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Der Wolf steht vor der Haustür

Herzberg. Es ist Mittwochfrüh, als Torsten Klopp, seit drei Jahren Jagdpächter im Revier Osteroda/Redlin, die Information erhält, dass auf einem Feld unmittelbar vor dem kleinen Herzberger Ortsteil Redlin ein gerissenes Reh liegt. Die Nachricht kommt von einem befreundeten Bauern, der ebenfalls Jäger ist. Birgit Rudow

Torsten Klopp macht sich auf den Weg. Er sieht sofort, wer das Reh gerissen hat. "Das war ein Wolf", sagt er. Der Jäger hat schon an verschiedenen Veranstaltungen zum Thema Wolf teilgenommen, und weiß, wonach er schauen muss. "Ich habe nachgemessen. Von Schritt zu Schritt sind es 1,20 Meter. Der Biss ist fünf Zentimeter groß. Das sind typische Anzeichen dafür, dass hier ein Wolf am Werk war", sagt er.

Von dem Reh ist nicht mehr viel übrig. Was der Wolf nicht genommen hat, haben Kolkraben erledigt. Dass Wölfe auch in seinem Revier unterwegs sind, ist für Torsten Klopp nicht neu. Erst vor drei Wochen hat er ein gerissenes Reh gefunden. Aber das war mitten im Wald. Das Reh vom Mittwoch lag nur etwa 200 Meter von dem kleinen Ort Redlin entfernt. "Ich will es nicht schlimmer machen, als es ist. Aber so dicht am Ort, das ist schon krass. Wir haben in Redlin schließlich auch eine Kindereinrichtung", sagt er.

Torsten Klopp ist sehr an dem Thema Wolf interessiert. Es gehe nicht darum, dass der Wolf da ist, sagt er, sondern darum, wie viele Wölfe die Region verträgt. Wenn die Tiere so dicht an die Ortschaften herankämen, sehe er darin durchaus ein Gefahrenpotenzial. Er sei dafür, dass der Wolf in Brandenburg unter bestimmten Bedingungen bejagt werden darf, ähnlich wie es in Sachsen jetzt angegangen wird, sagt Klopp.

Es ist Zufall, dass sich Torsten Klopp die Jagdpacht im Revier Osteroda/Redlin mit Reiner Schülzke teilt. Er ist der Mann von Iris Schülzke, Abgeordnete für die Gruppe BVB/ Freie Wähler im Brandenburger Landtag. "Die Wölfe kommen immer dichter an die Ortschaften ran. Sie brauchen etwas zu fressen und holen sich das auch. Hier muss endlich etwas passieren. Minister Vogelsänger muss reagieren, um die Menschen und deren Eigentum zu schützen. Das habe ich im Landtag auch deutlich gesagt", so Iris Schülzke. Nach ihren Aussagen leben in Deutschland derzeit 46 Wolfsrudel, davon 23 in Brandenburg. "Und von diesen 23 fast 90 Prozent im Süden des Landes", sagt sie. Die Abgeordnete fordert ein Handeln der Landesregierung. "In Sachsen tut sich was, in Niedersachsen ebenfalls. Aber in Brandenburg passiert nichts", so Iris Schülzke.

Die Schliebenerin ist selbst Jägerin und kennt sich aus. Es gebe den wissenschaftlichen Nachweis, dass die Wildstrecken in den letzten beiden Jahren in Südbrandenburg zusammengebrochen sind, sagt sie. "Der Wildbestand ist nicht mehr so hoch. Muffelwild gibt es nicht mehr und auch die Rehe sind weniger geworden", so Schülzke. "Der Wolf ist und bleibt ein großes Raubtier. Er jagt, um zu töten. Das ist sein natürliches Wesen. Und um an Futter zu gelangen, kommt er immer dichter an unsere Ortschaften. Die Landesregierung muss endlich aktiv werden", fordert sie.