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| 02:38 Uhr

Das große Vertrauen in Gordon B.

Mit lukrativen Renditeversprechungen von zehn Prozent ist die Firma Flexworld Inc. im Anlagenprogramm auf Kundenfang gegangen.
Mit lukrativen Renditeversprechungen von zehn Prozent ist die Firma Flexworld Inc. im Anlagenprogramm auf Kundenfang gegangen. FOTO: Fotolia
Cottbus. Sie alle hatten grenzenloses Vertrauen zu Gordon B aus Herzberg. Mit seiner Firma Flexworld Inc. hat er Anlegern und Kreditsuchenden im Internet hohe Dividenden und Darlehensmittel versprochen. Zu Gesicht bekommen haben sie ihn jetzt erstmals beim Betrugsprozess am Landgericht Cottbus. Christian Taubert

Mit seiner Frau ist ein Zeuge aus Rotenburg an der Wümme nach Cottbus angereist. Der Mittvierziger wollte sich vor etwa acht Jahren im Umland von Bremen ein Haus kaufen. Es sollte nicht mehr als 100 000 Euro kosten. Und das Paar war auch schon fündig geworden, hatte Notarkosten zu bezahlen. "Es lief alles gut an", erzählt der Zeuge gegenüber der RUNDSCHAU.

Immerhin: Das angesparte Geld von 30 000 Euro sollte sich über die im Internet präsente Firma Flexworld Inc. mit Sitz in den USA und einer Niederlassung in Herzberg (Elbe-Elster) schnell vermehren. Von Bekannten waren die Rotenburger auf die Angebote von Flexworld aufmerksam gemacht worden. "Es hat uns überzeugt, was dort geschildert wurde", verweist das Paar darauf, dass Gordon B. mit dem Geld von Anlegern marode Betriebe etwa in Rumänien aufkaufen, sie sanieren und hohe Dividenden auszahlen wollte. Auch von einer wiederbelebten Goldmine in Ruanda sei die Rede gewesen.

Das Paar aus Rotenburg hatte darauf vertraut, dass seine Einlage zu einem günstigen Darlehen führen würde. Schließlich war das geforderte Drittel an ein Firmenkonto eingezahlt worden. Dass die von Gordon B. im Internet publizierten Versprechungen nicht eintreten können, haben die beiden verdrängt. "Sicher", räumt der Mann ein, "es war schon riskant. Aber. . ." Ein ernsthaftes Nachfragen habe es bei ihnen nie gegeben.

Das Paar aus Rotenburg ist nur eins von vielen, die Gordon B. auf den Leim gegangen sind. Am Landgericht Cottbus hat Oberstaatsanwältin Elvira Klein zum Prozessauftakt dem 61-jährige Angeklagten am Montag Betrug im besonders schweren Fall vorgeworfen.

Er soll in der betrügerischen Absicht, Gelder von Anlegern und Kreditsuchenden für eigene Zwecke zu erhalten, die Auszahlung erheblicher Dividenden und Darlehensmittel versprochen haben. Dazu soll er sich einer Briefkastenfirma in den USA mit einer Niederlassung in Herzberg bedient haben. Über diese Firma soll er ab 2006 im Internet verschiedene Programme unter anderem zur Entschuldung, zum Bonitätsaufbau, zum Erwerb von Immobilien und zur Finanzierung hochwertiger Fahrzeuge angeboten haben.

Wie die Oberstaatsanwältin schildert, hätten für eine Darlehensgewährung von den Darlehensnehmern zunächst mit 30 Prozent der Darlehenssumme als Vorleistung eingezahlt und dafür Aktien der Firma des Angeklagten erworben werden müssen. Die Darlehen sollten zinsfrei sein und durch die Dividenden der Firmenbeteiligung getilgt werden, so die Anklage. Im Zusammenhang mit Anlageprogrammen soll der Angeklagte angegeben haben, ab dem siebenten Monat würden monatliche Renditen von zehn Prozent ausgeschüttet werden.

Im Vertrauen auf die Angaben des Angeklagten sollen Geschädigte in zwölf Fällen Anlage- bzw. Eigenkapitalbeträge - im Einzelfall bis zu etwa 120 000 Euro - auf die angegebenen Konten von Flexworld eingezahlt haben. Auszahlungen von Darlehen oder Rückzahlungen von Anlagebeträgen habe es aber nur vereinzelt und nach massiven Drohungen seitens der Geschädigten gegeben. Im Februar 2010 soll der Angeklagte den Geschädigten dann mitgeteilt haben, dass die Firma in den USA geschlossen worden sei.

Im Falle einer Verurteilung drohen dem Angeklagten sechs Monate bis zehn Jahre Gefängnis. Bis dahin werden in dem Prozess unter Leitung des Vorsitzenden Richter Dr. Stefan Fiedler noch eine Reihe Geschädigte gehört. Von zwei Zeuginnen, die für Gordon B. im Support von zu Hause aus gearbeitet und das Kundengeschäft über das Internet betreut hatten, war am Montag immer wieder auf das Geschick, die Redegewandheit und das visionäre Denken ihres Chefs verwiesen worden. "Der Gordon hat immer wieder gesagt, das Geld kommt, wir schaffen das", sagt eine 60-Jährige Herzbergerin.

Dass von dem aus der U-Haft in den Gerichtssaal geführten Mann mit dem hellbraunen Pullover und den zerzausten grauen Haaren die Rede ist, lässt sich nur schwer erahnen. Der Angeklagte verfolgt den Prozess regungs- und wortlos. Auch die Aussage des Paares aus Rothenburg. Dessen Haus-Traum hatte sich zunächst zerschlagen, aber sie erhielten im Unterschied zu vielen anderen geprellten Kunden, die Hälfte ihrer Einlage zurück.