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| 17:14 Uhr

Landtagsabgeordneter im Praktikum
Für ein paar Tage Rettungsdienstler

 Rettungsassistent Reiner Jacobs (r.) weist den Praktikanten Rainer Genilke in seine Aufgaben ein. Der hat für einige Tage die Arbeit der Rettungsdienstler in Herzberg hautnah kennengelernt.
Rettungsassistent Reiner Jacobs (r.) weist den Praktikanten Rainer Genilke in seine Aufgaben ein. Der hat für einige Tage die Arbeit der Rettungsdienstler in Herzberg hautnah kennengelernt. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. CDU-Landtagsabgeordneter als Rettungsdienstler: Rainer Genilke hat als Praktikant die Rettungswache in Herzberg „von innen“ kennengelernt. Etwas hat ihm in seiner Zeit dort besonders gefallen. Von Birgit Rudow

Mittwochnachmittag, Rettungswache Herzberg. Der Rettungswagen muss raus, zum Unfall in der Berliner Straße. Ein Auto hat sich überschlagen. Es wäre der 13. Einsatz für Rainer Genilke in drei Tagen gewesen. Doch er bleibt in der Wache.

Der CDU-Landtagsabgeordnete, der operative Leiter des Rettungsdienstes des Landkreises Elbe-Elster Burkhard Schreiber und der Rettungswachenbereichsleiter Michael Gehler sind mit der RUNDSCHAU verabredet.

Wäre erst mal die Frage zu klären, was ein Landtagsabgeordneter eigentlich in einer Rettungswache macht? Bei Genilke liegt die Antwort nahe: ein Praktikum. Seit zehn Jahren zieht er das durch. Immer im Sommer für drei bis fünf Tage. Beim Entsorgungsunternehmen Remondis war er schon, in einem Landwirtschaftsbetrieb in Polzen, in einem Kindergarten, bei der Nahverkehrsgesellschaft und im Jobcenter.

„Das sind alles Aufgaben, die in unserer Gesellschaft sehr wichtig sind, die aber oft nicht genug wahr genommen werden. Darüber will ich mich informieren, und das geht am besten, wenn man ein paar Tage mitmacht“, sagt er.

Rainer Genilke bei 12 Rettungseinsätzen dabei

Diesmal also der Rettungsdienst. Als (auch) Kreistagsabgeordneter ist Genilke der Rettungsdienst nicht unbekannt. Er ist ein Eigenbetrieb des Landkreises. Mittendrin zu sein ist aber etwas anderes, als Wirtschaftspläne zu wälzen.

„Da sieht man erst, was dahinter steckt, welcher Belastung die Mitarbeiter in ihren 12-Stunden-Schichten ausgesetzt sind und was sie sich manchmal anhören müssen. Das verlangt viel Respekt“, sagt er.

12 Einsätze ist Rainer Genilke in den drei Tagen mitgefahren. Von hitzebedingten Kreislaufbeschwerden bis zur Einlieferung einer schwer kranken älteren Dame in die Klinik war quer Beet alles dabei. Im Einsatzgebiet der Rettungswache Uebigau, in dem die Herzberger aushelfen mussten, weil die Uebigauer unterwegs waren, hatte sich ein Mann bei handwerklichen Arbeiten mit der Flex in die Pulsader geschnitten.

Dieser Unfall ist auch Rainer Genilke an die Nieren gegangen. „Es war bewundernswert, wie professionell die Rettungskräfte in dieser Situation funktioniert haben“, sagt er.

Rettungsdienst des Landkreises hat 180 Mitarbeiter

„Die Qualität der Arbeit des Rettungsdienstes ist durch die Ausbildung und den Einsatz von Notfallsanitätern noch besser geworden“, erläutert Burkhard Schreiber. 180 Mitarbeiter hat der Rettungsdienst des Landkreises. In den vergangenen Jahren haben sich die Arbeitsbedingungen für viele von ihnen verbessert.

Seit etwa einem Jahr ist die Herzberger Wache an ihrem neuen Standort an der Leipziger Straße. „Zurück das alte Domizil im Nixweg will keiner mehr“, sagt Michael Gehler, der für Herzberg, Uebigau und Werchau zuständig ist.

Zehn Rettungswachen gibt es derzeit im Landkreis. Zwei neue kommen noch dazu, eine in Schönewalde (Grundsteinlegung ist am 26. August) und eine in Oppelhain.

Rettungswachen sollen auf neusten Stand gebracht werden

Ziel ist es, alle Rettungswachen auf den neuesten Stand zu bringen. Bei vielen ist das schon geschehen. Die Wache Werchau soll nach Schlieben umziehen, direkt an die B 87.

Auch die Wache Weinberge wird verlegt – nach Neuburxdorf. In Großthiemig entsteht im Ort ein Ersatzneubau, in Sonnewalde zieht die Wache mittelfristig an die B 96.

Als Letztes wird die Wache in Elsterwerda in Angriff genommen. Hier sind die Garagen und die Infrastruktur nicht mehr zeitgemäß, so Schreiber. Die Garagen müssen so umgebaut werden, dass ein Rettungswagen mit Kofferaufbau reinpasst. Von diesen Fahrzeugen wurden zwei bestellt. Sie sollen vor allem für Intensivverlegungsfahrten genutzt werden.

Die nächste Einweihung eines Rettungswachenneubaus im Landkreis ist am 5. September in Bad Liebenwerda. 2,4 Millionen Euro hat er gekostet. Die Mittel für die Investitionen bringt der Eigenbetrieb Rettungswesen selbst auf. Er muss alle seine Kosten aus den laufenden Einsätzen decken.

Für Rainer Genilke waren die drei Tage in der Rettungswache Herzberg eine lehrreiche Erfahrung, sagt er. Besonders angetan war er von der fast familiären Atmosphäre und davon, dass die Mitarbeiter über ihre Einsätze miteinander sprechen, sich Rat holen und sich Belastendes von der Seele reden.

„Rettungsdienst ist Teamarbeit, sonst funktioniert das nicht“, bringt es Burkhard Schreiber auf den Punkt.