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| 18:59 Uhr

Blick auf die Felder
Die Lage ist „ernst bis dramatisch“

Mähdrescherfahrer Matthias Kirsch ist am Donnerstag rausgefahren, um zwischen Stolzenhain und Kotschka die Wintergerste vom Halm zu holen. Erfreulich war das Resultat nicht.
Mähdrescherfahrer Matthias Kirsch ist am Donnerstag rausgefahren, um zwischen Stolzenhain und Kotschka die Wintergerste vom Halm zu holen. Erfreulich war das Resultat nicht. FOTO: Andreas Richter
Elbe-Elster-Kreis. Die Ernte startet mehrere Wochen zu früh, weil das Getreide notreif ist und die Pflanzen nicht mehr wachsen. Ein Elbe-Elster-Landwirt nimmt schon das Wort „Katastrophe“ in den Mund. Von Sylvia Kunze, Heike Lehmann und Frank Claus

Dorsten Höhne, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster, muss sich arg in der Wortwahl kontrollieren. Er würde am liebsten noch viel drastischere Worte wählen, um die aktuelle Lage auf den Feldern der Region zu beschreiben. Das „insgesamt bescheiden“, das er dann formuliert, trifft den Kern nur annähernd. Viel zu wenig Regen in der zurückliegenden Zeit hat die Kulturen nicht wachsen lassen. „Wir werden voraussichtlich nur bis zur Hälfte der erwarteten Erträge einfahren und die andere Hälfte als Verluste verbuchen müssen“, befürchtet der Landwirt aus Züllsdorf.

Das bezieht er auf die Druschfrüchte und auf das Grünland gleichermaßen. Beim Grünland ist das Ergebnis schon bekannt. „Erster und zweiter Schnitt haben in diesem Jahr gerade mal nur so viel eingebracht, wie in anderen Jahren der erste Schnitt allein“, berichtet der Verbandsvorsitzende. Bei den Druschfrüchten werden die nächsten Tage zeigen, was vom Feld kommt. Höhne geht davon aus, dass in den ersten landwirtschaftlichen Betrieben der Region in diesen Tagen die Ernte startet. Zwei Wochen zu früh. Weil das Getreide notreif ist. Die Pflanzen wachsen nicht mehr. Sie beginnen abzutrocknen. Aber die Körner sind nur klein, sind von geringer Menge und nicht guter Qualität. „Das wird also mengenmäßig und finanziell ein harter Schlag ins Kontor“, weiß Höhne schon jetzt.

Und nicht nur das. Auch auf den Weiden werde es jetzt langsam problematisch, schätzt er weiter ein. Regen wird herbeigesehnt, damit das Gras wieder wächst und auch der Mais. Landregen. Kein Unwetter. Ein solches würde das letzte bisschen Ernte womöglich auch noch vernichten. Die Lage sei auch so schon „ernst bis dramatisch“, beschreibt der Elbe-Elster-Bauernchef. Selbstversorgende Betriebe kämen bei den Ernteprognosen sicher in so manche Notlage. „Wir werden deshalb sicher wieder eine Futtermittelbörse einrichten müssen“, blickt Höhne in die nahe Zukunft.

Der Regen des vergangenen Wochenendes war wie eine Rettung – zumindest für den Mais, die Sonnenblumen und das Grünland. „Die Hitze vor allem am Ende der vergangenen Woche hat uns schon schwarz sehen lassen“, so Matthias Schubert, Geschäftsführer der Lawi und Feldbau GbR in Stolzenhain bei Elsterwerda. Wieviel Einbuße es in der Getreideernte geben wird, könne er erst am späten Donnerstagabend sagen, meinte er noch am Morgen. „Wir fahren heute raus, um zwischen Stolzenhain und Kotschka die Wintergerste vom Halm zu holen. So zeitig haben wir seit Jahrzehnten nicht mit der Getreideernte begonnen.“ Selbst im Trockenjahr 2003 – damals gab es in Stolzenhain einen Jahresniederschlag von nur 299 Millimetern pro Quadratmeter – sei der Erntestart „erst“ am 23. Juni erfolgt.

Manfred Stahr, Geschäftsführer der Röderland GmbH in Bönitz, wägt ab: „Ich sage immer, abgerechnet wird zum Schluss, aber ich glaube so ein bisschen können wir das Wort Katastrophe schon in den Mund nehmen. Betriebe, die nur von Milch und Getreide leben, haben es schwer.“ Besonders schlimm sei die Situation beim Brotgetreide. „Die Roggenkörner sind klein, das bringt nicht viel.“ Zudem werde es wenig Stroh geben. Auch der Wiesenschnitt bereitet ihm Sorgen. „Der zweite hat nur die Hälfte des Normalertrags gebracht und hoffentlich verbrennt uns nicht der dritte.“ Viel Wasser haben die Flächen der Bönitzer Agrar GmbH nicht abbekommen. „In Kauxdorf waren es gerade mal fünf, in Saxdorf zwölf Liter pro Quadratmeter. Reichenhain hatte zum Beispiel 28.“

Im Raum Sonnewalde ist das Bild ähnlich dramatisch. „Wir rechnen bei Wintergetreide und Winterraps mit teilweise bis zu 40 Prozent Minderertrag“, sagt Henry Schoppe, Abteilungsleiter Pflanzenproduktion der Agrargenossenschaft Sonnewalde. Trockenheit und große Hitze hätten dafür gesorgt, dass die Getreidekörner nicht groß wurden oder sich teilweise gar nicht ausgebildet haben. Hinzu kommt, dass die Reife in diesem Jahr wesentlich früher eintritt. „Wir rechnen in der nächsten Woche mit dem Erntestart – drei Wochen früher als der langjährige Durchschnitt.“ Die Regenmenge am vergangenen Samstag fiel im Raum Sonnewalde sehr unterschiedlich aus. „Das reicht von gar nicht in Kleinkrausnik bis zu 50 Liter pro Quadratmeter in Sonnewalde“, sagt Henry Schoppe. Für den Mais und die Rüben kam das wohl gerade noch rechtzeitig.