ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:24 Uhr

Bildung
Der Hort – das 5. Rad am Wagen?

Das ist etwa die Hälfte der Kinder, die die Hortnerinnen im Hort „Sonnenschein“ in Schönewalde betreut. Sie bereiten gerade aufwändig das Hortjubiläum vor.  Die Erzieherinnen wünschen sich mehr Unterstützung und Anerkennung für ihre Arbeti.
Das ist etwa die Hälfte der Kinder, die die Hortnerinnen im Hort „Sonnenschein“ in Schönewalde betreut. Sie bereiten gerade aufwändig das Hortjubiläum vor. Die Erzieherinnen wünschen sich mehr Unterstützung und Anerkennung für ihre Arbeti. FOTO: Rudow / LR
Schönewalde. Schönewalder Erzieherinnen fordern einen besseren Personalschlüssel. Von Birgit Rudow

126 Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis zwölf Jahren besuchen die Grundschule „Otto Nagel“ in Schönewalde. 98 von ihnen gehen nach Schulschluss nur wenige Schritte weiter in das Hortgebäude.  Momentan bereiten sie sich auf die Feier zum 60-jährigen Bestehen des Hortes vor (die RUNDSCHAU berichtete). Doch auch, wenn die Einrichtung „Sonnenschein“ heißt, eitel Sonnenschein ist nach Ansicht der Hortnerinnen längst nicht alles. Das liegt weniger an den Bemühungen der Stadt Schönewalde als Träger, als viel mehr an der Situation der Horte in Brandenbrug allgemein, sagt die Leiterin der Schönewalder Einrichtung Brigitte Fritz.

Die Erzieherin mit Leib und Seele hat ihrem Herzen Luft gemacht und  Ende vergangenen Jahres einen Brief an die Kreisverwaltung und das Bildungsministerium in Potsdam geschrieben. Eine Antwort hat sie darauf noch nicht erhalten.

„Wir Horterzieher fühlen uns wie das 5. Rad am Wagen in der Bildungspolitik. Über den Kita-Bereich wird immer debattiert und dort wird ausdauernd an der Verringerung der Gruppenstärken gearbeitet. Das ist wichtig und richtig. Aber wo bleiben die Schulkinder in der Nachmittagsbetreuung und während der Ferienzeiten? Wann wird über die Gruppenstärke dieser Kinder und über ihre Erzieher gesprochen?“ fragt sie.

Die 98 Kinder werden von sechs Erzieherinnen betreut, die in Teilzeit 30 Stunden in der Woche arbeiten. Bei Bedarf wird von 6 bis 7.30 Uhr ein Frühdienst angeboten. Anschließend fahren die Kollegen wieder nach Hause und kommen um 11 Uhr wieder, berichtet Brigitte Fritz. In den Ferien hat der Hort von 7  bis 17 Uhr geöffnet. „Wir haben keine technische Kraft, die sich um die hauswirtschaftlichen Dinge kümmert. Während der Ferien sind wir zudem noch für die Austeilung des Mittagessens und die Erledigung des Abwasches zuständig“, so die Hortleiterin. Diese Zeit stehe eigentlich den Kindern zu. 

Oft fehle es an Personal, vor allem, wenn Kolleginnen krank sind oder ein Baby erwarten. Erst im Oktober vergangenen Jahres hat der Träger grünes Licht gegeben, eine Kollegin für einige Monate zurück zu holen, die eigentlich im Sommer in den Ruhestand verabschiedet wurde.  

 Brigitte Fritz kritisiert auch die Situation bei der Arbeit mit Kindern, die einen erhöhten Betreuungsbedarf haben. Am Vormittag in der Schule würde diesen Kindern eine Einzelfallhilfe zur Seite gestellt. Doch am Nachmittag seien die Hortnerinnen auf sich alleine gestellt, so  Brigitte Fritz. Mit großem Kampf und Ärger sei es dem Hort jetzt gelungen, wenigstens stundenweise eine Unterstützung zu erhalten.

„Wir sind keine Aufbewahrungsstätte, zu der wir uns leider aufgrund des eng beschnittenen Personals  langsam hinbewegen. Auch wir in den Horten arbeiten nach Bildungsgrundsätzen“, sagt die 57-Jährige. Sie und ihre Kolleginnen würden den Hortalltag allerdings immer öfter am Limit stemmen, und aus vielen Gesprächen mit Kollegen aus anderen Horten wisse sie, dass die Schönewalder mit den Problemen nicht allein stehen.

Eines wollen Brigitte Fritz und ihre Kolleginnen aber deutlich sagen: Sie lieben die Arbeit mit den ihnen anvertrauten Kindern. Neben den Hausaufgaben zeigen sie ihnen den Weg zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung. „Sie sollen spielen und Spaß   haben, Konflikte selbstständig lösen lernen, Erlebnisse mit ihren Freunden teilen. Wir Erzieher sind oft Zuhörer in vielen Belangen des täglichen Lebens.  Gerade diese Altersgruppe hat einen riesigen Gesprächsbedarf. Aber das kommt oft zu kurz“, sagt die Hortleiterin. Und das, obwohl die Frauen ihre Arbeit nicht nach Schema F verrichten. Zwei Tanzlager für die Tanzgruppe in den Ferien mit Übernachtung in der Schule, jedes Jahr eine Fahrt ins Ferienlager mit etwa 70 Kindern, wöchentliche Klubnachmittage – alles das gehört zum Alltag. „Wir machen das gern. Aber wir müssen die Probleme auch mal offen ansprechen“, sagt Brigitte Fritz. Eigentlich wollte sie das schon im November auf der Bildungskonferenz des Landkreises tun. Aber sie konnte nicht teilnehmen. Es war mal wieder Personalengpass im Hort.