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| 10:21 Uhr

Frische Produkte vom Lande
Der letzte Prestewitzer Bauermarkt

Der Prestewitzer Bauernmarkt hat sich über Jahre etabliert. Er bietet frische Produkte vom Lande und lädt nebenbei auch zum Kaffeeplausch ein.
Der Prestewitzer Bauernmarkt hat sich über Jahre etabliert. Er bietet frische Produkte vom Lande und lädt nebenbei auch zum Kaffeeplausch ein. FOTO: LR / Sylvia Kunze
Der Bönitzer Röderland-Agrarbetrieb will den Markt bei sich aber fortführen. Von Sylvia Kunze

Auf den Parkflächen herrscht das gleiche Gedränge, wie bei allen vorherigen Bauernmärkten. Kaum leert sich ein Fleckchen auf dem Hof und vor dem Firmengelände der Prestewitzer Agrarbetriebe, fädelt sich ein neuer Pkw, besetzt mit potenziellen Marktbesuchern, ein. Es ist früher Nachmittag. Die Gäste sind meist noch im fortgeschrittenerem Alter. Jüngere Jahrgänge stoßen erst etwas später dazu. Auch das ist kein neuer  Trend, sondern eine stetige Beobachtung über all die Jahre.

Und das sind nicht wenige. 20 Jahre wird schon zum Bauernmarkt eingeladen und mit frischen Produkten aus der Region geworben. Im Juni 1999 war der Auftakt. Die diesjährige Einladung in der Vorweihnachtszeit ist nun eine besondere, denn es ist der letzte Markt, der in Prestewitz stattfindet. Die Organisatoren von insgesamt 156 Märkten wollen sich  zurückziehen.

„Wir sind alle längst im Ruhestand“, begründet Dieter Kestin, einer der Mitbegründer der Prestewitzer Bauernmärkte. Der korrespondierende Verein, der einst nötig war, um in den Genuss einer Anschubfinanzierung zu kommen, hat sich längst aufgelöst. Die führenden Köpfe haben in ihrer Freizeit aber weiteragiert, geplant, den Kontakt mit Händlern gehalten und im gewohnten Turnus weiter die beliebten Termine organisiert und sich über jeden Helfer gefreut. „Es haben viele mit zugepackt“, freut sich Katrin Bröschen, bei der in den letzten Jahren die Organisationsfäden zusammenliefen. Dennoch sei es ihnen inzwischen zu viel geworden, bekennt Kestin.

Der Entschluss aufzuhören, fällt leicht(er), „weil wir sicher sind, ihn in gute Hände zu geben“, sind sich Katrin Bröschen und Dieter Kestin einig und schauen dabei zu ihren „Nachfolgern“ aus der Röderland GmbH in Bönitz. Geschäftsführer Manfred Stahr hat versprochen, es versuchen zu wollen. Mit den regelmäßig schon an jedem ersten Samstag im Monat stattfindenden Hofverkäufen und den bunten Märkten zu den Hoffesten sind vor Ort bereits erste Erfahrungen gesammelt worden, die Mut für mehr machen.

„Die ersten Ideen reifen schon“, verrät Stahr. Er wird auf den breiten Stamm der regionalen Händler, die regelmäßig und über Jahre nach Prestewitz gekommen sind, sicher auch in Bönitz bauen können. „Die meisten von ihnen haben das bereits signalisiert“, berichtet Kestin.

Rund 30 Direktvermarkter aus dem Elbe-Elster-Kreis und dem nahen Umland füllen die Liste der Partner. Etwa 20 sind bei jedem Markt mindestens vor Ort. Da findet man zum Beispiel das Büffelfleisch aus dem Schradenland neben den leckeren Backwaren von Beegs aus Bad Liebenwerda, Fischleckerbissen aus Elsterwerda neben Wildspezialtäten aus Jagsal oder auch Kuchen und andere süße Leckereien aus Gorden neben Blumen und Pflanzen aus Beutersitz oder Hähnchen aus Haida.

Manfred Stahr kennt sie alle und hofft ebenfalls auf gute Zusammenarbeit. Nach jetzigen Planungen soll im April, im Mai, im Oktober und im Dezember sozusagen zum großen Hofverkauf nach Bönitz eingeladen werden. An ausreichendem Platz fehle es dort jedenfalls nicht. Personell werde man bei diesen Terminen jedoch aufstocken müssen, ist er sich bewusst. „Wenn es sich igendwie rechnet, dann wollen wir gern die Märkte regelmäßig durchführen. Aber sie dürfen kein Zuschussgeschäft werden“, sagt der Röderland-Chef. „Alles Mögliche wird ja gefördert, aber bei der Direktvermarktung hapert es“, ärgert er sich. „Bestandspflege wird vernachlässigt“, betätigt Dieter Kestin, dass nach einer Anschubfinanzierung längst keine Fördermittel mehr fließen. Dabei sei es doch in unserer Region denkbar schwer, als Direktvermarkter zu bestehen. „Die Kaufkraft fehlt“, schätzt Stahr ein und hofft aber dennoch auf ein Gelingen seines Vorhabens, den Markt ab dem nächsten Jahr nach Bönitz zu holen.