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Die Kandidaten im Bürger-Kreuzverhör

Riesenandrang zum Rundschau-Wahlforum am Dienstagabend in Herzberg: Im Bürgerzentrum blieb kein Platz frei. Bis draußen ins Foyer drängten sich die mehr als 300 Zuhörer.
Riesenandrang zum Rundschau-Wahlforum am Dienstagabend in Herzberg: Im Bürgerzentrum blieb kein Platz frei. Bis draußen ins Foyer drängten sich die mehr als 300 Zuhörer. FOTO: Kunze
Herzberg. Stühle und Tische sind längst besetzt, aber es drängen immer noch Interessierte in das Herzberger Bürgerzentrum. Sie wollen sich das Forum mit den drei Bürgermeisterkandidaten nicht entgehen lassen. Sylvia Kunze

Selbst im Foyer und auf dem Außengang auf der Hofseite stehen später die Zuhörer noch dicht gedrängt, um das Geschehen zu verfolgen. Die Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Herzberg, die beiden Einzelbewerber Mario Lehmann und Karsten Eule-Prütz sowie der von der Wählergruppe "Herzberg zählt" unterstützte Ulf Lehmann, bekommen in der Vorstellungsrunde nur eine kurze Aufwärmzeit, dann fordert Rundschau-Redakteurin Birgit Rudow, die die Runde moderiert: "Budder bei die Fische". Was soviel heißt wie "Ring frei für die Fragen der Bürger". Genau um die geht es an diesem Abend. Schon stehen die Kandidaten im Bürger-Kreuzverhör.

Dieter Lichtenau will wissen, was die Bewerber von einem Leitbild für die Stadtverwaltung halten und erntet durchweg Zustimmung zu dieser Idee. Mario Lehmann schwebt gar eine Art Qualitätsmanagement für die Verwaltung vor. Für Karsten Eule-Prütz ist eine moderne Verwaltung Usus, denn es müsse selbstverständlich sein, das sie für die Bürger da sei. Und für Ulf Lehmann geht das einher mit Offenheit und Transparenz und das Bestreben, immer den Bürger im Vordergrund stehen zu haben.

An diesem Punkt hakt Maik Weber nach. Ihm geht es um die künftigen Öffnungszeiten im Rathaus und er bringt ein Bürgerbüro ins Gespräch. Auch der Fermerswalder hat die drei Bürgermeister-Anwärter auf seiner Seite. Karsten Eule-Prütz sieht darin ein berechtigtes Anliegen. Mario Lehmann hat sich ein solches Büro mit erweiterten Öffnungszeiten fest vorgenommen. Das Amt Schlieben zeige, wie es gehen kann, hat Ulf Lehmann sich bereits zu diesem Punkt schlaugemacht.

Paul Hübsch lenkt dann die Aufmerksamkeit auf das Schwimmbad. Wie will man es renovieren, wenn kein Geld da ist, will er von Mario Lehmann wissen? Zum Beispiel mithilfe eines Fördervereins, mit Arbeitseinsätzen, mit fortwährenden Bemühungen, an Fördermittel zu kommen, entgegnet dieser.

Und was halten die Kandidaten von einer möglichen Privatisierung von Schwimmbad und/oder Marxscher Villa, wenn die Stadt die Objekte nicht aus eigener Kraft auf Vordermann bringen könne, fragt Wilfried Haase. Auch da sind sich die drei auf dem Prüfstand einig. Das Schwimmbad werde sich für einen Privaten kaum rentabel darstellen und deshalb gar nicht gefragt sein, da müsse sich schon die Stadt einen Kopf machen, wie es das erneuere und verschönere. Bliebe die Marxsche Villa, die mit dem Botanischen Garten eine untrennbare Einheit bilde und beides zusammengenommen ein so großes Juwel der Stadt sei, das man nicht meistbietend verscherbeln dürfe.

Beim Thema Marktplatzbelebung kommt dann wieder die einstige Idee vom Brunnen ins Spiel. Die Kandidaten sind sich dahin gehend einig, dass "was passieren" muss und der Markt zukünftig mehr als nur eine freie Fläche zu bieten haben soll. Der kurze Exkurs ruft Matthias Jankowski auf den Plan. Er fragt, wie man solche Dinge, die schon in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen sind, wieder retten will, zum Beispiel Spielplätze und Kegelbahn? Es scheint, als würde die Kegelbahn nach erfolgter Wahl Chefsache. Alle drei Kandidaten legen sich dafür ins Zeug, beklagen das bisherige Trauerspiel in dieser Sache und versprechen, die Kuh vom Eis zu holen. Zumindest für den weiteren Spielbetrieb seien erst einmal die Weichen gestellt, versichert Ulf Lehmann, der an einer Krisensitzung mit dem Verein teilgenommen hat.

Das Thema Finanzen und Stadthaushalt zieht sich mittlerweile durch alle Diskussionspunkte. Weshalb Anett Heppner von Ulf Lehmann als langjährigen Abgeordneten wissen will, warum das Parlament nicht auf das Prüfen der Jahresabschlüsse gedrängt habe, um endlich zu wissen, wie es ganz konkret um die Stadtkasse bestellt ist. Der Angesprochene versichert, dass viele Abgeordnete immer wieder genau das gefordert haben, aber immer vertröstet worden seien und auch keine Antwort auf die Frage erhalten hätten, wie die vorläufigen Ergebnisse der Vorjahre zu bewerten seien. "Die finanzielle Lage ist nicht hoffnungslos", glaubt Karsten Eule-Prütz nach ersten Überschlägen sagen zu können.

Aber was wollen die Kandidaten tun, um den Haushalt zu konsolidieren, will Gerd Rothaug daraufhin wissen. Die Jahresabschlüsse abzuarbeiten, steht für Karsten Eule-Prütz zuerst auf der Agenda. Dem stimmen seine Mitbewerber zu. Und soll eventuell auch eine Winterdienstsatzung die Stadtkasse füllen und die Grundstückseigentümer noch weiter schröpfen, fragt Eckhard Bergmann. Der Züllsdorfer und alle anderen Gäste bekommen zu hören, dass bis zum Amtsantritt des neuen Bürgermeisters diese Satzung längst erlassen sein wird. "Wenn das nicht die Herzberger Stadtverordneten machen, dann macht das eben der Kreis für die Stadt", zeigt Mario Lehmann den kaum noch vorhandenen Handlungsspielraum auf.

Weiter geht es mit den Themen Pendler, das Henna Schwarick anspricht, und Nahverkehr, das Karin Kühne bewegt. Die Kandidaten sind sich einig, dass sich die Herzberger in Sachen stündliche Zugtaktung in Richtung Berlin Partner suchen müssen, um mit ihrer Forderung mehr Gewicht bei oberen verantwortlichen Stellen zu erfahren, dabei aber das Problem Bundesstraßen nicht vergessen dürfen, wie Mario Lehmann ergänzt. Ebenso verhalte es sich bei Busverbindungen. Man setze auf Kommunikation und müsse mit dem Kreis besser ins Gespräch kommen.

Keine nennenswerten Differenzen zeigten sich bei den drei Befragten auch bei den von Sven Gückel angesprochenen Feldern Wirtschaftspolitik und Kreisstadtsitz Herzberg. Den Bestand pflegen und Arbeitsplätze sichern sowie die Stelle der Wirtschaftsförderung im Rathaus ein Stück weit neu ausrichten, steht dabei an erster Stelle. Und vor der Debatte um den Kreisstadtsitz komme das Unterstützen des Volksbegehrens. Danach rede und kämpfe man weiter - natürlich für Herzberg - und bestenfalls ohne Parteienknatsch! Der auf kommunaler Ebene ohnehin nichts zu suchen habe, wie Mario Lehmann sagt. Was das Publikum mit donnerndem Applaus unterstützt.

Die zweistündige Debatte hält weitere Fragen bereit. In den Antworten liegen die drei Männer, wie sich im Bürger-Kreuzverhör zeigt, fast immer ganz dicht beieinander.