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Brücken bauen für Analphabeten

Herzberg. Schwierigkeiten mit dem Lesen, Schreiben und Rechnen sind unter Erwachsenen verbreiteter, als man denkt. Noch schwieriger ist es, Betroffene zu Aktivitäten zu veranlassen, ihre Defizite auf diesen Gebieten abzubauen. Gabi Böttcher

Der Landkreis Elbe-Elster bemüht sich deshalb um eine Förderung, die auf der Grundlage der Richtlinie "Grundbildung und Alphabetisierung" Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) lockermacht. Sie sollen in anderthalb Stellen fließen und zwei Mitarbeitern die Möglichkeit eröffnen, gezielt Menschen mit genannten Defiziten zu erreichen.

Marlis Eilitz, Leiterin des Amtes für Jugend, Familie und Bildung, rechnet jeden Tag mit einem positiven Signal auf die Absicht des Landkreises. Immerhin gibt es bei der hiesigen Kreisvolkshochschule seit 2005 Erfahrungen mit Angeboten der Grundbildung. Seit 2008 sind hier in fast 40 Kursen 300 Teilnehmer erreicht worden. Marlis Eilitz bezieht sich auf aktuelle Studien nach denen jeder sechste deutschsprachige Erwachsene nicht alltagstauglich lesen, schreiben oder rechnen könne. Und deren Zahl steige stetig.

Die Erfahrung zeigt, dass diejenigen, die von den Angeboten profitieren könnten, schwer zu erreichen sind. Hier bedürfe es einer sensiblen Ansprache und der Schulung derjenigen, die in ihrer täglichen Arbeit mit Betroffenen ins Gespräch kommen. Hauptzielgruppe sollen 18- bis 25-Jährige sein, denen sich durch eine bessere Grundbildung Brücken zum zweiten Bildungsweg auftun könnten. Ausdrücklich hebt Marlis Eilitz hervor, dass sich das regionale Grundbildungszentrum bestehender Strukturen wie des Netzwerkes Bildungsberatung bedienen soll. Kurse anzubieten und durchzuführen, obliege wie bisher der Kreisvolkshochschule.

Auch wenn das ursprüngliche Ziel, das Zentrum im März zu installieren nicht mehr erreicht werden kann - jetzt soll es zum 1. Mai klappen. Die Verzögerung, die sich durch das Warten auf eine entsprechende Förderrichtlinie und damit die Antragstellung ergeben hat, soll aufgeholt werden. Zum neuen Schuljahr wolle man mit neuen Schülern den Unterricht beginnen.