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| 16:28 Uhr

Herzberg
Die dritte Chance nutzen

Lisa-Marie, Ines und Sandra (v.l.) arbeiten in der Produktionsschule im Gartenbereich. Zum Tag der offenen Tür haben sie unter anderem selbst gezogene Tomaten- und Rosenkohlpflanzen angeboten. Hier könne man viel lernen, sagt Sandra.
Lisa-Marie, Ines und Sandra (v.l.) arbeiten in der Produktionsschule im Gartenbereich. Zum Tag der offenen Tür haben sie unter anderem selbst gezogene Tomaten- und Rosenkohlpflanzen angeboten. Hier könne man viel lernen, sagt Sandra. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Herzberger Produktionsschule besteht seit elf Jahren. 600 Jugendliche wurden hier betreut. Mehr als ein Drittel schafft es in Arbeit und Ausbildung. Bis Mitte 2022 geht es weiter. Von Birgit Rudow

Seit 2007 gibt es die Produktionsschule Herzberg, jetzt unter dem Dach der Primus Euroschulen Berlin. Viele Höhen und Tiefen hat diese Einrichtung in den Jahren erlebt, von Hochachtung in der Öffentlichkeit über manche Zittereinlage der Finanzierung bis zum verheerenden Brand 2011. Eines aber ist in den elf Jahren geblieben: Junge Leute, denen es aus den verschiedensten Gründen nicht gelungen ist, den „normalen“ Weg über Schule und Ausbildung zu gehen, haben hier eine dritte Chance erhalten, und viele haben sie genutzt. Nicht zuletzt, weil sie trotz aller Disziplin und Strenge mit ihren Sorgen und Nöten ernst genommen werden.

Die Primus Euroschulen Berlin gehören zur ESO Education Group. Das Familienunternehmen ist einer der größten Bildungsträger in Deutschland und betreibt 11 Hochschul- und 37 Akademiestandorte, 120 Berufsfachschulen und Berufsakademien und etwa 100 Fort- und Weiterbildungseinrichtungen. Zum bundesweiten „Tag der Produktionsschulen“ am Mittwoch hat die Geschäftsführerin der ESO Education Group Silvia Semidei die Herzberger Einrichtung besucht. „Das ist für uns eine ganz große Ehre“ meinte der Leiter der Produktionsschule und Primus-Geschäftsführer Jörg Woldtmann zur Rundschau.

Etwa 600 Jugendliche zwischen 16 und 27 Jahren hat die Produktionsschule Herzberg in den knapp elf Jahren betreut. Für fast 35 Prozent von ihnen mündete dies in einer Ausbildung oder in einem Arbeitsplatz, zählte Silvia Semidei auf und lobte die Arbeit in der Schule ebenso wie deren Verwurzelung in der Region und die „traumhaft gute“ Zusammenarbeit mit dem Landkreis, der Arbeitsagentur und dem Jobcenter, der Stadt Herzberg und der IHK. Persönlichkeit durch Bildung sei das Credo des Unternehmens, sagte sie und appellierte an die jungen Leute, die Hilfe anzunehmen und diese Chance zu nutzen.

Dem hatte Roland Neumann, zuständiger Dezernent der Kreisverwaltung, nicht viel hinzuzufügen. Der Landkreis finanziert das Projekt zu einem Viertel. Der Großteil des benötigten Geldes kommt aus dem Europäischen Sozialfonds. Roland Neumann erinnerte an eine Zeit, als die Förderung auf der Kippe stand, und der Landkreis für einige Monate „eingesprungen“ ist, um die Schule am Leben zu erhalten. Er versicherte, dass der Kreis auch weiterhin zu der Einrichtung stehen werde.

Acht Mitarbeiter der Herzberger Produktionsschule betreuen derzeit 35 deutsche Jugendliche und 15 jugendliche Flüchtlinge. Sie arbeiten in den Bereichen Landschaft und Garten, Tischlerei, Nähwerkstatt, Küche und Kreativwerkstatt. „Im vergangenen Jahr haben sie die Kostüme für das Reformationsjubiläum genäht. In diesem Jahr sind Gardinen der große Renner“, sagt Jörg Woldtmann. „Die Tischlerei arbeitet Möbel auf. Das sind Spezialaufträge, die kein Gewerbetrieb machen möchte. Im Gartenbereich produzieren wir für den Eigenbedarf, den unsere Küche benötigt“, erklärt er weiter. Die ausländischen Jugendlichen erhalten auch Deutschunterricht. Im Juli wird die Produktionsschule Zuwachs von weiteren 10 jungen Flüchtlingen bekommen, deren Schulpflicht  endet.

Und wie geht es weiter? Die Förderperiode läuft Ende 2018 aus. Doch bis Mitte 2022 ist der Bestand der Schule gesichert. Das Land rechnet noch in diesem Monat mit den Förderrichtlinien, so Christiane Wilksch vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport. Für alle war dies am Mittwoch eine gute Nachricht.

Sie überbrachte viele Dankesworte in Herzberg: die Geschäftsführerin der ESO Education Group Silvia Semidei.
Sie überbrachte viele Dankesworte in Herzberg: die Geschäftsführerin der ESO Education Group Silvia Semidei. FOTO: LR / Rudow