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| 15:31 Uhr

Nach Großbrand in Annaburger Heide
„Dachs“ der Bundeswehr zieht Vier-Meter-Brandschneise

Aufgeschobene Erdwälle oder Baumwurzeln beseitigte der Panzer mit seiner Schaufel.
Aufgeschobene Erdwälle oder Baumwurzeln beseitigte der Panzer mit seiner Schaufel. FOTO: Sven Gückel
Annaburg/Herzberg. Es ist der Schlusspunkt hinter einem tagelangen Kampf gegen das Feuer. Mit dröhnendem Motor wälzte sich ein Panzer durch die Annaburger Heide. Von Sven Gückel

Das Dröhnen des 830 PS starken Motors und der Schub der Ketten über das sandige Gelände sind noch über weite Entfernung zu hören. Und erinnern an vergangene Zeiten. Soldaten eines Pionierbataillons aus Havelberg haben am Dienstag einen Pionierpanzer „Dachs“ nach Züllsdorf verlegt, um zwingend notwendige Brandschneisen zu ziehen.

Revierleiter Norbert Hildebrand (l.) und Stabsfeldwebel Hans-Dieter Hibbeler vom Kreisverbindungskommado Wittenberg (r.) erörtern auf der Karte die Strecke, die der Panzer bearbeiten soll.
Revierleiter Norbert Hildebrand (l.) und Stabsfeldwebel Hans-Dieter Hibbeler vom Kreisverbindungskommado Wittenberg (r.) erörtern auf der Karte die Strecke, die der Panzer bearbeiten soll. FOTO: Sven Gückel

Gegen 21 Uhr, so die Aussage der Bundeswehr, sei der Schwerlasttransporter in der Annaburger Heide eingetroffen. Sehr zur Freude der Forstleute, die sich die Unterstützung durch schwere Räumtechnik schon am Wochenende gewünscht hatten.

Dann, so der einhellige Tenor, wäre das Ausmaß des Brandes vielleicht geringer ausgefallen. So aber standen Panzer und Besatzung an ihrem Heimatort erst Dienstag abmarschbereit – den Fortgang des bürokratischen Genehmigungsverfahrens abwartend.

Vor Ort angekommen, wollten die Soldaten deshalb so schnell als möglich ihre Arbeit aufnehmen. „Das Gerät, das auf einem Fahrgestell des Leopard I montiert ist, ist für diesen Job bestens geeignet“, erläuterte der Fahrzeugkommandant. Der „Dachs“ sei zum Räumen und Erstellen von Sperren, dem Schaffen von Zu- und Abfahrten zu Gewässern und Erdbauarbeiten konzipiert. Neben dem 3,75 Meter breiten Schiebeschild verfügt er auch über einen Baggerarm, mit dem er aufgeschobenes Erdreich oder Geäst problemlos beiseite räumen kann.

Dabei bewegt er seine 42 Tonnen Eigengewicht scheinbar federleicht durch das Gelände. An Bord hat der Panzer zudem 1600 Liter Treibstoff. „Das sollte eine Weile reichen. Falls Nachschub erforderlich ist, liefert den der Agrodienst Jessen“, ergänzte Stabsfeldwebel Hans-Dieter Hibbeler, der als Vertreter des Kreisverbindungskommandos Wittenberg anwesend war.
Aus sicherer Distanz beobachten Soldaten und Forstleute den Panzer bei seinem Tun. Stück für Stück zog der seine Kreise, trennte die verbrannte von der noch frischen und grünen Waldkante. Hin und wieder war dabei leichter Brandgeruch zu vernehmen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass das Feuer unterirdisch weiterhin aktiv ist.

„Mit der Arbeit des Panzers sollte das aber langsam beendet sein“, gab Revierleiter Norbert Hildebrand seiner Hoffnung Ausdruck. Für ihn gilt es nun, Konzepte für die Wiederaufforstung der Fläche zu erarbeiten. Mit etwas Glück, und vor allem Regen, sollten die gröbsten Brandnarben jedoch bald vergessen sein.

Während der Panzer immer tiefer in den Wald vordrang, schritt einer dem Fahrzeug bedächtig hinterher. Hauptmann Dietmar Liebick gehört zum Landeskommando Sachsen-Anhalt in Magdeburg und ist dort im Bereich Munitions- und Schießsicherheit tätig. „Der Bereich, in dem das Fahrzeug arbeitet, ist ein munitionsbelastetes Gebiet“, unterstrich er.

Zwar fand hier vor zehn Jahren eine Beräumung auf Tiefen von 30 bis 50 Zentimeter statt, eine Restgefährdung sei aber immer vorhanden, so der Offizier. Zumal Munition wie Gestein im Erdreich wandert, also schrittweise den Weg nach oben sucht. Liebick erachtete es deshalb als wichtig, den vom Panzer aufgewühlten Erdboden noch einmal gründlich in Augenschein zu nehmen, um so auch spätere Gefahren für die Waldarbeiter zu minimieren.

In vier Abschnitten, darauf hatten sich Revierleiter Hildebrand und der Panzerkommandant verständigt, soll der Boden bearbeitet werden. In Summe eine Strecke von etwa zwei Kilometer Länge. Sofern die Arbeiten nach Plan verlaufen, sollte der Panzer am Donnerstag wieder zurück verlegt.