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Der Wunschknopf

Ich habe ihn entdeckt – den Wunschknopf! Endlich! Ein Knopf, ein Schalter, der durch bloßes Drücken meinen Wunsch erfüllt. Sie denken: Das gibt es nicht.

- Doch. Das gibt es! Entdeckt habe ich den Wunschknopf in der S- Bahn nach Leipzig. Direkt links neben der Tür. Er funkelt auch so schön LED- grün. Einfach drücken und ein Wunsch geht in Erfüllung. In diesem Fall, in der S- Bahn, ist es der Wunsch, an der Bedarfshaltestelle "Leipzig-Heiterblick" aussteigen zu wollen. Es ist der Wunschknopf für den Heiterblick. Wie oft bin ich bisher an diesem Wunschknopf achtlos vorbeigegangen? Vielleicht gibt es auch noch mehr Wunschknöpfe, die ich noch nie beachtet habe? Im Zeitalter der Hochtechnologie könnte es auch sein, dass andere Knöpfe und Taster mit der Wunschtastenfunktion doppelt belegt sind. Die Klingelknöpfe fallen mir da sofort ein. In der Zeitspanne vom Drücken des Klingelknopfes bis zum Türöffnen könnte ich mir doch wünschen, dass mein Gegenüber gut gelaunt und topfit bei bester Gesundheit mir die Tür öffnet. Eine andere Möglichkeit gibt es auch am Telefon. Zwischen Klingeln und Drücken des grünen Telefonhörersymbols kann ich mir wünschen, dass mir niemand etwas verkaufen will oder eine Umfrage startet, sondern dass mich jemand anruft, auf dessen Stimme ich mich schon lange gefreut habe.

Nun ist mir ja klar, dass ich in der S- Bahn mit dem Knopfdruck dem Triebfahrzeugführer anzeige, dass ich aussteigen möchte. Das funktioniert auch nur unmittelbar vor der Station "Heiterblick". Mit wem würde ich wegen meiner anderen Wünsche wohl kommunizieren? Wären es nur Selbstgespräche oder würde ich mit Gott ins Gespräch kommen, um ihm mitzuteilen, wie meine ganz alltäglichen Wünsche aussehen und ihn um Erfüllung bitten? Nun ist Gott ja keine Wunscherfüllungsmaschine und der Wunschknopf ist nicht der Sensor dafür. Gute Gelegenheiten zum Gespräch mit Gott finden sich aber überall im Alltag und blinkende Wunschknöpfe sind sicherlich nur eine Möglichkeit.