Sie werden geschlagen, getreten, gebissen und gewürgt. Sie werden beleidigt, beschimpft und nicht selten massiv bei ihrer Arbeit behindert. Das ist kein Einstieg in einen Krimi. Oder doch?

Es ist der Beginn einer Pressemitteilung, die Hendrik Klein, Pressesprecher im Märkischen Kreis in Nordrhein-Westfalen - Elbe-Elsters Partnerkreis - herausgegeben hat. Er berichtet von einer deutlichen Zunahme der Gewalt gegenüber hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern von verschiedenen Hilfsorganisationen.

Zitiert wird in der Mitteilung unter anderem der 48-jährige Leiter der Rettungswache Balve des Märkischen Kreises, Rupert Heidsick, der sagt: "Es gibt uns gegenüber einfach keinen Respekt mehr."

Da ist von "Patienten" die Rede, die im Rausch von Alkohol und Drogen wild um sich schlagen sowie von Ehestreitigkeiten, in deren Verlauf einer der hinzugerufenen Retter "in den Schwitzkasten genommen und gewürgt" wird. Zunehmend mehr würden Rettungsdienstfahrzeuge beschädigt, "mit Eiern beworfen" und zu "Silvester mit Feuerwerkskörpern beworfen oder mit Raketen beschossen".

Es ist ein Zufall: Sebastian Weiss, Leiter des Rettungsdienstes in Elbe-Elster, ist im Märkischen Kreis auch schon als Rettungsdienstler unterwegs gewesen, kennt die Situation dort ebenso wie im Ruhrpott. "Das ist dort alles ein Stück schärfer", sagt er. Für Elbe-Elster gibt er Entwarnung. Exakt 16 246 Einsätze seien die Besatzungen im Jahr 2015 gefahren. Immer wieder habe es dabei auch Auseinandersetzungen mit "Spritis" und Drogen-Konsumenten gegeben. Dass sie so stark gewesen seien, dass jemand aus den Teams verletzt wurde, sei ihm nicht bekannt. "Wir schulen immer wieder das Thema Deeskalation", sagt er und meint: "Eigenschutz geht in solchen Fällen vor."

Also paradiesische Zustände in Elbe-Elster? Ganz so will es auch Sebastian Weiss nicht stehen lassen. "Aber im Vergleich zur Polizei sind wir hier in der Wahrnehmung doch noch die Guten."

Erst am vergangenen Wochenende sind Polizisten in Elbe-Elster wieder verbal attackiert worden. Einer hat sogar eine Ohrfeige bekommen. Das Thema Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte greift die RUNDSCHAU in ihrer Freitagausgabe auf.