"In unserer Region wurden schon immer Klemmkuchen gebacken. Die flämischen Einwanderer haben das hier eingeführt", erzählt Horst Däumichen. Er ist Mitglied der Knippelsdorfer Trachtengruppe und passionierter Sammler alter Feuerwehrtechnik und natürlich von Klemmkucheneisen. Mehr als 50 Stück befinden sich in seinem Besitz. "Damit habe ich aber bei Weitem nicht die meisten. Einer im Dorf hat über 100. Bei uns gibt es mehr Klemmkucheneisen als Einwohner", behauptet er. Das kann stimmen. In Knippelsdorf wohnen etwa 250 Leute.

Eisen gehörte zur Aussteuer

Horst Däumichen blättert in einem dicken Ordner. Alles, was er über Klemmkuchen und die Eisen finden konnte, bewahrt er darin auf. Ein guter Begleiter ist ihm auch das Buch "Klemmkucheneisen und Klemmkuchen im Fläming" von dem Dessauer Autoren Rolf Ansorge, mit dem er selbst schon viel zu tun hatte.

"Früher haben in jedem Ort zwei bis drei Schmiede gearbeitet. Sie haben die Eisen mit unzähligen Hammerschlägen gefertigt", erzählt er. Die Mädels bekamen die kunstvoll gestalteten Eisen zur Konfirmation oder mit der Aussteuer zur Hochzeit geschenkt. Noch heute sind viele Eisen im Umlauf, so Horst Däumichen. Die Leute sind weggezogen und haben sie mitgenommen. So haben sie sich in der Region überall verbreitet. Klemmkuchen wurden und werden noch heute meist zur Karnevalszeit und vor allem zu Maria Lichtmess am 2. Februar gebacken. Die Frauen hätten das früher alleine bewältigt, obwohl so ein Eisen vier bis sieben Kilogramm wiegt, berichtet der Knippelsdorfer. Heute würden schon mal zwei bis drei Leute zufassen.

Seit 1969 sammelt er Klemmkucheneisen und Informationen dazu. Das älteste Eisen, das Horst Däumichen besitzt, ist aus dem Jahr 1755. Es stammt aus Elster. Däumichen hat es einmal auf einem Weihnachtsmarkt in Düßnitz (bei Jessen) erworben. Das (derzeit) Letzte befindet sich seit ein paar Wochen in seinem Besitz. Gern verweist er auf das Eisen seiner Frau, ein Erbstück von deren Urgroßmutter Wilhelmine Pinnich aus dem Jahr 1877. Es ist mit einem Herz, einer Windmühle und einem Rebstock verziert. "Jedes Eisen ist Handarbeit und ein Unikat", so Horst Däumichen. Viele tragen auch Sprüche. Dazu gehören religiöse wie "Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut im Himmel wie auf Erden" oder Sinnsprüche wie "Ein froher Mut, gesundes Blut sind besser als viel Geld und Gut". Auf allen Eisen befindet sich die Schmiedezahl. "Das letzte handgefertigte Eisen ist meines Wissens 1996 in Nonnendorf als Meisterarbeit mit 30 000 Hammerschlägen von Lutz Andreas geschmiedet worden", so Horst Däumichen.

Jeder hat eigenes Rezept

Ein Eisen liegt ihm besonders am Herzen: das von Henriette Strus aus Weißen. Es war einmal für Erich Honecker gedacht. Mitarbeiter der LPG Hohenseefeld wollten es ihm 1985 bei einer Veranstaltung im Palast der Republik zum 40. Jahrestag der Bodenreform überreichen. Doch dazu kam es damals nicht, und so landete das Eisen wieder im Fläming. "Ich habe es bei jemandem gefunden, der es für mich aufbewahren wollte und dann aber doch weggegeben hat", erzählt Horst Däumichen. Doch der ließ nicht locker und hat immer wieder nach diesem bestimmten Klemmkucheneisen gesucht. In Zossen hat er es schließlich gefunden. Viele Eisen könnten solche Geschichten erzählen.

Am heutigen 2. Februar zu Maria Lichtmess werden sie wieder aus den Kellern und Schränken geholt, um leckere Kuchen zu backen. "Fast jede Familie hat ihr eigenes Rezept", meint der Knippelsdorfer. Im niederen Fläming seien die Kuchen besonders dünn. Sie werden zu Tüten gerollt und mit Schlagsahne oder manchmal auch Pflaumenmus gefüllt. Klaus Däumichen will heute Nachmittag nach Kleinrössen fahren und einige Eisen mitnehmen. Schon oft hat er seine Exemplare bei Veranstaltungen ausgestellt und sogar drei deutsche Meisterschaften im Klemmkuchenbacken organisiert. "Vielleicht mache ich auch noch mal einer vierte", kündigt er an.

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Am heutigen Dienstag feiert der Museumsverein Lindena wieder Lichtmess in der Museumsscheune. Beginn ist um 14 Uhr. Die Gäste erwarten Blasmusik und kleine Einlagen. Für das leiblich Wohl ist reichlich gesorgt, vor allem wird gut geklemmt - das traditionelle Gebäck zu Lichtmess, die Klemmkuchen, gibt es in allen Variationen. Waffel- und Klemmkuchenbacken am offenen Feuer nach verschiedenen Rezepten heißt es heute auch im Naturschutzzentrum Kleinrössen. Start ist um 14 Uhr. Wer alte Klemmkucheneisen besitzt, kann diese gern mitbringen.