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Brandiser rettet verstoßene Jungstörche

Rainer Funke hat die Jungstörche mit Wasser versorgt.
Rainer Funke hat die Jungstörche mit Wasser versorgt. FOTO: privat
Brandis. Vermutlich ist Nahrungsmangel durch die Trockenheit der vergangenen Tage der Grund dafür, dass die Tiere aus dem Horst geworfen wurden. Die Störche werden jetzt in Reddern betreut und aufgepäppelt. red/ru

Das Storchennest im Schönewalder Ortsteil Brandis steht direkt an der Hauptstraße vor dem Haus der Familie Funke. Als Rainer Funke am vergangenen Sonntagmittag auf dem Hof sitzt und schaut, was da oben so vor sich geht, sieht er, wie ein großer Storch ein Storchenbaby im Schnabel hat und aus dem Nest wirft. "Ich bin dann gleich hin und hab den Kleinen aufgehoben und mit reingenommen. Er hat auch sofort Wasser angenommen", sagt er. Doch dann habe sich der Nachbar von gegenüber gemeldet und gesagt, dass noch ein zweites Junges aus dem Nest geworfen wurde. Auch das hat Rainer Funke gefunden und mit Wasser versorgt. "Man kann sagen, Lebensrettung in letzter Sekunde", sagt er. Dann hat er die Storchenbeauftragte informiert.

Sabine Lehmann, Weißstorch-Betreuerin im Altkreis Herzberg, reagierte sofort auf den beunruhigenden Telefonanruf aus Brandis. "Die beiden etwa drei Wochen alten Jungstörche hatten wie durch ein Wunder den Sturz völlig unverletzt überstanden. Rainer Funke hat umsichtig gehandelt und ihnen Wasser in die Schnäbel eingeträufelt. Immerhin war es zu dieser Tageszeit, gegen Mittag, fast 30 Grad warm", so Sabine Lehmann.

Dieter Lehmann vom Naturschutzverein "Elsteraue" Falkenberg berichtet, dass Heidi, Sabine und Sonja Lehmann - alle drei aktive Mitglieder des Falkenberger Naturschutzvereins - die zwei Jungstörche nach Reddern bei Großräschen gebracht haben. Dort kümmert sich die Förster-Familie Heindel um in Not geratene Vögel. "Zahllose Jungstörche haben sie in den letzten Jahren groß gezogen, und fast alle haben den Försterhof verlassen und sind dann gen Süden ins afrikanische Winterquartier geflogen", so Dieter Lehmann.

Bleibt noch die Frage, warum Störche ihre Jungen aus dem Horst werfen. "Zweifellos ist es Nahrungsmangel, der sie zu solch unverständlich erscheinenden Handlungen zwingt. Bei der extremen Trockenheit, wie sie in den vergangenen Tagen bei uns herrschte, konnten die Störche so gut wie keine Nahrung finden, um ihre Jungen zu füttern", so Lehmann. Er verweist auch darauf, dass die Bestände der Weißstörche in der Region von Jahr zu Jahr schrumpfen. "Auch in diesem Jahr wird die Bilanz der ausgeflogenen Jungstörche wieder sehr negativ sein", sagt er.