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Den Weg zurück in normales Leben gefunden

Reinhard Richter aus Kölsa ist überglücklich. Prof. Dr. Roland Reinehr hat bei ihm die EndoBarrier-Methode erfolgreich angewandt. Reinhard Richter hat seit Januar dieses Jahres 26 Kilogramm abgenommen und seine Diabetes jetzt viel besser im Griff.
Reinhard Richter aus Kölsa ist überglücklich. Prof. Dr. Roland Reinehr hat bei ihm die EndoBarrier-Methode erfolgreich angewandt. Reinhard Richter hat seit Januar dieses Jahres 26 Kilogramm abgenommen und seine Diabetes jetzt viel besser im Griff. FOTO: Böttcher
Herzberg. Wer Reinhard Richter aus Kölsa eine Zeit lang nicht gesehen hat, wird es kaum glauben. Der 67-Jährige hat seit Januar dieses Jahres 26 Kilogramm abgenommen. Nicht der Schönheit wegen, sondern in erster Linie, um seiner Diabetes-Erkrankung beizukommen. Dank einer von Prof. Dr. Roland Reinehr in den Süden Brandenburgs geholten Methode hat der Patient an Gesundheit und damit an Lebensqualität gewonnen. Gabi Böttcher

"Ich hatte mit meinen 126 Kilogramm nur Huddelei. Die Füße taten weh, waren ständig kalt. Ich hatte Krämpfe ohne Ende", denkt Reinhard Richter zurück. Von 130 Kilogramm hatte er sich über Jahre mühsam auf 125 Kilogramm heruntergearbeitet. Aber mehr wollte einfach nicht gelingen. Wenn die Familie am Urlaubsort in die Natur wanderte, blieb er mit dem Fernglas in der Ferienwohnung zurück. Die Insulingaben, die den Blutzuckerspiegel senken sollten, wurden immer höher, kletterten bis auf 50 Einheiten pro Tag. "Heute sind sie auf sechs Einheiten zurückgegangen, der Zucker war heute Morgen 4,6", freut sich Reinhard Richter beim Gespräch mit der RUNDSCHAU. Er, der kaum mehr eine Linderung seiner gesundheitlichen Probleme gesehen hatte, ist heute aus tiefstem Herzen dankbar. Dafür, dass der ärztliche Direktor des Elbe-Elster Klinikums und Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Prof. Dr. Roland Reinehr, eine zuvor im Osten Deutschlands nur in Berlin und Niesky angewandte Methode nach Elbe-Elster holte. Insgesamt sind deutschlandweit nur 20 Kliniken für diese Methode zugelassen. Patient Reinhard Richter ist zudem froh, dass zwischen dem Klinikum und seiner niedergelassenen Ärztin, Diplom-Medizinerin Ina Kircheis, ein so heißer Draht besteht, dass eine so drastische Verbesserung seiner gesundheitlichen Situation herbeigeführt werden konnte. Bisher konnte in Herzberg zehn Diabetes-Patienten mit der EndoBarrier-Methode geholfen werden. Roland Reinehr: "Bei allen ist es super gelaufen."

Neben der Diabetologin Ina Kircheis ist auch die Diplom-Medizinerin und Diabetologin Ines Ebenroth in Bad Liebenwerda Partnerin für diesen alternativen Behandlungsweg.

Für Prof. Reinehr liegen die Vorteile klar auf der Hand. Im Gegensatz zu einem operativen Eingriff mit dem Ziel einer Magenverkleinerung wird bei der EndoBarrier-Methode auf endoskopischem Wege durch den Mundraum ein hauchdünner Plastikschlauch eingeführt. Nach einem Jahr wird der Schlauch wieder entfernt.

Im Kopf des Patienten muss es allerdings spätestens zu diesem Zeitpunkt klick gemacht haben, um erreichte Effekte nicht durch einen Rückfall in alte Essgewohnheiten zunichtezumachen. Reinhard Richter ist entschlossen: "Ich habe den Weg zurück zu einem normalen Leben gefunden. Ich kann wieder Treppen steigen, Rad fahren, in die Pilze gehen. Das soll so bleiben. Da passen auch meine Frau und meine Töchter auf."

Dass er und weitere neun Patienten in Elbe-Elster eine Art Pionierrolle innehaben, wird beim Blick hinter die Kulissen deutlich. Der Anwendung der Methode am Elbe-Elster Klinikum in Herzberg ging eine intensive Vorbereitung voraus.

Prof. Dr. Roland Reinehr musste den praktischen Nachweis führen, dass er die Methode anwenden kann. Im Juni vorigen Jahres konnte er das entsprechende Zertifikat entgegennehmen. Theoretische Schulungen aller am Netzwerk Beteiligten gingen dem ebenfalls voraus. Parallel dazu führte Klinikum-Geschäftsführer Michael Neugebauer den Kampf mit den Krankenkassen, damit diese die Kosten für die neue Behandlungsmethode übernehmen. Sowohl die Schiedsstelle mit Vertretern der Krankenkassen und der Krankenhausgesellschaft, als auch das Brandenburger Gesundheitsministerium stimmten dem nach eingehender Prüfung zu. Dennoch klagen die Kassen erneut gegen die Kostenübernahme.

Für Prof. Reinehr ist klar, dass einem kleinen, für diese Methode infrage kommenden Personenkreis von Diabetikern keine Kosten für die Behandlung entstehen dürfen. Für Reinhard Richter ist ebenso wie für den Professor und den Klinikum-Geschäftsführer bewiesen: Diese etwa 30 Minuten dauernde endoskopische Methode mit zwei Tagen Aufenthalt im Krankenhaus ist eine klare Alternative zu einer mehrere Stunden währenden Operation zur Magenverkleinerung mit längerem Klinikaufenthalt und potenziell höherem Risiko.

Am Elbe-Elster Klinikum hält man indes unbeirrt an der Überzeugung und diesem Kurs fest: Innovationen zum Wohle der Patienten wohnortnah anzuwenden, ist kein Privileg von Universitätskliniken oder Krankenhäusern der Maximalversorgung.

Zum Thema:
Ein hauchdünner Plastikschlauch (siehe Modell im Foto), der etwa 60 Zentimeter lang ist, wird durch den Mundraum des Patienten eingeführt. Verankert am Zwölffingerdarm fällt die Nahrung unterhalb des Magens in den Schlauch und kommt so erst etwa 60 Zentimeter später in den Kontakt mit den Säften von Bauchspeicheldrüse und Leber. Der Schlauch stellt sozusagen eine physische Barriere zwischen der Darmwand und der aufgenommenen Nahrung her. Dies sorgt im Zusammenspiel mit den Hormonen im Darm für ein Sättigungsgefühl. Weniger Nahrung wird aufgenommen. Überdies sorgen eine Regulierung von Insulin und Blutzucker dafür, die Diabetes besser unter Kontrolle zu bringen und Medikamente reduzieren zu können.