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| 20:17 Uhr

Publikumsmagnet
Das andere Gesicht der Truppe

Tag der Bundeswehr in Schlieben FOTO: Sven Gückel
Schlieben. Schlieben ist nach 2016 zum zweiten Mal Austragungsort für den Tag der Bundeswehr – eine richtige Entscheidung. Von Sven Gückel

Zum fünften Mal in Folge präsentierte sich die Bundeswehr am Samstag deutschlandweit mit einem Besucherfest. Unter dem Motto „Willkommen Neugier” wurden an jeweils einem Veranstaltungsort pro Bundesland alle Facetten der Bundeswehr aufgeboten. Im brandenburgischen Schlieben freute man sich darüber hinaus auch über internationale Aufmerksamkeit.

Das Bild, das die Bundeswehr seit geraumer Zeit in der Öffentlichkeit abgibt, ist nicht immer das Beste. Technische Mängel, ein Rückgang der personellen Stärke, Berateraffären und anderes mehr zeichnen ein Bild von der Truppe, das dem Wahrheitsgehalt aber nur in Teilen gerecht wird. Denn die Basis der Streitkräfte ist durchweg bestrebt, einen guten Job zu machen. Dass dabei die Bedingungen nicht immer einfach sind, obliegt der Entscheidung anderer.

 Der pünktliche Überflug des A400 M war einer der Höhepunkte beim Tag der Bundeswehr in Schlieben.
Der pünktliche Überflug des A400 M war einer der Höhepunkte beim Tag der Bundeswehr in Schlieben. FOTO: Sven Gückel

Am jährlichen Tag der Bundeswehr möchten sich die Soldaten daher von ihrer besten Seite zeigen. Und demonstrieren, wofür das moderne Soldatentum unter anderem stehen sollte: Offenheit, Miteinander, Pünktlichkeit. Für Letzteres sorgte einmal mehr der A400 M, der wie angekündigt um 12.17 Uhr zwei Kreise über Schlieben zog, ehe er sich auf den Weg zum nächsten Veranstaltungsort machte. Um das zu erleben, hatte man in Schlieben erstmals mit einer über 400-jährigen Tradition gebrochen und den traditionellen Moienmarkt um zwei Wochen verschoben. Beides zusammen, ein gut besuchter Jahrmarkt mit seinen Attraktionen, sowie das Bild der militärischen Streitmacht, sorgten bei bestem Wetter für einen regen Besucherstrom.

Technisch hatte die Bundeswehr neben einem Ausbildungshubschrauber EC 135 vor allem massive Fahrzeuge wie Panzer und Transportfahrzeuge oder Geräte zur Luftraumüberwachung aufgeboten. Darüber hinaus konnte man sich in den verschiedensten Dingen probieren und üben, vom Löten einer Leiterplatte bis hin zum Probieren der Kleiderordnung der Bundeswehr. „Wir haben 340 Soldaten aus 24 Verbänden der Bundeswehr vor Ort”, erläuterte Oberst Olaf Detlefsen, Kommandeur des Landeskommando Brandenburg und damit verantwortlicher Leiter der Organisation in Schlieben. „Uns ist es wichtig zu zeigen, dass wir Sicherheitspolitik auf Augenhöhe mit anderen Nato-Partnern machen. Auch das Zusammenspiel mit den zivilen Rettungs- und Sicherheitskräften hat für uns einen hohen Stellenwert, weshalb einmal mehr die Blaulichtmeile mit THW, Feuerwehr, Polizei und Sanitätern in Schlieben nicht fehlen durfte”, fügte er an.

 Den ersten Pilotentest hat dieser junge Held schon mal bestanden.
Den ersten Pilotentest hat dieser junge Held schon mal bestanden. FOTO: Sven Gückel

Generalleutnant Peter Bohrer, Stellvertreter des Inspekteurs der Streitkräftebasis und Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD), der als Reservist in seiner Uniform als Kapitänleutnant erschien, oblag derweil die Eröffnung der Veranstaltung.

 Auch auf dem Pilotensitz einer Phantom ließen sich wichtige Informationen sammeln.
Auch auf dem Pilotensitz einer Phantom ließen sich wichtige Informationen sammeln. FOTO: Sven Gückel

Vor allem Schröter betonte, wie wichtig die Bundeswehr sei. Nicht zuletzt beim Bekämpfen von Naturkatastrophen wie Hochwasser oder Waldbränden. Aktuelle Beispiele hierfür gebe es reichlich, sagte er. Zudem sei die Bundeswehr nach wie vor ein gefragter Arbeitgeber und Ausbilder für junge Menschen, denen damit auch in strukturschwachen Regionen eine Perspektive geboten werde. Mit Stolz äußerte sich Schröter über die Anwesenheit von Besatzungsmitgliedern der Fregatte „Brandenburg”. „Sie tragen den Namen unseres Landes in die Welt hinaus”, betonte er.

Miteinander ins Gespräch kommen, Technik ansehen, Fragen stellen. Das waren die Angebote, die den Tausenden Besuchern an diesem Tag gemacht wurden. „Dafür haben wir unsere Kasernentore weit geöffnet oder sind in Orte wie Schlieben gegangen”, äußerte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in einer Videobotschaft, die an allen 14 Austragungsorten zeitgleich ausgestrahlt wurde.

Angesichts der Begeisterung mahnte Christina Higgins, gesandte Botschaftsrätin und Vertreterin des US-Botschafters in Berlin, jedoch auch die finanziellen Verpflichtungen an, denen Deutschland im Rahmen einer Nato-Tagung 2014 zugestimmt hat. „Ich bin hier, um die starke Sicherheitspartnerschaft zwischen Deutschland und den USA zu unterstreichen”, sagte sie. Angesichts neuer Bedrohungen müsse die Nato wachsam sein. „Um dem zu begegnen, bedarf es aber einer soliden Technik und Ausrüstung. Und dafür müsse man das nötige Geld zur Verfügung stellen”, fügte sie an und bemerkte zugleich, dass es ihrer Auffassung nach bisher noch keinen deutschen Politiker gibt, der sich offen zu den vereinbarten zwei Prozent des Bruttosozialproduktes bis 2024 bekannt hat.

Trotz der kritischen Hinweise war der Tag der Bundeswehr ein gelungenes Fest, zu dem auch Musiker des Stabsmusikkorps der Bundeswehr und der US Army Europe Band an Chorus oder die „Langen Kerls” aus Potsdam beigetragen haben.

 Eine EC 135, ein Ausbildungshubschrauber der Bundeswehr, landete auf dem Besucherfeld und war zur Besichtigung freigegeben.
Eine EC 135, ein Ausbildungshubschrauber der Bundeswehr, landete auf dem Besucherfeld und war zur Besichtigung freigegeben. FOTO: Sven Gückel
Tag der Bundeswehr in Schlieben FOTO: Sven Gückel