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| 16:53 Uhr

Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“
Daumendrücken für Züllsdorf

Ein besonderes Erinnerungsfoto: Die Züllsdorfer und ihre Gäste aus dem Landkreis mit der Landesjury vor der Kirche auf dem Festplatz.
Ein besonderes Erinnerungsfoto: Die Züllsdorfer und ihre Gäste aus dem Landkreis mit der Landesjury vor der Kirche auf dem Festplatz. FOTO: LR / Rudow
Züllsdorf. Der Herzberger Ortsteil hat sich vor der Jury aus Potsdam ausgezeichnet präsentiert. Von Birgit Rudow

Schon kurz vor halb 9 legten sich die Bläser der Züllsdorfer Jagdgemeinschaft am Dienstag mächtig ins Zeug. Ihr musikalischer Gruß galt der siebenköpfige Jury für den diesjährigen Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, die mit dem Bus aus Potsdam beim Wettbewerbssieger des Elbe-Elster-Kreises 2018 angereist war. Tobias Wienand vom Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft, Bianka Petereit vom Städte- und Gemeindebund Brandenburg, Haiko Türk vom Landesamt Denkmalpflege, Silvia Wernitz vom Landesbauernverband, Dr. Margarete Löffler vom Gartenbauverband Berlin-Brandenburg, Wilma Nickel vom Landfrauenverband und Stefanie Röder von der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH werden Anfang Juli darüber entscheiden, welcher der 17 Kreissieger in diesem Jahr den Landeswettbewerb gewinnt. Züllsdorf war die sechste Station ihrer mehrwöchigen Rundreise durch das Land.

Egal, wie der Wettbewerb für die Züllsdorfer ausgeht, eines kann man ihnen schon jetzt bescheinigen: Sie haben sich hervorragend präsentiert. Ortsvorsteher Ulrich Grundmann hatte sogar einige Tage frei genommen, um sich mit seinen Leuten auf den großen Tag vorzubereiten. Ihnen zur Seite standen am Dienstag auch Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, Herzbergs Bürgermeister Karsten Eule-Prütz und Stadtplanerin Janett Lehmann.

Sie hat den Züllsdorfern auch geholfen, ein Leitbild für den Ort zu erstellen. Heimat für junge Familien, Stärkung der regionalen Wirtschaft, Vereine als Rückgrat des Zusammenhalts, die Wahrung von Traditionen oder der Erhalt von Naturräumen sind nur einige Schlagworte für die weitere Entwicklung des mit 457 Einwohnern größten Herzberger Ortsteils. „Im Rahmen des Wettbewerbs haben wir gemerkt, dass wir solch ein Leitbild brauchen“, sagte Peter Mann. Er hat die Jury in der Warmbierhalle (der Wirt hatte hier früher nur warmes Bier ausgeschenkt) per Internetpräsentation durch den Ort geführt und somit auch zugleich bewiesen, dass Züllsdorf digital super aufgestellt ist.

Sportverein, Kultur- und Heimatverein, Reitverein und Anglerverein dazu Feuerwehr, Kirchengemeinde, Musikanten, das Holz bearbeitende A-Team, Romméfrauen, Doppelkopfmänner, Jagdgenossenschaft und Landfrauen – in Züllsdorf spielt sich, wie Karsten Eule Prütz es nannte, cooles Dorfleben ab. In vielen Vorständen, so Peter Mann, hätten jüngere Leute mittlerweile das Ruder übernommen. Im Blick habe man aber speziell auch die ältere Generation. Derzeit würden die 45- bis 60-Jährigen die zahlenmäßig größte Altersgruppe in Züllsdorf ausmachen. Für die Zeit, wenn diese Generation ins höhere Alter kommt, wolle man gewappnet sein, sagte Peter Mann.

Die Rundfahrt durch den Ort erfolgte anschließend ganz rustikal in Kremsern des Reit.- und Fahrvereins. Erste Station war das Einkaufszentrum, das Cordula Grundmann mit ihrem Bruder betreibt. Cordula Grundmann ist der Inbegriff dessen, was möglich ist, wenn man sich mit dem ganzen Herzen engagiert. „Cordula macht’s möglich“, dieser Satz hat sich bei Jury-Chef Tobias Wienand so sehr eingeprägt, dass er ihn später bei seinen Abschiedsworten gleich zwei Mal wiederholte.

Weiter ging es zum Kindergarten. Die Nach-Wende-Probleme sind in der Einrichtung längst behoben. Die 40 Kita- und Hortkinder, darunter auch Knirpse aus Afrika, dem Iran und Österreich, finden hier beste Bedingungen vor, erläuterte Leiterin Katrin Kiepsch. Das würde zum Beispiel auch Rückkehrer anlocken, sagte sie. Im Laufe der Jahre sei viel umgebaut und saniert worden. Auch Eltern auch Herzberg, Löhsten oder Fermerswalde würden ihre Kinder nach Züllsdorf bringen. Ob Zampern, Sommerfest, Dorffest oder Weihnachtsmarkt – die Kita ist fester Bestandteil im Dorfleben. „Und wenn wir mal Hilfe brauchen, ist sofort jemand aus dem Ort zur Stelle“, so die Leiterin.

Überhaupt sind Miteinander und Zusammengehörigkeit Begriffe, die in Züllsdorf ganz groß geschrieben werden. Das machte Erhard Pieper, Chef der Agrargenossenschaft mit 1000 Rindern, 4000 Schweinen und einer Biogasanlage der Jury deutlich. „Die Gemeinschaft funktioniert sehr gut“, sagte er. Ob Vereine, Firmen, Feuerwehr, Kirche, Kindereinrichtung – man hilft sich.

Bestes Beispiel dafür ist die Dorfkirche. Dirk Handke, Unternehmer und Gemeindekirchenratsvorsitzender, berichtete der Jury von der schrittweisen Sanierung des Gotteshauses, der erfolgreichen Sammelaktion im Ort und den Sommerkonzerten. Die besondere Akustik in der Züllsdorfer Kirche konnten die Jurymitglieder beim Orgelspiel von Vera Gerlieb aus Falkenberg auf sich wirken lassen.

Nach dem geruhsamen Kirchenbesuch wartete auf die Jury eine Mutprobe. Auf dem Festplatz nebenan hatte die Herzberger Feuerwehr ihren „Steiger“ aufgestellt. Drei der Gäste aus Potsdam nutzen so die Gelegenheit, aus der Höhe einen Blick auf Züllsdorf zu werfen, während der stellvertretende Wehrleiter Andy Beier den anderen von den Bemühungen berichtete, die Züllsdorfer Wehr wieder zu einer schlagkräftigen Truppe zu formen. Vor allem für die Jugendfeuerwehr sei das bei dem großen Angebot an Freizeitbetätigungen im Ort gar nicht so einfach, sagte er. Und dass der Wehrleiter durchaus recht hat, zeigten Sporthalle und Sportplatz sowie das Bowlingzentrum in Regie des Kultur- und Heimatvereins als die letzte Station der Rundreise. Zum Abschluss hat Tobias Wienand für die Jury ein kleines Resümee gezogen. „Sie haben in Züllsdorf einige Perlen, und Sie haben gezeigt, dass es Spaß macht, hier zu leben“, sagt er.

In die Karten ließ die Jury sich am Dienstag aber nicht schauen. Sie ist weiter gezogen nach Fürstlich Drehna, dem Kreissieger Dahme-Spreewald. Erst am 13. September zur Auszeichnungsveranstaltung für den Wettbewerb in Saun (Oder-Spree) wird das Geheimnis um den Sieger gelüftet. Landrat Christian Heinrich-Jaschinski hingegen hat seinen Favoriten am Dienstag schon kundgetan.

Ankunft am Kindergarten: Züllsdorfs Ortsbeiratschef Ulrich Grundmann hilft den Damen der Jury aus dem Kremser des Reit- und Fahrvereins, in dem die Gäste durch den Ort geführt wurden.
Ankunft am Kindergarten: Züllsdorfs Ortsbeiratschef Ulrich Grundmann hilft den Damen der Jury aus dem Kremser des Reit- und Fahrvereins, in dem die Gäste durch den Ort geführt wurden. FOTO: LR / Rudow
Wer wollte, der konnte sich Züllsdorf auch aus luftiger Höhe betrachten. Dazu hatte die Herzberger Feuerwehr extra den Hubretter nach Züllsdorf gebracht.
Wer wollte, der konnte sich Züllsdorf auch aus luftiger Höhe betrachten. Dazu hatte die Herzberger Feuerwehr extra den Hubretter nach Züllsdorf gebracht. FOTO: LR / Rudow
Der Chef der Agrargenossenschaft Züllsdorf Erhard Pieper rührte die Werbetrommel für die Landwirtschaft und lobte vor allem für die gute Zusammenarbeit des Landwirtschaftsbetriebes mit dem Ort. Mitgebracht hatte er im geschmückten Wagen die beiden Kälbchen Max und Moritz.
Der Chef der Agrargenossenschaft Züllsdorf Erhard Pieper rührte die Werbetrommel für die Landwirtschaft und lobte vor allem für die gute Zusammenarbeit des Landwirtschaftsbetriebes mit dem Ort. Mitgebracht hatte er im geschmückten Wagen die beiden Kälbchen Max und Moritz. FOTO: LR / Rudow
Halt an der Kirche. Dirk Handke vom Gemeindekirchenrat informierte zur Geschichte und zu Sanierungsarbeiten, die nur mit kräftigem Zutun der Züllsdorfer möglich waren.
Halt an der Kirche. Dirk Handke vom Gemeindekirchenrat informierte zur Geschichte und zu Sanierungsarbeiten, die nur mit kräftigem Zutun der Züllsdorfer möglich waren. FOTO: LR / Rudow
Der „Konsum“ mit seinem Sortiment und vor allem das Engagement von Cordula Grundmann haben richtig Eindruck auf die Jury gemacht. Hier bekommt auch die Postfrau am frühen Morgen schon mal einen Kaffee.
Der „Konsum“ mit seinem Sortiment und vor allem das Engagement von Cordula Grundmann haben richtig Eindruck auf die Jury gemacht. Hier bekommt auch die Postfrau am frühen Morgen schon mal einen Kaffee. FOTO: LR / Rudow
Da staunte die Jury nicht schlecht. Die Kita „Löwenzahn“ bietet den Kindern reichlich Platz zum Spielen. Direkt am Garten stehen Pferde des Reitvereins.
Da staunte die Jury nicht schlecht. Die Kita „Löwenzahn“ bietet den Kindern reichlich Platz zum Spielen. Direkt am Garten stehen Pferde des Reitvereins. FOTO: LR / Rudow