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| 02:41 Uhr

Bürger im Protest: Elbekies will mehr Fläche

Geschäftsführer Robert Finke stellte sich am Informationsabend den kritischen Fragen der zahlreich erschienenen Bürger.
Geschäftsführer Robert Finke stellte sich am Informationsabend den kritischen Fragen der zahlreich erschienenen Bürger. FOTO: Hummel
Mühlberg. Bis zu 420 Hektar will die Firma Elbekies für den Kiesabbau bei Mühlberg neu erschließen. Am Dienstagabend sind die Pläne zur Erweiterung vorgestellt worden. Bei den Bürgern löst das Vorhaben große Proteste aus. Anja Hummel

Ausnahmslos alle Stühle im Mühlberger Rathaussaal sind besetzt, als Elbekies-Geschäftsführer Robert Finke die Informationsveranstaltung eröffnet. Das Planfeststellungsverfahren für die rund 40 Hektar große Süderweiterung des Tagebaus Richtung Altenau liegt seit Ende März dem Landesamt für Bergbau vor. Seit Anfang 2014 wird dafür geplant. Um den Produktionsstand langfristig zu halten, sind seitens der Kiesindustrie nun weitere Abgrabungen im Ostfeld zwischen Altenau und Borschütz vorgesehen. Damit würde das Abbaugebiet um nochmals 380 Hektar größer. Das Unternehmen hätte eine Planungssicherheit für die kommenden 30 Jahre. Derzeit laufe eine umfassende Kartierung der Flora und Fauna - das ist der erste Schritt des gesamten Zulassungsverfahrens. Allein dieser Vorgang nehme ein ganzes Jahr Zeit in Anspruch, erklärt Gutachter Jürgen Heinrich von der Fugro Consult GmbH. "Frühestens in anderthalb Jahren kann mit dem Einreichen des Rahmenbetriebsplanes gerechnet werden", so Heinrich. Erst im Anschluss können die behördlichen Verfahren beginnen.

Bei den Bürgern sorgen die Pläne der Tagebauerweiterung für größten Unmut. Unwiederbringliche Landschaft, sinkende Grundwasserqualität, Lärmbelästigung und der Wegfall von Arbeitsplätzen sind nur einige Argumente der Protestler, die den Kiesabbau in der Region stoppen wollen. Uve Gliemann von der Agrargenossenschaft Mühlberg kritisiert neben den Zukunftsplänen auch die zurückliegenden Arbeiten durch Elbekies: "Bereits über 400 Hektar ausgekieste Wasserfläche ist dem Selbstlauf überlassen worden. Die Natur ist zerstört und für immer der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen worden." Von Rekultivierung sei bisher nichts zu sehen. "Es geht nur um Geld und Profit", so Gliemann weiter. Auch Claus-Peter Grobe aus Borschütz spricht sich deutlich gegen den großflächigen Abbau aus. Er hat gemeinsam mit anderen Bürgern die Initiative "Hässliche Heimat" gegründet und fordert die Einstellung der Kiesgewinnung. Die Konsequenzen für die Nachwelt seien enorm: "Das Grund- und Trinkwasservorkommen ist durch die Freilegung der unterirdischen Gewässer gefährdet und die Auswirkungen auf die Wasserqualität bei einer Abbautiefe von bis zu 45 Meter sind noch vollkommen unbekannt", sagt Grobe. Das Grundwasser unterliege einer regelmäßigen und aufwendigen Analyse, entgegnet Elbekies-Geschäftsführer Finke. Für die Kritik an den landschaftlichen Veränderungen durch den Kiesabbau zeigt er Verständnis. "Wir sind in der Bringschuld und wollen den Abschlussbetriebsplan so schnell wie möglich umsetzen." Wann die rückführenden Maßnahmen an den ausgekiesten Flächen konkret erfolgen, ist nicht klar. Altenaus Ortsvorsteher Jörg Fabian sorgt sich nicht nur um Bevölkerungsrückgang, sondern auch um touristische Angelegenheiten. "Es wurde viel in den Tourismus investiert, die ganze Region gehört dazu. Der Verbindungsweg zwischen Borschütz und Altenau ist ein Tourismusfaktor", so Fabian. Der führe aber mitten durch das Ostfeld. Finke beschwichtigt: "Die Straße wird nicht unterbrochen." Während der Diskussion betont der Geschäftsführer mehrmals, dass man mit den Anwohnern in einen Dialog treten wolle. "Die Bürger werden in einem sehr frühen Stadium über das Vorhaben als Ganzes informiert. Wenn wir wissen, welche Ängste es gibt, können die vielleicht von uns entkräftet werden", so Finke. An konstruktiven Gesprächen an einem Tisch sei ihm gelegen. Wann der nächste Austausch stattfinden wird, steht bisher nicht fest.

Zum Thema:
Seit 1970 wird im Mühlberger Tagebau Kies abgebaut. Jährlich werden 2,8 Millionen Tonnen des Rohstoffs produziert und zu 95 Prozent mit Zügen abtransportiert. Derzeit sind 58 Mitarbeiter in der Elbekies GmbH beschäftigt, fünf Lehrlinge werden ausgebildet. Seit September 2010 gehört das Unternehmen der Eurovia GmbH an. Momentan erfolgt der Kiesabbau im Bergwerksfeld Mühlberg/Ziegeleigrube, dem Werk II.