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Gröditzer Zellstoffwerk
"Das Ende hat geschmerzt"

Hans-Georg Hoffmann war ab 1981 im Zellstoffwerk Gröditz tätig. Seine Aufgabe: Personalchef. Am Wochenende trifft er viele alte Kollegen.
Hans-Georg Hoffmann war ab 1981 im Zellstoffwerk Gröditz tätig. Seine Aufgabe: Personalchef. Am Wochenende trifft er viele alte Kollegen. FOTO: Eric Weser
Gröditz/Prösen. Wenn er sich auf den Weg zur Arbeit gemacht hat, grüßte die Fabrik schon von Weitem. "Der Schornstein der Kraftanlage war so hoch, den hat man von Prösen aus gesehen", erinnert sich Hans-Georg Hoffmann. Eric Weser

Lang ist es her. Denn den Betrieb, in dem der heute 76-Jährige einst arbeitete, gibt es nicht mehr. In den 1990-ern wurde der abgewickelt, die Anlagen dem Erdboden gleichgemacht.

Das Gröditzer Zellstoffwerk, es existiert eigentlich nur noch auf Fotos, Filmen und in den Erinnerungen seiner ehemaligen Beschäftigten. Zu denen gehört auch Hans-Georg Hoffmann. Anfang der 1980-er zog er mit seiner damaligen Frau aus seiner Heimat Görlitz nach Prösen, weil die Schwiegereltern dort wohnten. Neuer Wohnort, neuer Arbeitsplatz. Das Gröditzer Stahlwerk sei ihm zu groß gewesen, deshalb sei er ins Zellstoffwerk gegangen, erinnert sich der studierte Ökonom. Als er dort anfing, stand der Betrieb gerade vorm 100-Jährigen. 1883 hatte die Firma Kübler und Niethammer die Sulfitzellstofffabrik in Gröditz errichtet. Neben Zellstoff - einem Grundstoff unter anderem für die Papierherstellung - produzierte der Betrieb auch Rohspiritus als Nebenprodukt der Zellstoffherstellung.

"Wie genau das funktionierte, das müssen Sie die Leute vom Fach fragen", sagt Hans-Georg Hoffmann. Mit den eigentlichen Produktionsprozessen habe er nämlich wenig zu tun gehabt. "Ich war das, was man heute Personalchef nennen würde." Fachkräfte heranholen, Aus- und Weiterbildungen organisieren - das habe zu seinen Aufgaben gezählt. Hoffmann erinnert sich unter anderem daran, dass während seiner Zeit 60 Kollegen aus Kuba und Mosambik in der Fabrik waren. "Die DDR unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu diesen Ländern. Die Leute wurden damals bei uns zu Fachkräften ausgebildet." Hans-Georg Hoffmann hat viele gute Erinnerungen an seine zehn Jahre im Zellstoffwerk, dessen schwefeligen Dämpfe ihn eher weniger störten, wie er sagt. "Ich bin damals gut aufgenommen worden." Das Klima im Betrieb sei sehr angenehm gewesen. "Manche Kollegen waren seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg dabei. Sie hatten ihre Ausbildung im Betrieb gemacht, einige später studiert. Sie hatten das Werk aufgebaut, für sie war es ihr Eigentum. Es gab eine richtige Stammbelegschaft", würdigt Hoffmann seine früheren Kollegen. Mehr als 800 Menschen arbeiteten 1989 insgesamt im Werk.

Für viele, besonders die langgedienten Beschäftigten, sei das Aus nach der Wende umso schmerzlicher gewesen. Auch ihm habe die Schließung wehgetan, so Hans-Georg Hoffmann. "Obwohl ich ja nur zehn Jahre dort gearbeitet hatte." Er begleitete die Abwicklung, am 1. März 1994 war aber auch für ihn endgültig Schluss. Wie er mit Aktentasche und Brotbüchse seinen Arbeitsplatz verließ, weiß er noch. "Ich will das nicht hochstilisieren, aber es war eine große Wehmut da." Eine neue Anstellung fand Hoffmann nicht, er konnte wenig später früh und ohne Abschläge in Rente gehen. Etwas, das auch einigen Ex-Kollegen möglich war, aber bei Weitem nicht allen.

Wie es den früheren Mitstreitern heute geht oder welche Erinnerungen sie an ihren alten Betrieb haben - das will Hans-Georg Hoffmann am Sonnabend beim ersten Ehemaligen-Treff erfahren. Die Idee entstand am Rand der Gröditzer 800-Jahr-Feierlichkeiten im August und hat seitdem enormen Zuspruch gefunden. Schon jetzt hätten sich 160 Teilnehmer im Alter von Mitte 40 bis Anfang 90 angekündigt, sagt Hoffmann, der den Treff im Dreiseithof mit organisiert. "Ich freu mich drauf."

Ehemaligen-Treffen der Gröditzer Zellstoffwerker: Samstag, 30. September, ab 17 Uhr in der Dreiseithof-Scheune, Hauptstraße 17, Gröditz. Kostenbeitrag: zwei Euro.