Das nebenstehende Foto wird vermutlich zuerst den Blick des Jubilars auf sich gezogen haben. Und man darf annehmen, dass Herzbergs hoch geschätzter Numismatiker die Brille noch etwas korrekter auf der Nase zurecht gerückt hat, um die überdimensional große Medaille mit ungläubigen Augen minutiös zu betrachten. Wir dürfen an dieser Stelle eines verraten, werter Herr Gutsche: Sämtliches Nachschlagen in Fachwerken ist vergeblich: Es handelt sich um ein Unikat, das einzig und allein gegossen wurde, um die hohe Wertschätzung und Dankbarkeit Ihnen gegenüber auszudrücken. Medallieur ist übrigens der bekannte Dresdner Künstler Götz-Peter Güttler.
Die Herzberger Münzfreunde e.V. haben damit im Verein erstmals ein Tabu gebrochen - ihrem Vereinsvorsitzenden nichts von einer bevorstehenden Aktion gesagt und diese quasi hinter seinem Rücken initiiert. Sie hoffen, dass er ihnen diese Geburtstags-Intrige verzeihen möge und sie eingelassen werden in die Wohnung von Horst und Gisela Gutsche, wenn sie um 9 Uhr den Klingelknopf drücken und er die Medaille bekommen soll. Ein bisschen Herzklopfen hat Ulf Lehmann allerdings vor diesem Moment, wie er gestern zugab. Schließlich, und das sagte er mit verhaltenem Schmunzeln, wisse man sowohl um die unbestrittene Fachkenntnis des Vorsitzenden ebenso wie um dessen akkurates Handeln in allen Dingen, welches die Numismatik, aber auch das gesamte Leben des ehemaligen Herzberger Lehrers durchzieht.
Und dann plaudert Ulf Lehmann sogar Vereinsinterna aus: „Wir schätzen unseren Horst Gutsche über alles, doch manchmal ärgern wir ihn auch, weil er oft so penibel ist. Aber das weiß er.“ Pünktlichkeit sei für ihn Gesetz. Verspätungen würden von ihm mit gestrengem Blick geahndet. „Und wenn wir eine Expedition unternehmen, wie zum Beispiel der Wochenend-Ausflug nach Dresden, dann kriegt jeder Einzelne einen Plan ausgehändigt, der sich dann in etwa so liest: Zug fährt 8.10 Uhr ab, in Klammern der Zusatz: bitte pünktlich, drei Ausrufezeichen, Treffen nach der Pause um 14.15 Uhr an der Frauenkirche vor dem Eingang rechts. So steht es dann im Viertelstundentakt weiter geschrieben. Wir feixen und wissen, dass er seinen Lehrerberuf eben noch über alles liebt. Und wir sind ja auch gern seine Schüler und sehr froh darüber, dass er diese Korrektheit besitzt. Ohne diese wäre ernsthafte Numismatik gar nicht möglich“ , bekundet Ulf Lehmann, und während des Erzählens wich sein Schmunzeln zwischendurch einem spontanen Lachen. Doch fügt er noch etwas hinzu: „Trotz des Altersunterschieds ist Horst mir persönlich zum Freund geworden.“

„Hat riesig was vorgelegt“
Sein Nachfolger im Numismatiker-Kreis, darin sind sich alle Vereinsmitglieder einig, wird es einmal schwer haben. „Es ist riesig, was er vorgelegt hat, und seit er im Ruhestand ist und sich voll seinen Hobbys widmet, hat die Arbeit mit den Münzsammlern noch einmal großen Aufschwung genommen.“
Ingrid Kasper, Schulleiterin der Oberschule im Kaxdorfer Weg, kennt Horst Gutsche aus einer etwas anderen Perspektive: „Ich finde es fantastisch und bewundernswert, dass er sich, obwohl er die Berufszeit längst hinter sich gelassen hat, noch so für unsere Schule und für die Bildung allgemein einsetzt.“ Im Förderverein hat sich Horst Gutsche maßgeblich für die Einrichtung eingesetzt. „Wir sind ihm zu großen Dank verpflichtet. Selten gibt es Menschen wie ihn, die in ihrem Streiten für eine Sache nicht engstirnig denken und stets aufs Neue die Situation hinterfragen und Ideen einbringen. Wir wünschen ihm Gesundheit und dass er uns - egal wie auch immer - erhalten bleibt im Wirken für die Schule. Möge er noch viele Reisen mit seiner Frau unternehmen.“
Auch Renate Timm, die Herzberger Pastorin, kennt Horst Gutsche schon viele Jahre, genau gesagt fast drei Jahrzehnte. „Ein Loblied auf ihn als Lehrer kann ich nicht singen, ich war nicht seine Schülerin. Doch ist er jemand, der christliche Werte lebt und nach außen trägt. Als Mitglied unserer Gemeinde können wir uns stets auf ihn verlassen. Oft schon hat er mit seinen numismatischen Ideen unsere Feste bereichert. Und er liebt Musik und besucht viele Konzerte.“
Besonders in Erinnerung sei ihr auch die Zeit der politischen Wende. „Horst Gutsche war einer, der immer Mut gemacht hat.“ Und freilich lässt Renate Timm ein Ereignis nicht unerwähnt, bei dem alles in Gutsche und seinen Mitstreitern vereinte numismatische Wissen wichtig war: der Münzfund in der Herzberger Kirchturmkugel. „Wir haben hohe Achtung davor und sind dankbar dafür, dass er sich so intensiv der Dokumentation angenommen hat und damit auch geschichtliche Zusammenhänge erfasste.“
Ein noch etwas anderen Blick auf den Jubilar hat Sylvius Wegner aus Herzberg. Er war „ein Lausbub“ zu jenen Zeiten, in denen Horst Gutsche als Lehrer wirkte. Und Wegner bekennt freimütig: „Für uns Schüler der 8., 9. Klasse war er damals der altmodische, aber auch sehr gerechte Lehrer. Er hatte immense Geduld, doch der etwas konservative Ruf hing ihm irgendwie an. Nun muss ich aber sagen, dass ich eher der faule Klassenkasper war und das deshalb so verspürt habe. Mit meinem heutigen Verstand sehe ich vor allem seine Gerechtigkeit als etwas Herausragendes an.“ Und an noch etwas erinnert sich Wegner: „Wenn er etwas erklärte: zum Beispiel die Schwerkraft in Physik, dann hat er es mit seinem ganzen Körper getan - mit Händen, Füßen, Armen und Beinen.“ Wegner, heute mitunter noch Lausbub, wenn er als einer der „Comedians“ vorm Publikum steht, hat mit großer Freude ausgemacht, dass sein früherer Lehrer ein ausgesprochener Loriot-Fan ist und häufig die Vorstellungen besucht. Doch verbindet ihn mit Horst Gutsche mittlerweile noch eine andere Sache: Herzblut für die Schule. Als Elternsprecher der früheren Realschule im Kaxdorfer Weg hat er ihn als „100-prozentig präsent erlebt, wann immer es um bessere Bildungsmöglichkeiten und um den Erhalt der Einrichtung ging.“

Ein volles Leben
Dass Horst Gutsche 2004 mit dem „Preis für Heimatgeschichte“ von Landrat Klaus Richter geehrt wurde, dass er bis 2003 als Hauptverantwortlicher in der Heimatkalender-Redaktion agierte, dass er den bedeutenden Frauenhorster Münzfreund 1996 bestimmen durfte und im Arbeitskreis Sächsischer Münzkunde als Experte gilt, dass er die „Herzberger Schulchronik“ des 19./20. Jahrhunderts in Maschinenschrift übertrug und als Buch 2005 herausgab - all das sei an dieser Stelle nicht vergessen. Und vermutlich wäre noch viel mehr über den Jubilar zu sagen, . . . wenn es denn nicht bald an der Wohnungstür klingeln würde. Viel Spaß heute,
Herr Gutsche.