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| 01:06 Uhr

Das Jahr war erst zu trocken, dann zu nass und kühl

Region.. Zu Beginn des neuen, sich hoffentlich meteorologisch positiv entwickelnden Jahres ist eine folgende Rückschau auf das Wetter im abgelaufenen durchaus nützlich. In ganz Deutschland herrschte auch 2004 wieder eine große Wettervielfalt, natürlich abhängig von der geographischen Lage und Entfernung zum Meer sowie von der Oberflächengestaltung. Von Klaus Schmidt

In unseren Raum, dem Elbe-Elster-Urstromtal, wurden durch zumeist westliche Winde fast ganzjährig feuchte atlantische oder mittelmeerische Luftmassen transportiert. Dieser 2004 dominierende Meereseinfluss sorgte im Gegensatz zum extrem trockenen und warmen Wetter 2003, für einen teilweise milden Winter 2003/04 und für einen kurzen, nassen, nicht zu heißen Sommer sowie überwiegend freundlichen Herbst.
Dadurch erreichte das Jahresmittel der Temperatur in Herzberg zwar „nur“ 9,85 Grad und blieb somit etwas unter dem Rekordwert des Vorjahres von 10,09 Grad. Dennoch reiht sich das diesjährige Ergebnis in den Trend der allmählichen Erwärmung der Erdatmosphäre ein, der sich seit dem letzten Jahrzehnt signifikant abzeichnet.
Die Niederschlagsmengen überschritten in sieben von zwölf Monaten die jeweiligen Mittelwerte und erbrachten ein Jahresergebnis von 681 Litern je Quadratmeter. Damit wurde unser Herzberger Langzeitmittel von 545,83 l/qm deutlich übertroffen. Somit gehört 2004 zu den nassen Jahren in unserer Gegend.
Zunächst begann das Jahr mit einem kalten, schneereichen Januar. Im Februar gab es dagegen, durch neun Sturmtage verursacht, überwiegenden Meereseinfluss und somit recht milde Temperaturen, das Monatsmittel lag um mehr als zwei Grad über normal.
Der Frühling war, wie in ganz Deutschland, auch bei uns im März und April zu trocken und im Monatsmittel um ein bis zwei Grad zu warm. Lediglich im recht kühlen Mai fiel ausreichend Regen.
Sehr zögerlich begann der meteorologische Sommer. Besonders im Juni erlebten wir viele kühle und regnerische Tage. Auch der Juli war zu nass (107,6 l/qm) und erlaubte erst in der zweiten Hälfte endlich hochsommerliche Temperaturen. Dadurch kam noch ein Monatsmittel von 18 Grad zustande, was etwa dem Herzberger Langzeitmittelwert entsprach.
Erst der August erfüllte mit seinem Monatsdurchschnitt von 20,25 Grad alle Sommerträume. Hier registrierten wir in Herzberg zehn Tropen- und neun Sommertage, aber auch sechs starke Gewitter mit zum Teil riesigen Regenmengen, so am 25. August mit 46,1 l/qm!
Die ersten beiden Herbstmonate knüpften nahtlos an den August, viel Sonne besonders im September, auch im Oktober meist noch recht mild und sonnig, aber schon mit einer Prise Frost und am Ende trübe. Typisch verlief der zu recht als dunkel bezeichnete November mit häufigen Nebeln, Dunst, viel Regen und nur wenige Stunden Sonnenschein.
Schließlich bekamen wir in der letzten Dekade durch erste Schneefälle an vier Tagen schon einen Vorgeschmack auf den Winter , der dann jedoch im Dezember nicht wie erwartet seine Fortsetzung fand. Denn trotz zahlreicher leichter Nachtfröste verlief der letzte Monat des Jahres mild und grau, und er brachte vor allem nicht das zu Weihnachten erhoffte dekorative Weiß.
Insgesamt betrachtet, lieferte das Jahr 2004 wiederum einige Beweise dafür, dass im Zuge der allmählichen Erwärmung extreme Wetterlagen häufiger zu werden scheinen: zu trockene Perioden im Frühling, nasse und kühle Sommer, zahlreiche starke Sommergewitter (18 im Jahr 2004) mit teilweise sintflutartigen Regenfällen sowie 43 Sturmtage.
Darin deutet sich ein offensichtlich schleichender Klimawandel an.
Abschließend noch eine Anmerkung zu den inzwischen sehr populär gewordenen Vorhersagen des 100-jährigen Kalenders: Die von den Bamberger Mönchen um den Abt Mauritius vor zirka 400 Jahren gewonnenen, heute verallgemeinerten Wettererfahrungen lassen sich auf unseren geographischen Raum nur begrenzt anwenden.
Auch ist zu beachten, dass es seit damals Kalenderkorrekturen gab, wodurch sich die Ankündigungen heute oft zeitversetzt einstellen. Schließlich treffen sie unter den bis heute veränderten klimatischen Bedingungen nur noch bedingt zu. Dennoch bleiben sie auch weiterhin für uns interessant und beachtenswert.