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| 17:13 Uhr

Heimatgeschichte
Die Historie der Scharfrichterfamilie Geck

Die Chronik über die Scharfrichterfamilie Geck  ist in der Bibliothek einsehbar.
Die Chronik über die Scharfrichterfamilie Geck  ist in der Bibliothek einsehbar. FOTO: Rudow / LR
Herzberg. Gerhard Zwanzig hat dazu eine Chronik erstellt, die man in der Herzberger Bibliothek einsehen kann. Von Birgit Rudow

Die Freunde der Herzberger Regionalgeschichte können sich freuen. Seit einigen Wochen gibt es eine Chronik über einen interessanten wie schauderhaften Teil der Herzberger Stadtgeschichte. Sie trägt den Titel „Wissenswertes über die Familie Geck, Scharf- und Nachrichter der Churstadt Herzbergk allhier“. Zusammengestellt hat sie der Heimat- und Ahnenforscher Gerhard Zwanzig.

„1946 sind viele Dokumente aus der Stadtgeschichte einfach auf den Müll geworfen worden. Zwei Dokumente aber sind, aus welchem Grund auch immer, in Ahlsdorf wieder aufgetaucht, als dort die alte Schule verkauft wurde. Dazu gehört auch eine alte „Rathsakte der Churstadt Herzbergk“ mit Original-Dokumenten der Scharfrichter-Familie Geck aus den Jahren 1765 bis 1785. Ich habe die  Geschichte der Familie anhand dieser und anderer Dokumente aufgearbeitet“, sagt Zwanzig. Gemeinsam mit dem Herzberger Helmut Führer hat er die Urkunden gelesen und übersetzt und das Material chronologisch geordnet. Für die Chronik über die Geck-Familie haben ihm auch die „Chronik der ehemaligen Chur- und jetzigen Kreisstadt Herzberg“ von Johann Christian Schulze (1842) und die „Geschichte der Stadt Herzberg im Schweinitzer Kreise“ von Karl Pallas (1901) interessantes Material geliefert.

Herzberg hatte schon seit 1467 eine eigene Gerichtsbarkeit und somit das Recht, über Leben und Tod ihrer Bürger durch ein eigenes Gericht zu entscheiden. Dem Scharfrichter fiel dabei der „schmutzige Teil“ zu, schreibt Gerhard Zwanzig. Er gibt auch einen kleinen Überblick darüber, was das Leben von Scharfrichterfamilien so besonders machte. So musste der Scharfrichter eine Prüfung bestehen (die aus einer Enthauptung bestand), medizinische Kenntnisse vorweisen und genau einschätzen können, wie weit er die Folter treiben konnte, damit der Beschuldigte nicht schon während der Folter zu Tode kam. Der Scharfrichter wurde auch mit der Aufgabe der Abdeckerei betraut. Er entsorgte verendetes Vieh.

Die Scharfrichterfamilien wurden von den anderen Einwohnern gemieden, dem niederen Stand zugeordnet und mussten außerhalb der Stadt wohnen. Sie hatten gesonderte Plätze in der Kirche und im Wirtshaus. Die Söhne wurden zumeist auch wieder Scharfrichter. Die Töchter konnten nur in der Familie mithelfen und heirateten oft in andere Scharfrichterfamilien ein.

Herzberg hatte nach der Chronik von Gerhard Zwanzig schon vor 1600 einen Scharfrichter. Er hieß Georg Büttner, wurde wegen seines schlechten Lebenswandels aber selbst hingerichtet. Nach 1671 wird Michael Geck zum Scharfrichter von Herzberg und Schlieben ernannt. Die Familie Geck hatte ihr Anwesen in der heutigen Schlossstraße 12. Michael Geck richtete mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Beispiel 1674 Elisabeth Schmidt aus Spremberg, weil sie ihr Kind getötet hatte. 1677 wurden zwei Frauen aus Kaxdorf als „berüchtigte Hexen öffentlich und jämmerlich“ verbrannt. Weil er 10 Thaler gestohlen hatte, wurde Martin Sando aus Altherzberg 1690 gehängt.

Nach dem Tod von Michael Geck übernahm der Sohn Johann Hanß Paul das Scharfrichteramt, etwa 1741 dann dessen Sohn Johann Erhardt Geck. Der verstarb 1764. Also musste die Hinrichtung einer Magd 1745 in seine Amtszeit gefallen sein. Die Magd des Fleischers Samuel Neumann hatte die schönen Kleider einer anderen Magd gestohlen und wollte den Diebstahl durch ein Feuer vertuschen. Der Gerichtsschreiber hat das Verhör damals wortgetreu festgehalten. Es ist noch heute nachzulesen. Die arme Sünderin Christina Lintzin wurde des „schweren Verbrechens halber mit dem Feuer vom Leben zum Tode“ bestraft. Die Hinrichtung fand nach 29 Tagen Kerkerhaft am 17. Dezember 1745 um 9 Uhr statt. Der Schulchor sang und man reichte der Magd Wein, damit sie die Qualen im trunkenen Zustand weniger spüren sollte. Viele Frauen seien durch die gellenden Todesschreie zusammengebrochen, heißt es. 1807 soll es zu einer letzten Hinrichtung in Herzberg gekommen sein. Sie wurde von Scharfrichter Samuel Geck durchgeführt.

Gerhard Zwanzig berichtet auch über die Lebensumstände der Herzberger in dieser Zeit – über Hungersnöte, Mäuseplagen, Überschwemmungen und harte Winter. Die Not war oft groß. Durch den Siebenjährigen Krieg war die Stadt hoch verschuldet und  die Bürger waren sehr verarmt. Dankbar für den Frieden spendeten sie dennoch Geld für einen neuen Altar, der 600 Thaler kosten sollte und 1765 eingeweiht wurde. Zu den Spendern zählten auch Mitglieder der Familie Geck. „Das ist wohl ein Zeichen dafür, dass sie sich trotz ihrer Ausgrenzung als Bürger der Stadt gefühlt haben. Ob das anerkannt wurde, werden wir nie erfahren“, so Gerhard Zwanzig.