ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:41 Uhr

Den ersten Preis gemeinsam aufgegessen

Erste Plätze ist Yvonne Pijahn gewöhnt. Eine Torte als Preis ist dann doch etwas Neues.
Erste Plätze ist Yvonne Pijahn gewöhnt. Eine Torte als Preis ist dann doch etwas Neues. FOTO: Serena Nittmann/sni1
Herzberg/Prag. Erst in der vergangenen Saison hat sich die ehemalige Rennrollstuhlfahrerin Yvonne Pijahn, eine der besten der Welt, für einen Wechsel auf das Liegebike entschieden. Jetzt hat sie bereits bei ihrem ersten Europa-Cup in Prag triumphiert. Damit lieferte sie einen perfekten Einstand in die neue Wettkampfart. Serena Nittmann / sni1

Alles ist neu, alles ist anders - daher vertraute die Herzbergerin ihrem Landestrainer Renee Schmidt für Radsport vom BPRSV Cottbus. Der meldete sie zum "Europa Cup" (UCI Prague Para-Cycling European Cup) in der Disziplin Handbiking. "Ich habe mich nicht eingemischt, mich einfach drauf eingelassen und hart für den Wettbewerb trainiert. Da gehören Ausdauerstrecken für das Straßenrennen von 60 bis 80 Kilometern ebenso dazu wie Sprintstrecken von 15 bis 20 Kilometer", erzählt Yvonne Pijahn, vielen bekannt als Yvonne Sehmisch.

Hartes Training - keine Probe

Doch was die Top-Athletin in Prag erwartete, überstieg ihre kühnsten Vorstellungen. Sie meisterte einen Massenstart mit 60 bis 70 Teilnehmern mit einer Gesamtstrecke von 22,8 Kilometern - fünf 4,55 Kilometer-Runden "Die Schwierigkeit war es, innerhalb von zwei Kilometern auch noch zwei Anstiege von jeweils acht bis zehn Prozent zu bewältigen", erinnerte sich die Herzbergerin. Weil sie im Vorfeld so hart trainiert hatte, hat sie sich gegen eine Probefahrt entschieden. "Das war gut so. Denn sonst hätte ich das Rennen niemals mit solch einer guter Zeit belegen können", sagt Yvonne Pijahn und fügt hinzu: "Am nächsten Tag hatte ich sogar das Gefühl, dass ich trotz Fortbewegung am Berg stehe." Dazu kam das Kopfkino, einmal die Muskeln zu locker gelassen, würde sie trotz Sprint sofort wieder nach hinten zurückrollen.

Und auch das Einzelzeitfahren je nach Behinderung verlangte noch einmal alles ab. Zwei Runden mit insgesamt 9,2 Kilometern schlugen hier zu Buche. Dies war zudem eine völlig neue Erfahrung im Liegebike. "Ich habe schon auch im Rennrollstuhl kleinere Berge bezwungen, aber solche noch nicht. Selbst meine Freunde aus dem Allgäu, die Steigungen gewiss gewohnt sind, hatten im Liegebike zu kämpfen", erzählte die Athletin und gestand: "Ich war hinterher stolz, es geschafft zu haben. Meine Grenzen kenne ich und daher war es, wie ins kalte Wasser geschmissen zu werden." Wohl nur gut, dass niemand vor dem Europa-Cup wusste, dass der Streckenverlauf 2015 komplett bergauf ging. "Wir sind im Vorfeld die Strecke nur mit dem Auto abgefahren, irgendwo muss man sich ja den Kick holen. Der Ehrgeiz, den Berg zu bezwingen, war schon sehr groß", räumte die Liegebikefahrerin ein.

Am Ende triumphierte Yvonne Pijahn sogar. Bei der Addition beider Wettkämpfe erzielte sie den Gesamtsieg. Dafür gab es einen 1. Preis zum Aufessen - eine riesige Torte. Sie wurde gemeinsam mit ihren Arbeitskollegen und ihrem Mann Matthias verspeist. Aber auch ihr Cottbuser Landestrainer Renee Schmidt und ihr Bruder Torsten Sehmisch, der sie zu Hause trainiert, zeigten sich sehr zufrieden. Das harte Training hatte sich also wieder einmal gelohnt.

Trainingslager geplant

Demnächst soll es in Cottbus ein Trainingslager geben, wo Athleten mit gleicher Behinderung aus Dresden und dem Brandenburger Raum zusammen kommen. Im Februar 2016 möchte sie sich mit den Cottbuser Vereinsmitgliedern im Trainingslager auf Mallorca auf die neue Saison vorbereiten, um so neue Wettkämpfe zu bestreiten. Training dient ihrer Meinung immer mehr zum Lernen und Erfahrungen zu sammeln. "Ich baue natürlich vor allem auch auf das Wissen und die materielle Unterstützung meines Vereins. Mein Trainer ist auch sehr daran interessiert, seine Schützlinge auf dem Treppchen zu sehen", sagt Yvonne Pijahn, von der man auch im nächsten Jahr ganz gewiss wieder hören wird.