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Die Hände falten und beten

Alina Erdem, Pfarrerin im Entsendungsdienst, Unterspreewald.
Alina Erdem, Pfarrerin im Entsendungsdienst, Unterspreewald. FOTO: asd1
Wir kennen Gottes Wege nicht. Haben sie nie gekannt. Auch die Menschen vor 2000 und 3000 Jahren nicht. Von ihren Erfahrungen berichtet die Bibel. Die Menschen heute haben es geschafft sich Vieles untertan zu machen, nur über weniges haben wir nicht die Kontrolle.

So zum Beispiel über das Wetter. Wir heute haben allerdings das Glück, dass wir das Wetter einigermaßen voraussagen können. Wir sind also gewarnt, wenn ein Sturm droht. Können uns vorbereiten: das Haus wetterfest machen; die sprichwörtlichen oder auch wortwörtlichen Schäfchen ins Trockene bringen. Das konnten die Menschen vor 3000 Jahren nicht. Sie wussten noch nicht, wann ein Sturm kommen wird. Von der Erfahrung ausgeliefert zu sein und abwarten zu müssen erzählt die Bibel:

Du weißt nicht, was für Unglück auf Erden kommen wird.

Wenn die Wolken voll sind, so geben sie Regen auf die Erde, und wenn der Baum fällt - er falle nach Süden oder Norden zu -, wohin er fällt, da bleibt er liegen. Wer auf den Wind achtet, der sät nicht, und wer auf die Wolken sieht, der erntet nicht. Gleichwie du nicht weißt, welchen Weg der Wind nimmt und wie die Gebeine im Mutterleibe bereitet werden, so kannst du auch Gottes Tun nicht wissen, der alles wirkt.

Wenn ein Mensch viele Jahre lebt, so sei er fröhlich in ihnen allen und denke an die finstern Tage, dass es viele sein werden.

Es ist eine bittere, vielleicht auch ein wenig einfältige, vielleicht zugleich aber auch tröstliche Einsicht: Wohin der Baum fällt, da bleibt er liegen. Wir wissen nicht, wann der Stamm nachgibt und bricht, wir wissen nicht, woher der Wind wehen wird, wohin er den Baum treibt.

Doch wer nur auf den Wind achtet und immer nur auf die Wolken schaut, in Erwartung von Regen, eines Unwetters oder gar eines Sturmes, der wird seine Zeit eben damit zu tun und nicht arbeiten und säen. Doch wer nicht sät, wird auch nicht ernten.

Und manchmal bleibt uns auch heute, im Jahre 2017, mit all unserer Technik und Wissenschaft und Fortschritt, nur die Möglichkeit die Hände zu falten und zu beten.

Dabei, wenn es geht, noch fröhlich zu sein, und die hellen Tage zu genießen, denn der dunklen Tage gibt es schon genug von allein.