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| 19:36 Uhr

Kleingärten in Falkenberg: Bedarf und Interesse gehen zurück
Falls es nicht mehr grünt und blüht

 Günter Paul ist morgens zeitig auf den Beinen, um die Pflanzen in seinem Schrebergarten in der Falkenberger Sparte Nord mit ausreichend Wasser zu versorgen. Aber längst nicht mehr in allen Gärten ringsum grünt und blüht es so schön. Der Leerstand in den Sparten steigt. Deshalb werden in der Stadt Falkenberg Pläne geschmiedet.
Günter Paul ist morgens zeitig auf den Beinen, um die Pflanzen in seinem Schrebergarten in der Falkenberger Sparte Nord mit ausreichend Wasser zu versorgen. Aber längst nicht mehr in allen Gärten ringsum grünt und blüht es so schön. Der Leerstand in den Sparten steigt. Deshalb werden in der Stadt Falkenberg Pläne geschmiedet. FOTO: Dieter Müller
Falkenberg. Falkenberg und Gartensparten — das ist ein geschichtlich gewachsenes, ganz besonderes Verhältnis. Das Thema Leerstand in den Anlagen trifft die Eisenbahnstadt in besonderem Maße. Deshalb heißt es Pläne schmieden, wie man dem Problem begegnen kann. Von Sylvia Kunze

Günter Paul ist Laubenpieper aus Passion. Der Rentner hegt und pflegt seinen Kleingarten in der Falkenberger Sparte Nord. „Lohn“ ist ein grünendes und blühendes kleines Paradies. Für das er in diesen Tagen besonders zeitig aufsteht, denn ohne regelmäßigem Wässern, Günter Paul macht das am frühen Morgen, wären Blütenpracht und Ernteergebnisse bestimmt nur halb so schön bzw. gut.

Neue Gartennutzer zu finden ist schwierig

Auf dem Weg zu seinem Kleingarten wird schnell offensichtlich: Der eine oder andere einst Gleichgesinnte hat seinen Garten längst aufgegeben. Neue Nutzer zu finden, ist schwer bis unmöglich. Und das ist kein Einzelfall. Fern der Ballungszentren und Speckgürtel nimmt das Interesse an solchen Kleingärten ab. Die Eisenbahnstadt trifft dieses Leerstandproblem auf besondere Weise. Weil Falkenberg, bezogen auf die Einwohnerzahl, besonders viele solcher Parzellen in Kleingartenanlagen hat.

Wie es dazu gekommen ist: Für die Naherholung, Freizeitbetätigung und Versorgung hatten die Kleingärten in der Vergangenheit einen hohen Stellenwert, der seit einigen Jahren aber deutlich rückläufig ist. Die historisch große Anzahl an Kleingärten in Falkenberg ist zum einen auf den – verglichen mit anderen Kleinstädten – hohen Anteil an Mietwohnungen zurückzuführen, andererseits trugen diese in DDR-Zeiten maßgeblich zur bessern Versorgung der Vielzahl von Beschäftigten bei der Bahn mit niedrigen Einkommen bei.

522 Gärten in fünf Anlagen

Im Rahmen der Erarbeitung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzepts für die Stadt Falkenberg ist auch die Situation in den Kleingartenanlagen analysiert worden: Im Konzept heißt es dazu: Insgesamt gibt es 522 Kleingärten (die ungenutzten haben die 100 längst überschritten) in fünf Anlagen mit einer Gesamtfläche von 24,3 Hektar. Davon befinden sich drei Gartenanlagen (Gartensparte „Nord“ am Wohngebiet Am Stadtpark, Gartensparte „Gute Hoffnung“ in der Liebenwerdaer Straße, Gartensparte „Süd“ hinter dem Sportplatz Ludwig-Jahn-Straße) mit 17,6 Hektar auf kommunaler Fläche, das heißt: fast 76 Prozent der Kleingärten sind in städtischem Besitz.

Betrachtet man die Anzahl der Kleingärten im Verhältnis zu den Einwohnern bzw. Haushalten, ergibt sich, dass theoretisch etwa mehr als jeder fünfte Haushalt einen Kleingarten nutzt. Zieht man die Haushalte in Einfamilienhäusern ab, müsste fast jeder zweite bzw. dritte Haushalt in Falkenberg einen Kleingarten besitzen.

Vor allem ältere Nutzer

Doch so groß sind Bedarf und Interesse längst nicht mehr. Der Gartenleerstand wird immer größer – auch aufgrund der Altersstruktur in den Kleingartenanlagen. Insgesamt sind derzeit nur 17 Prozent der Kleingärtner jünger als 40 Jahre, während der Anteil der über 60-Jährigen 59 Prozent beträgt, und davon ist noch einmal mehr als ein Drittel über 70 Jahre alt. Vor diesem Hintergrund ist absehbar, dass der in den vergangenen Jahren erfolgte zunehmende Leerstand von Kleingärten noch weiter ansteigen wird.

Die abgeleitete Aufgabenstellung: Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept ist deshalb festgeschrieben, dass die Entwicklung der Kleingartenanlagen von hoher Bedeutung ist und dass bei fortschreitendem Leerstand deren Umnutzung zu gestalten ist. „Dabei wird man in Abhängigkeit vom Standort der Anlagen differenzierte Lösungsansätze finden müssen, die von einer vollständigen Aufgabe des Standorts und der „Renaturierung“ bis hin zu Umnutzung für andere Funktionen führen. Möglicherweise ist als erster Zwischenschritt die Aufgabe von Teilbereichen zu organisieren.“

Gartensparte in Parksanierung integrieren

 Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept beschreibt die Aufgabe der weiteren Entwicklung der Gartenanlagen sehr genau. Ein Schrebergarten-Flyer soll Interessenten aufmerksam machen und dem Leerstand entgegenwirken.
Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept beschreibt die Aufgabe der weiteren Entwicklung der Gartenanlagen sehr genau. Ein Schrebergarten-Flyer soll Interessenten aufmerksam machen und dem Leerstand entgegenwirken. FOTO: LR / Sylvia Kunze

Die Stadtverantwortlichen haben diese Notwendigkeit derweil schon im Blick und erste Nägel mit Köpfen gemacht. Wenn es an die bevorstehende, ebenso dringend nötige Sanierung des Stadtparks gehen soll, dann soll auch ein Haken zur benachbarten Gartensparte, in der unter anderem auch Günter Paul seine Scholle hegt und pflegt, geschlagen werden.

Erste Ideen gehen in die Richtung Sport und Fitness möglich zu machen, denn diese Komponenten bekomme man im Park sicher nicht genehmigt, vermutet die Falkenberger Bauamtsleiterin Gundula Manigk. Fördermittel habe man bereits im Rahmen des Stadtumbaus und auf Basis des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes beantragt. Konkrete Planungen könnten aber erst beginnen, wenn es eine Bewilligung für die erhofften Zuschüsse gebe. Städtische Mittel zur geforderten Kofinanzierung werden jedenfalls vorsorglich schon bereitgehalten.

Eine nicht zu verachtende Initiative am Rande: Noch recht druckfrisch liegt ein „Ab ins Beet!“-Flyer auf dem Tisch, der auf die Schrebergärten in Falkenberg aufmerksam machen soll. Die Initiative dafür stammt vom ImmoFinance-Wohnungsvermieter Stephan Bawey in Zusammenarbeit mit den Gartensparten und der Kommune.

Flyer wirbt für Stadt im Grünen

Im Flyer wird Falkenberg als „Stadt im Grünen mit vielen Gärten“ beworben. „In Falkenberg/Elster lässt es sich gut wohnen: entweder im Eigenheim oder in einem der meist zentral gelegenen Mehrfamilienhäusern. Wer raus aus den vier Wänden und rein ins Grüne möchte: kein Problem in Falkenberg!“ – heißt es darin. Und es werden die Falkenberger Kleingartenvereine mit ihren Angeboten vorgestellt sowie die Ansprechpartner benannt.

Stephan Bawey beschreibt die Flyer als Win-Win-Situation. Er könne seinen vornehmlich Innenstadtmietern ein weiteres „Zimmer“, diesmal im Grünen, anbieten, und es lägen bestenfalls zukünftig weniger Gärten brach. Jedem Mietvertrag liege inzwischen das Prospekt bei. „Alleinanspruch“ darauf erhebe er nicht. Alle anderen Vermieter in Falkenberg könnten gern auch darauf zugreifen.