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| 17:29 Uhr

Eine große Menge und super Qualität der Trauben
Bombastisches Jahr für Weinbauern

Mit dem prächtigen Wein kann auch Moie Franziska Günther ihre zweijährige Amtszeit erfolgreich starten.
Mit dem prächtigen Wein kann auch Moie Franziska Günther ihre zweijährige Amtszeit erfolgreich starten. FOTO: Dieter Müller
Schlieben. Verein meldet Rekordergebnisse vom Langen Berg in Schlieben. Der Sommer beschert mehr als neun Tonnen Reben.   Von Birgit Rudow

Das Jahr 2018 wird in der Chronik der Schliebener Weinbauern als ein ganz besonderes eingehen. „Menge über Menge und eine super Qualität der Trauben“, schwärmt die Chefin des Schliebener Weinbauvereins Annette Engel. 4,416 Tonnen der Weißweinsorte Müller-Thurgau haben sie in diesem Jahr gelesen. In dem verregneten Sommer 2017 waren es 3,2 Tonnen. Beim Bacchus waren es in diesem Jahr 2,261 Tonnen und bei der Rotweinsorte Regent 2,515 Tonnen. Noch etwa 150 Kilogramm Regent hängen an den Reben. „Die werden wir in die Hofkelterei nach Dobra bringen. Zum ersten Mal haben wir dann auch unseren eigenen Traubensaft“, sagt Annette Engel.

Die geernteten Mengen bezeichnet die Vereinsvorsitzende als überdurchschnittlich groß. Und das, obwohl die Schliebener in diesem Jahr nicht aufgerebt und ordentlich reduziert haben. Darunter verstehen die Weinbauern das Ausschneiden ganzer Trauben oder Traubenspitzen, um ein gleichmäßiges Ausreifen der Trauben zu fördern.

Auch mit der Qualität der Trauben und mit dem Zuckergehalt, der sich im Oechslegrad widerspiegelt, sind sie sehr zufrieden. Der Müller-Thurgau hat in diesem Jahr 81 Oechsle. Normal, so erklärt Annette Engel, seien für den Schliebener Weinberg etwa 75. „2006 hatten wir mal einen ähnlich hohen Wert wie 2018“, erinnert sie sich. Beim Bacchus sind es in diesem Jahr 78 Oechsle und beim Regent sogar 92. „Beim Rotwein sind wir eigentlich schon mit 80 Oechsle zufrieden“, ordnet die Vereinsvorsitzende das Ergebnis ein.

Ein hoher Oechslegrad führt aber auch dazu, dass das notwendige Verhältnis von Zucker und Säure nicht optimal ist. Die Trauben haben zu wenig Säure. „Weil das abzusehen war, haben wir beim zuständigen Ministerium in Sachsen beantragt, den Wein anzusäuern, damit er eine gute Spritzigkeit hat. Das wird dann in der Kelterei gemacht“, so Annette Engel. Der 2018er-Jahrgang Müller-Thurgau aus Schlieben wird als halbtrockener Wein auf den Markt kommen. Das hat aber nichts mit dem hohen Zuckergehalt der Trauben zu tun. „Wir wechseln jedes Jahr zwischen trocken und halbtrocken. Bei unseren doch relativ geringen Mengen wäre es für die Kelterei ein hoher Aufwand, beides zu keltern. In diesem Jahr ist wieder halbtrocken dran“, erklärt die Vorsitzende.

Der Bacchus wird grundsätzlich trocken ausgebaut und beim Regent sind die Schliebener noch am überlegen, ob trocken oder halbtrocken. Noch haben sie ja Zeit. Erstmal geht der Saft zum Gären in die Fässer. Mittels Tauchproben wird dann die Qualität überwacht. Ist alles so, wie es sich die Winzer vorstellen, werden die Proben im Labor untersucht. Erteilt das Labor die Freigabe, wird der Wein in die Flaschen abgefüllt. Beim Weißwein ist das etwa im April/Mai. Beim Rotwein dauert es etwas länger. „Mit dem abgefüllten Rotwein aus dem vergangenen Jahr, also dem 2017er-Jahrgang, rechnen wir Ende September“, so Annette Engel.

Die besonders guten Ergebnisse sowohl mengenmäßig als auch bei der Qualität sind selbstverständlich in hohem Maße dem ungewöhnlich warmen und trockenen Wetter in diesem Frühjahr und Sommer geschuldet. Das brachte den Vorteil, dass es die Weinbauern in diesem Jahr kaum mit Fäulnis bei den Trauben oder mit Krankheiten zu tun hatten. In so manchen regenreichen Jahren mussten sie regelmäßig in den Berg, um vom Wetter geschädigte Trauben auszuschneiden. Das blieb ihnen in diesem Jahr erspart.

Dafür aber wurde die Bewässerung zu einem großen Thema. „Damit mussten wir schon zeitig im Mai beginnen“, sagt Annette Engel. Etwa ein Drittel der Anbaufläche wird mit einer automatischen Tröpfchenberegnung versorgt. Der Rest musste mit dem Schlauch bewässert werden. „Das ist in dem Maße viele Jahre nicht mehr vorgekommen“, so die Vorsitzende. Wann die Vereinsmitglieder sich mit dem Schlauch durch die Rebenreihen auf den Weg machen mussten, hing vom Zustand der Pflanzen ab. Dafür haben sie einen Blick. Vorrangig war dies an den besonders heißen Tagen mit 35 Grad und mehr der Fall. 150 Kubikmeter Wasser haben sie dafür verbraucht. Der Verein hat zum Glück eine Art „Gartenanschluss“, bei dem nur das Trink- und nicht auch noch das Abwasser bezahlt werden muss.

Nach dem Abschluss der Weinlese können die Schliebener Weinbauern jetzt etwas kürzer treten. Zu Ende ist das Arbeitsjahr vor allem für die Männer aber noch lange nicht. Es stehen noch einige Bau- und Reparaturarbeiten an. So müssen die Hänge stabilisiert und der Boden etwas aufgebessert werden. Dazu arbeiten die Vereinsmitglieder Mist und Lehm unter. Außerdem steht die jährliche Inventur an und so langsam muss auch an die Wintersicherung gedacht werden.

74 Mitglieder hat der Verein zur Förderung des historischen Weinbaus in Schlieben, wie er sich genau nennt. 25 Frauen und Männer arbeiten aktiv auf dem Weinberg mit, so Engel. Wie vielen Vereinen fehlt auch den Schliebenern der Nachwuchs. „Die 65-Jährigen sind bei uns die Jungen“, sagt die Vorsitzende. Diese Altersgruppe hat aber auch die meiste Zeit. Und die braucht es für die Pflege des Weinbergs.

Der „Schliebener Langer Berg“ ist eine der zwei gesetzlich zugelassenen Rebflächen im Land Brandenburg, auf denen Qualitätswein erzeugt wird. Weinrechtlich gehört er zum Bereich Elstertal im Weinbaugebiet Sachsen. Die Schliebener nehmen an vielen Veranstaltungen teil und organisieren auch selbst einige wie den Tag des offenen Weinbergs im März, das Martinsganzessen im November oder die öffentliche Weinlese und leisten ihren Beitrag zum Kellerstraßenfest.

Besonders stolz sind sie, wenn ihre Weine aus dem kleinen Anbaugebiet mit den „Großen“ mithalten können und prämiert werden. So wurden bei der Landesweinprämierung Sachsen Ende August der 2017er-Bacchus trocken und der „Heurige Zauber“ – eine Edition anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Weinbauvereins – mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet. Mal sehen, was der außergewöhnliche Jahrgang 2018 bringt.