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| 19:09 Uhr

Am Tag des offenen Denkmals
Dampfpressen, Pedalrallye und Schlotbier

Geschicklichkeit und Schnelligkeit waren beim Hindernisparcours zur 5. Pedalrallye gefragt. Im Anschluss ging es dann auf die Strecke durch die Region.
Geschicklichkeit und Schnelligkeit waren beim Hindernisparcours zur 5. Pedalrallye gefragt. Im Anschluss ging es dann auf die Strecke durch die Region. FOTO: Rico Meißner
Domsdorf. 449 zahlende Führungsteilnehmer, das gab es noch nie! Besonders für technisch interessierte Menschen war die Brikettfabrik „Louise“ am Sonntag ein guter Anlaufpunkt. Von Rico Meißner und Frank Claus

„Das haben wir hier an der Louise noch nicht erlebt“ – noch am Abend sind die Mitglieder des Fördervereins der Brikettfabrik „Louise“ Domsdorf wie geplättet. Klar, geschafft sind sie auch und der Mund hat Fusseln. Aber: Das Glücksgefühl macht alles wett. 449 zahlende Gäste bei den Führungen, dazu noch mal locker doppelt so viele neugierige Besucher auf dem gesamten Areal – dieser Denkmaltag war ein Volltreffer.

Neben den beliebten Fabrikführungen zu den mit Dampf betriebenen Pressen kam am Sonntag noch die 5. Pedalrallye, organisiert vom Verein „Altes-Blech“, hinzu. „Sie ist eigentlich gedacht für kleine Mopeds mit 50 Kubikzentimeter und Fahrräder mit Hilfsmotor“, so Jörg Dessau vom Verein. „Diese Kleinen gehen sonst bei großen Rallyes immer ein bisschen unter.“

43 Teilnehmer, teils über längere Strecken angereist, hatten sich angemeldet, es wurden weit mehr. Ehe die Fahrer einzeln auf die Strecke über Tröbitz, Schilda und Drasdo gingen, mit einem Mittagsstopp in „Krügers Zweiradmuseum“ in Uebigau, galt es, einen Hindernisparcours auf Schnelligkeit hin zu absolvieren. Spurbrett- und Achten fahren, aber auch Pedale in einen Korb werfen und eine Glocke im Vorbeifahren treffen. Das konnte schon zu einer Herausforderung werden.

Dass auch die Führungen wie immer gut nachgefragt waren, wundert Dirk Böhm-Wirt nicht. Er ist einer von jenen, die den Gästen die Technik nahebringen. „Das Schöne ist, dass die Leute hierher kommen, weil es sie wirklich interessiert und sie sehen wollen, welcher Wahnsinnsaufwand dahinter steckte, um Braunkohlebriketts herzustellen.“ Böhm-Wirt reichert seine Führungen dabei mit Anekdoten an, beispielsweise mit dem Abstürzen einer Lok unten beim Kohlebunker oder wie ein ein Meter langes Stück Eisenbahnschiene im Walzenbrecher landete. Auch Zahlen hat er parat. „Wer könnte sich heute vorstellen, dass zwölf Tonnen Kohlestaub, und zwar täglich, bei der Produktion anfielen.“

Im Eingangsbereich der Fabrik hatten sich Uebigau-Wahrenbrücks Bürgermeister Andreas Claus und seine Frau Antje postiert. Ihre Mission: der Verkauf des in Finsterwalde abgefüllten „Schlotbieres“. Der Erlös soll helfen, die Sanierung des 68 Meter hohen Fabrikschornsteines zu stemmen. Eintausend Literflaschen sind abgefüllt worden, 175 Flaschen fanden am Sonntag schon ihre Abnehmer. Entweder zum selber trinken, oder, nett dekoriert, als Geschenkidee. Und die Nachfrage nach dem Gerstensaft ist ungebremst. Acht Kisten á sechs Flaschen sind am Sonntag reserviert worden. Die Fleischerei Weiland aus Doberlug-Kirchhain möchte „Schlotbier“ künftig in die Präsentkorbe packen. Thomas Hettwer von der Sparkassenstiftung kann sich vorstellen, je ein Fläschchen den Musikern des Graun-Wettbewerbes zu schenken. Bürgermeister Andreas Claus ist gebeten worden, zur Energiefachtagung an der BTU Cottbus ebenfalls mehrere Flaschen mitzunehmen, um sie dort für den guten Zweck zu verkaufen. Na bitte: Es läuft – in mehrfacher Hinsicht.

Viele Gäste wollten sich eine Führung nicht entgehen lassen. Dieser Denkmaltag war ein Volltreffer.
Viele Gäste wollten sich eine Führung nicht entgehen lassen. Dieser Denkmaltag war ein Volltreffer. FOTO: Antje Claus