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| 02:41 Uhr

Der Boden verrät die Wahrheit

Um eine Schädlingsanalyse zu erstellen, befestigen Forstarbeiter wie Dieter Bosdorf (l.) und Uwe Köppl an den Bäumen auch Leimringe.
Um eine Schädlingsanalyse zu erstellen, befestigen Forstarbeiter wie Dieter Bosdorf (l.) und Uwe Köppl an den Bäumen auch Leimringe. FOTO: svg1
Züllsdorf. Zur Überwachung des Auftretens von forstschädlichen Insekten nutzt der Bundesforstbetrieb Mittelelbe seit Jahrzehnten bewährte Probenverfahren, um aus dem Vorhandensein bestimmter Stadien der Insektenentwicklung auf die mögliche Massenvermehrung zu schließen. Insbesondere großräumige Kiefernreinbestände, wie man sie in Ostdeutschland aufgrund der standortlichen Verhältnisse und der forstlichen Geschichte vorfindet, sind durch verschiedene Insekten gefährdet. Sven Gückel / svg1

Allem voran sind das der Kiefern-Spanner, der Kiefern-Spinner, die Forleule sowie, derzeit besonders gravierend, die Kiefernbuschhorn-Blattwespe.

"Alle genannten Arten eint, dass sie sich im Verlaufe ihrer Entwicklung vom Ei über Larve, Puppe bis hin zum fertigen Insekt in der Bodenstreu, also zwischen Nadeln, Blättern und Bodenpflanzen aufhalten und dort gefunden werden können", erläutert René Bruschke, Leiter des Betriebsbereichs Ost (Annaburger Heide) im Bundesforstbetrieb Mittelelbe. Diesen Umstand nutzt die sogenannte Winterbodensuche. Dabei suchen die Waldarbeiter nach einem vorgegebenen Raster den Waldboden bis in mehrere Zentimeter Tiefe nach den Insektenstadien ab. Diese werden eingesammelt und zur konkreten Bestimmung an die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen versandt, die regional für den Bereich Annaburger Heide zuständig ist.

"Da stets eine festgelegte Fläche abgesucht wird, kann aus der Anzahl pro Quadratmeter gefundener Objekte auf die Belagsdichte geschlossen werden", ergänzt Bruschke. Beim Überschreiten bestimmter Grenzwerte gibt es weitergehende Beprobungen und unter Umständen auch die Entscheidung zum Einsatz von Insektiziden. Dieser ist allerdings die große Ausnahme. Zuvor werden die Puppenstadien auf eventuell vorhandene Parasiten oder Krankheiten untersucht, da die Natur unter Umständen selbst die Massenvermehrung unterbricht.

Zudem sei eine gewisse Dauerbelastung, der Förster spricht vom "eisernem Bestand", im Ökosystem Wald völlig normal. Unabhängig davon versucht die Forstwirtschaft, mit der Anreicherung der Laubholzbestände in den Wäldern das Schadrisiko soweit als möglich zu verringern.

Traditionell findet die Winterbodensuche im Zeitraum November bis Januar statt und ist damit für dieses Jahr weitestgehend abgeschlossen. Bestimmte Insekten bewegen sich jedoch bei Auftauchen warmer Temperaturen als Raupe vom Boden am Stamm entlang in den Kronenbereich. "Darum nutzen wir auch sogenannte Leimringe, an denen die Larven hängen bleiben, damit wir sie zählen können", fügt Rene Bruschke an. Ähnliches praktizieren auch die Obstbauern der Region, um einzelne Arten von Faltern von einer Schädigung der Obstgehölze abzuhalten. Die Leimringe der Bundesforst werden nach einem zuvor festgelegten Muster im Wald verteilt und liefern wertvolle Erkenntnisse für die Populationsdynamik der Schadinsekten.

Die größten Sorgen bereitet den Forstleuten derzeit die Entwicklung der Kiefernbuschhorn-Blattwespe, die bereits größere Bereiche in Südbrandenburg befallen hat. Allerdings hat dieses Insekt auch eine Reihe natürlicher Gegenspieler, sodass Massenvermehrungen meist nicht von großer Dauer sind. Da durch die Trockenheit des Jahres 2016 sowie das Auftreten einer Pilzinfektion viele Bestände vorgeschädigt sind, gilt es, wachsam zu sein und die Augen offen halten.

Zum Thema:
Die Annaburger Heide ist ein auf die Territorien von Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg übergreifendes Waldgebiet, das insbesondere forstwirtschaftlich und für Jagdzwecke genutzt wird. Teile des Gebietes dienen zudem als Standortübungsplatz der Bundeswehr. Jagdgeschichtlich hat die Heide viel zu erzählen. So soll am 18. Dezember 1749 eine große kurfürstliche Sau- oder Schweinehatz in der Annaburger Heide stattgefunden haben, bei der immerhin insgesamt 859 Stück Wild erlegt worden sind.