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| 17:55 Uhr

Sportstätten
Chance für das Herzberger Freibad

So sieht der erste Entwurf der Bautzener Planer für das Herzberger Freibad aus.
So sieht der erste Entwurf der Bautzener Planer für das Herzberger Freibad aus. FOTO: Bauplanung Bautzen GmbH / Bauplanung Bautzen GmbH / Janetzko
Herzberg. Die Stadtverwaltung versucht es mit einem neuen Förderprogramm. Abgeordnete geben grünes Licht. Von Birgit Rudow

Kaum ein Thema bewegt die Herzberger in jedem Jahr aufs Neue so wie das Freibad der Stadt. In den Jahren 1968/69 erbaut und mit noch viel DDR-Charme ausgerüstet, ist es immer wieder ein materieller und finanzieller Kraftakt, das Bad für eine neue Saison fit zu machen und zu betreiben. In so ziemlich jeder Haushaltsdiskussion ist es ein Thema. Und kaum noch zu zählen sind die zumindest gedanklichen Vorstöße, es zu sanieren. Doch immer wieder scheitert dieses Vorhaben am Geld. Denn aus dem Freibad eine moderne Freizeitanlage zu machen, würde Millionen Euro verschlingen. Ein für Herzberg utopisches Vorhaben. Es sei denn, ein Fördermittelsack würde ganz, ganz weit aufgemacht. Doch dem ist die Stadt in den vergangenen Jahren nicht begegnet. Das könnte sich aber vielleicht schneller ändern, als man im Rathaus zu hoffen gewagt hat. Die Betonung liegt ausdrücklich auf „vielleicht“. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

In der Bauausschusssitzung am Dienstag überraschte das Bauamt die Abgeordneten mit einem Entwurf für den Umbau und die Sanierung des Freibades in ein modernes Freizeitbad. Erstellt hat ihn die Bauplanung Bautzen GmbH. Wie Bauamtsleiter Rüdiger Bader erläuterte, ist am 15. August die Auslobung für ein Bundesförderprogramm für die „Sanierung kommunaler Einrichtungen im Bereich Sport, Jugend und Kultur“ im Herzberger Rathaus eingegangen. Das Programm, das jetzt in der dritten Runde ist, hält 100 Millionen Euro bereit und das Freibad der Stadt würde dort gut hineinpassen. Also hat das Bauamt sofort Kontakt zu den Planern des Freizeitbades in Luckau aufgenommen, die auch das Bad in Forst saniert haben. Es handelt sich um die Bauplanung Bautzen GmbH. In der vergangenen Woche hat man zusammen gesessen, und die Bautzener Planer haben in Windeseile einen ersten Entwurf erarbeitet, wie das Herzberger Bad sinnvoll umgestaltet werden könnte. Eile war auch geboten, denn am Freitag endet die Bewerbungsfrist.

Natürlich braucht die Stadtverwaltung dafür grünes Licht von den Stadtverordneten. Und so passte es gut, dass am Dienstag zur Bauausschusssitzung wegen dem Beschluss zur Kita „Spatzennest“ auch die Mitglieder des Kultur, Bildungs- und Sportausschusses sowie einige sachkundige Bürger anwesend waren. Nach einer umfangreichen Diskussion sprachen sich alle dafür aus, den Versuch, in die Förderung zu gelangen, zu wagen. Denn mehr ist es erst einmal nicht. Das betonte  Bürgermeister Karsten Eule-Prütz immer wieder. Einen entsprechenden Beschluss dazu müssen in diesem Monat noch der Hauptausschuss und die Stadtverordnetenversammlung fassen. Die Kosten für einen Umbau zum Freizeitbad werden nach ersten Schätzungen auf 4,5 Millionen Euro veranschlagt. Die Förderung für „haushaltsnotleidende Kommunen“ würde bei dem Programm 90 Prozent betragen. Was die Haushaltsnot der Stadt Herzberg betrifft, so könne die Stadt auf eine Bestätigung durch die Kreisverwaltung zählen, so der Bürgermeister.

Wie haben sich die Bautzener Planer die Umgestaltung des Bades nun vorgestellt? Sie wollen die Bade- und Freizeitlandschaft komplett erneuern und dabei die vorhandenen Becken nutzen. So soll auch ein Teil der 50-Meter-Bahn erhalten bleiben. Das Bad könnte eine Rutschanlage, einen Wohlfühlbereich und für die kleinsten Besucher Wasserspielgeräte, eine Matschecke und einen Gerätespielplatz erhalten. Die vorhandenen Gebäude würden fast alle ersetzt. Die komplette Anlage soll barrierefrei werden.

Bei aller Anerkennung für das, was die Stadt in Sachen Freibad in den vergangenen beiden Wochen in die Wege geleitet hat, muss man aber immer im Auge haben, dass es sich vorerst um Wunschdenken handelt. Denn Voraussetzung ist, dass das Herzberger Freibad Aufnahme in das Förderprogramm findet. „Bekommen wir die 90-prozentige Förderung nicht, machen wir es auch nicht“, sagte Eule-Prütz klipp und klar. Denn auch 90 Prozent Förderung bedeuten immer noch einen Eigenanteil von etwa 450 000 Euro. Und neben dem Schwimmbad hat die Stadt bei ihren Sportstätten auch noch andere „Baustellen“. Allen voran die Kegelhalle, deren Sanierung im 2011 verabschiedeten Sportstättenkonzept für Herzberg verankert ist. Seit vier Jahren kämpfen die Kegler darum, weil Fördermittel aus dem Leader-Programm zur Verfügung standen, die aber nicht in Anspruch genommen wurden. Der damalige Bürgermeister Michael Oecknigk hatte das immer damit begründet, dass die Stadt die erforderlichen Eigenmittel nicht aufbringen könne. Ein Argument, das nicht alle Stadtverordneten teilen, und die Kegler schon gar nicht. Darauf hat Kersten Franke, sachkundiger Bürger im Kulturausschuss und Mitglied im Kegelverein, am Dienstag auch noch einmal deutlich hingewiesen. Bei allem Verständnis für das Freibad (auch er hat sich dafür ausgesprochen) dürften die Kegler nicht vergessen werden, mahnte er an und verwies darauf, dass im November wieder die Möglichkeit zur Beantragung von Leader-Fördermitteln besteht.

Karsten Eule-Prütz räumte ein, dass eine Entscheidung für das Bad natürlich einen Konflikt zur Kegelbahn hervorruft. Wenn hinsichtlich der Jahresabschlüsse zum Ende des Jahres klar ist, wo die Stadt finanziell wirklich steht, werde man weiter reden, sagte er.

Vor fast 40 Jahren wurde das Schwimmbad in Herzberg eröffnet. Missen möchte es niemand, aber es ist nun wirklich nicht mehr zeitgemäß.
Vor fast 40 Jahren wurde das Schwimmbad in Herzberg eröffnet. Missen möchte es niemand, aber es ist nun wirklich nicht mehr zeitgemäß. FOTO: privat