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| 02:33 Uhr

Die Gefahr ist noch nicht gebannt

In dem Kiefernwald bei Buchhain ist etwas Maiwuchs zu erkennen. Ob das reicht, den Bestand zu retten?
In dem Kiefernwald bei Buchhain ist etwas Maiwuchs zu erkennen. Ob das reicht, den Bestand zu retten? FOTO: ru
Herzberg. Der Maiwuchs hat an geschädigten Kiefern angeschlagen. Die Landesforstbehörde rechnet nicht mit großflächigen Abholzungen. Doch die Gefahr ist noch da. Birgit Rudow

Die gute Nachricht zuerst. Es sieht nicht nach einem erneuten dramatischen Befall der Kiefernwälder mit der Buschhornblattwespe aus. Die Förster im Elbe-Elster-gebiet untersuchen weiterhin regelmäßig die Kokons im Waldboden, die Aufschluss über den Zustand der Larven geben. Die meisten Larven sind verrottet und tot.

Im Bereich der Oberförsterei Herzberg sind das etwa 80 bis 90 Prozent, in anderen Regionen etwas weniger, sagt Michael Kopka vom Landesforstamt. "Wir untersuchen dennoch bis Mitte August weiter. Denn bis dahin sind noch Schlupfwellen möglich. Auch die Ausschreibung für ein eventuelles Befliegen von befallenen Flächen läuft noch bis August. Auch wenn es bisher nicht so aussieht, dass wir in der Region gegen die Wespe kämpfen müssen", so Kopka.

Etwa 5000 Hektar Kiefernwald hat die Buschhornblattwespe im vergangenen Sommer in Elbe-Elster stark geschädigt. Etwa 2800 Hektar wurden aus der Luft bekämpft. Die restlichen Flächen durften vor allem aus Naturschutzgründen nicht gespritzt werden. Das gab viel Unmut unter den Waldbesitzern.

Wie und ob die Bäume diesen Crash überlebt haben, darüber hat der diesjährige Maiwuchs erste Aufschlüsse gegeben. Die größten Schäden gebe es in Altbeständen, sagt Franz Schencking, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Südbrandenburg "Waidmannsruh-Wallhaus" mit Sitz in Hohenbucko, in der sich etwa 265 private Waldbesitzer mit circa 14 200 Hektar Fläche zusammengeschlossen haben.

Hier gebe es flächige Ausfälle mit abgestorbenen Kiefern oder Bäumen mit einem Nadelbestand unter zehn Prozent. Franz Schencking schätzt ein, dass die Waldbesitzer etwa 150 Hektar durchforsten müssen, um Bäume zu entfernen, damit sich keine Folgeschädlinge ansiedeln. "Wenn wir sehen, dass sie tot oder nicht überlebensfähig sind, nehmen wir sie raus", sagt er. Der mittlere Bestand im Alter von etwa 50 Jahren sei noch vitaler und erhole sich besser. Insgesamt werde man aber erst im nächsten Frühjahr sehen, ob die Bäume überleben. "In Hohenbucko hatten vor ein paar Jahren stark geschädigte Bäume auch Maiwuchs gezeigt und mussten dann doch geschlagen werden", so Franz Schencking. Man müsse abwarten, wie die geschädigten Kiefern über den Sommer kommen. "Wir haben noch nicht gewonnen", sagt er.

Einige private Waldbesitzer haben eine Anzeige nach dem Staatshaftungsgesetz beim Landesbetrieb Forst und bei der unteren Naturschutzbehörde eingereicht. "Dazu haben wir ein Musterschreiben formuliert. Eine solche Anzeige muss innerhalb einer bestimmten Frist eingereicht sein für den Fall, dass der Waldbesitzer später Schadenersatz fordern möchte", erläutert Franz Schencking. Das könne er aber erst, wenn klar ist, wie hoch der entstandene Schaden ist.

Auch Michael Kopka ist der Meinung, dass die Sache trotz des Maiwuchses noch nicht ausgestanden ist. "Zu sagen, alles ist vorbei, wäre unseriös", sagt er. Er rechnet zwar nicht mit einem großflächigen Absterben von Beständen, aber es werde Abholzungen geben, so Kopka.

Zwar sollte man zwischen März und Mitte August kein Holz schlagen, es sei aber notwendig, so schnell wie möglich Holz aus dem Wald zu holen, das als Brutmaterial für andere Schädlinge dienen könnte. "Die Waldbesitzer können sich jederzeit an ihre Revierförster wenden. Die Förster sind geschult. Sie haben Handlungsempfehlungen erhalten", so Kopka.

Gleichzeitig appelliert er an die Waldbesitzer, "die Situation nicht als gottgegeben" hinzunehmen, sondern etwas gegen die monotonen Bestände zu tun. Dazu zählten an passenden Standorten Laubbäume, Hecken oder Sträucher, damit sich Insekten ansiedeln, die die Schädlinge in Schach halten. "Ein vollflächiger Waldumbau ist bei unserem Boden hier sicher nicht möglich, aber auch unsere Waldbesitzer können mehr Artenvielfalt in den Wald bringen", sagt er.

Für die Situation in den von der Buschhornblattwespe geschädigten Kiefernwäldern in Südbrandenburg interessieren sich im Übrigen nicht nur betroffene Waldbesitzer und Experten vor Ort. "Wir haben einen regelrechten Tourismus. Es kommen viele Studenten und Fachleute aus Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen zum Beispiel, um sich über die Lage zu informieren", sagt Michael Kopka.