| 02:39 Uhr

Der Herzberger "Straßenrand-Entomologe"

Der Hobby-Entomologe Mathias Krüger.
Der Hobby-Entomologe Mathias Krüger. FOTO: rmr1
Herzberg. Man merkt es, sobald man mit ihm ins Gespräch kommt. Mathias Krüger, der vor wenigen Tagen im Bürgerzentrum einen gut besuchten Vortrag über die Galapagosinseln gehalten hat, hat ein Faible für die Natur und die Naturwissenschaften. Rico Meißner / rmr1

Dabei ist Krüger kein Biologe oder Geograf, sondern studierter Wirtschaftswissenschaftler und seit 1990 Kämmerer der Stadt Herzberg. Aber wie wird man eigentlich ein "Straßenrand-Entomologe", wie er sich selbst scherzhaft bezeichnet?

"Schon als Kind habe ich mich ungeheuer für die Natur, für Tiere und Pflanzen interessiert", sagt Krüger. "Alles, was ich gefunden und gesehen habe, wollte ich auch konkret bestimmen." Schwer sei es damals in der DDR gewesen, geeignete Bestimmungsliteratur zu finden. Inzwischen hat Mathias Krüger, geboren im Jahr des Mauerbaus, eine beachtliche Sammlung. "Es sind sicherlich weit über 1000 Bücher rund um das Thema Biologie."

Er sammelt aber nicht nur Literatur, sondern auch Exponate. Über 40 Kästen hat er angefüllt mit präparierten Käfern, Schmetterlingen oder Libellen. Die Entomologie - die Insektenkunde - ist seine große Leidenschaft, der er sich seit 1975 widmet.

Vor allem Libellen haben es ihm angetan. "Das fasziniert mich einfach. Da lebt die Larve jahrelang im Wasser und dann auf einmal verlässt sie es, um als Libelle durch die Luft zu fliegen. Zwei vollkommen unterschiedliche Lebensräume in einem Lebewesen vereint", ist Krüger von dieser Facette der Natur begeistert.

Viele seine Exponate sammelt er auf, ohne sie töten zu müssen. Er findet sie am Straßenrand. "Wenn ich etwas Interessantes sehe, steige ich sofort vom Fahrrad. Und dann geht es an die Bestimmung." Die ist oft nur unter dem Mikroskop möglich, weil bei den verschiedenen Insektenarten die Unterschiede sehr minimal sein können.

Seiner Auffassung nach verschwindet zunehmend ein Großteil der Systematik in der Naturbeobachtung, sowohl in der schulischen Ausbildung als auch in der Forschung. "An mancher Stelle scheinen Laien inzwischen mehr dazu beizutragen als Fachwissenschaftler", sagt er.

Nicht nur in seiner Heimat ist Krüger den Naturzusammenhängen auf der Spur. Kürzlich war er in Rumänien und eben auch schon auf den Galapagosinseln unterwegs. "Über 30 Jahre beschäftige ich mich mit dieser Art ,Freiluftlabor', abgeschnitten von allen Kontinenten. Ich hätte mir damals nie träumen lassen, dass ich einmal selbst dorthin fahren könnte." Bei aller Begeisterung bemerkt er aber auch die Gefahren, die beispielsweise eingeschleppte Tierarten oder übermäßiger Tourismus mit sich bringen.

Aber nicht nur auf den Inseln sieht er Veränderungen. "Auch hier bei uns scheint die Artenvielfalt teilweise rasant abzunehmen." Den Enzianbläuling, eine Schmetterlingsart, habe er beispielsweise schon seit Jahren nicht mehr gefunden.

Krüger hat weitere konkrete Reisepläne. "Ich würde gern mal nach Madagaskar reisen. So lange mache ich hier in der Region auf dem gleichen Level weiter wie bisher. Ich warte und freue mich jedes Jahr auf neue Beobachtungen. Und ich finde immer was."