ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:54 Uhr

Saisonende
Das (Eis-)Jahr war der Wahnsinn!

Die letzten Eisbehälter sind gefüllt. Am Mittwoch endet für das Team der Wiederauer Eisdiele „Pinguin“ die Saison - aus mehreren Gründen eine besondere.
Die letzten Eisbehälter sind gefüllt. Am Mittwoch endet für das Team der Wiederauer Eisdiele „Pinguin“ die Saison - aus mehreren Gründen eine besondere. FOTO: LR / Sylvia Kunze
Wiederau. Im Wiederauer „Pinguin“ war alles dabei: von vor Freude jauchzend bis massig betrübt. Von Sylvia Kunze

Noch zwei Tage stehen im Kalender der Wiederauer Eisdielenbetreiber, an denen sie Gäste begrüßen. Der heutige Dienstag und der morgige Mittwoch. Dann ist Saisonschluss.

„Das Eisjahr war der Wahnsinn“, bilanziert Geschäftsführerin Yvonne Roigk. Weil alles dabei war. Die Saison wird vor allem wegen ihrer langen Schönwetterperiode in Erinnerung bleiben. Die Eisdiele erlebte so einen Run, wie es ihn in den 30 Jahren ihres Bestehens noch nicht gegeben hatte. Hieß es bis dato bei den Eismachern eher: Je sonniger und heißer das Wetter, desto weniger Kunden kommen vorbei, so wurden sie in diesem Jahr eines Besseren belehrt. „Es war wahrscheinlich so heiß und sonnig, dass die Leute es an den Seen und im Freien nicht mehr ausgehalten haben und sich bei uns abkühlen mussten“, vermutet Peter Roigk, der sich am 8. August 1988 mit dem Eisgeschäft selbstständig gemacht hatte.

Das war übrigens genau so ein heißer Tag, wie der diesjährige Sommer so viele bot. „Ich wurde fast überrannt“, erinnert sich der Wiederauer, der damals im Straßenverkauf erst einmal nur Softeis anbot. Die Idee, sich derart selbstständig zu machen, war bei einem Eisdielenbesuch in Elsterwerda gekommen – als Roigks eine gefühlte Ewigkeit in der Warteschlange standen. Weil Eisverkäufer zu dieser Zeit in der Region Mangelware waren.

Doch kaum hatte Peter Roigk mit seiner Offerte Fuß gefasst, kam die Wende. „Da mussten alle erst einmal Schöller und Co. probieren. Unser Eis war nicht mehr gefragt“, blickt Brigitte Roigk zurück, die nach dem Ende des Konsums ebenfalls mit in das Familiengeschäft einstieg. Aber Schlange standen erst einmal nur noch die Vertreter.

Doch dann ging es nach und nach wieder aufwärts. Tochter Yvonne schnupperte mehr und mehr ins Geschäft. Zuerst betreute sie noch gemeinsam mit dem Vater den Getränkehandel und half nur gelegentlich in der Eisdiele. 2005 übernahm sie sie ganz – und hat seitdem bisher kein Jahr wie dieses erlebt.

Personalsorgen vergraulten ihr leider so manchen schönen Sonnentag. „Es finden sich immer weniger Leute, die bereit sind, auch samstags, sonntags und feiertags zu arbeiten“, bestätigt sie einen Trend, der längst aus der Gastronomie bekannt ist. „Ich habe via Facebook zu Jahresbeginn Saisonkräfte gesucht. 12 000 Leute haben sich den Post angesehen, nur ein Interessent hat sich gemeldet“, beschreibt  Yvonne Roigk die Situation.

Es ist ein Problem, das Roigks seit einigen Jahren kennen. Das Mittagsangebot, das gut lief, musste schon daran glauben. Weil sich für die in Rente gehende Kraft kein Ersatz finden ließ, wurde es eingestellt.

Nun fordert die angespannte Personalsituation den nächsten Tribut. Die beiden Eisautos, die seit zehn Jahren im regelmäßigen Rhythmus im 50-Kilometer-Umkreis die Ort­schaften angefahren haben und gut liefen, sind ihre letzten Kilometer gerollt. Im nächsten Jahr werden sie nicht mehr auf Tour gehen.

Mit bis zu 17 Kräften, einschließlich der Eltern, die eigentlich den Ruhestand genießen wollten, wurde diese Saison gestemmt. Viele Tage ging es von morgens in der Frühe bis spät am Abend. Denn mit dem Eisverkauf ist es längst nicht getan. Eistorten machen, Eiswagen be- und entladen, Abwaschen, Früchte vorbereiten, einkaufen, desinfizieren, Abrechnungen erledigen, Eis herstellen, Kuchen backen und mehr stehen mehr oder weniger Tag für Tag auf dem Plan, um Kunden glück­lich machen zu können.

Die kommen nach wie vor hauptsächlich wegen des Softeises nach Wiederau. Dieses Jahr waren allein davon zehn Geschmackssorten im Angebot. „An ganz heißen Tagen haben wir manchmal nur noch bis zur mittleren Größe verkaufen können, weil die Eismaschine gar nicht so schnell kühlen konnte, aber ganz viele Menschen Softeis essen wollten“, erinnert sich die Chefin.

Weitere 60 verschiedene Sorten Kugeleis im wechselnden Angebot haben die Auswahl komplettiert. Die Renner: Vanille, Schoko, Erdbeer, Straciatella und Joghurt. „Was auch gut ging, war das Seepferdcheneis. Eine Mischung aus Mango, Maracuja und Orange mit Knusperperlen. Je verkaufter Kugel gingen davon 5 Cent an die DLRG für Schwimmlehrgänge“, schiebt Yvonne Roigk nach.

Unvergesslich bleibt in diesem Jahr der 30. Geburtstag der Eisdiele. „Viele treue Kunden sind zum Gratulieren gekommen. Unsere Angestellten haben uns eine tolle Bank geschenkt“, freuen sich Roigks. Die Eltern wollen darauf im nächsten Jahr mehr Ruhestand genießen und für die Chefin bleibt hoffentlich nach getaner Arbeit noch etwas Zeit.