetriebsgesellschaft der Bundeswehr wurden erste notwendige Sanierungsarbeiten umgesetzt, weitere räumliche Veränderungen stehen demnächst an. Der komplette Umbau des Thekenbereiches, aber auch eine Küchenrenovierung sind unter anderem noch vorgesehen. Die bürokratischen Hürden der Bundeswehr sind mitunter höher, als die Zwei das erwartet hatten. Dennoch ist man zuversichtlich, das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Ihr Anspruch: Die Gäste mit etwas Besonderem überraschen

Frühstück, Mittag, Kaffee und Abendbrot sollen für die Gäste bereitgehalten werden. Während Jachmann überwiegend in der Küche aktiv ist, kümmert sich Graf um das Organisatorische, führt die Bücher und gibt Bestellungen heraus. „Wir suchen zwar noch die Ideallinie, aber bisher klappt die Zusammenarbeit schon ganz gut“, betont Thilo Jachmnann. Ein Zahnrad greife langsam aber sicher in das nächste, sagt er.

„Wir wollen keine typische Kantine sein, sondern unsere Gäste mit dem Besonderen überraschen, ihnen ein Erlebnisevent liefern“, gibt Christian Graf als Marschrichtung vor. Dass beide selbst nie aktiv gedient, sondern ihren Militärdienst als Zivildienstler abgeleistet haben, kommentieren sie eher mit einem Schmunzeln. Schließlich war das für die Übernahme der Pacht auch kein Muss. Gewünscht sei vielmehr, dass die heutige Truppe gut versorgt wird.

Erste Glanzpunkte bereits gesetzt

Mit einem Oktoberfestessen und der Ausrichtung von Feierlichkeiten haben der Herzberger und der Uebigauer inzwischen schon mehrfach bewiesen, dass sie dazu in der Lage sind. Die Anschaffung eines Tischkickers, eines Fernsehers und womöglich eines Abo für das Bezahlfernsehen sollen diese Ambitionen zusätzlich unterstreichen.

Dass die Arbeit von sieben Uhr morgens bis zehn Uhr abends nicht allein zu schaffen ist, leuchtet ein. Aus dem Grund beschäftigt die GmbH heute bereits drei weitere Mitarbeiter, zusätzliche Einstellungen sind nicht ausgeschlossen.