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| 19:36 Uhr

Landwirtschaft
Bauern hoffen auf mittelmäßige Ernte

 Die Agrargenossenschaft Beyern hat mit der Ernte der Wintergerste hat begonnen, hier im Bild auf einem Feld bei Buckau.
Die Agrargenossenschaft Beyern hat mit der Ernte der Wintergerste hat begonnen, hier im Bild auf einem Feld bei Buckau. FOTO: Dieter Müller
In der Agrargenossenschaft Beyern steht der neue Chef, Marko Eisermann, vor keiner leichten Aufgabe. Von Sylvia Kunze

In der Agrargenossenschaft Beyern hat in diesen Tagen die Ernte der Wintergerste begonnen. Etwas vor der Zeit, aber noch lange nicht so viel zeitiger, als im Vorjahr. Uwe Bäurich, Leiter der Pflanzenproduktion, ist damit zwar nicht vollends zufrieden, aber ändern könnte er daran ohnehin nichts. Da ist nun mal das Wetter sein oberster Boss.

Die aktuelle Wasserknappheit zeichnet sich jetzt noch am ehesten an den Blühstreifen ab. Fünf Hektar in verschiedenen Orten sind angelegt. Längst nicht alle dieser Flächen gedeihen so gut, wie beispielsweise die beidseitige Maisbegleitung im Falkenberger Hörsteweg, den gerade dieser Tage viele Badefreunde auf dem Hin- und Rückweg zum Kiebitz-See entlangfahren.

 Unter anderem auch rechts und links vom Hörsteweg in Falkenberg sind Blühstreifen angelegt. Sie lechzen nach Wasser.
Unter anderem auch rechts und links vom Hörsteweg in Falkenberg sind Blühstreifen angelegt. Sie lechzen nach Wasser. FOTO: LR / Sylvia Kunze

Bäurich hofft, dass Regendefizit und Sommerhitze nicht wieder so schlimm und lang anhaltend werden wie im vorigen Jahr. Der Regen nach Pfingsten habe sowohl dem Getreide als auch dem Mais wichtige Aufwachshilfe gegeben. Nun komme es darauf an, wie lange die Pflanzen davon zehren und die Durststrecke überbrücken könnten. „Wir werden hoffentlich noch eine mittelmäßige Ernte einfahren“, schätzt er ein.

Die braucht die Genossenschaft nach der kargen Ernte vom Vorjahr, die zwar durch Dürrehilfen teils entschädigt wurde, aber die Vorräte des landwirtschaftlichen Betriebes deutlich gemindert, wenn nicht gar ganz aufgebraucht hat. Marko Eisermann, der mit Beginn des Jahres des Vorsitz für den altersbedingt ausgeschiedenen Horst Bielagk übernahm, hatte damit keinen einfachen Start. „Es hätte jedenfalls ruhiger laufen können“, blickt er zurück. Aber weil ja schon ab Sommer des Vorjahres abzusehen war, worauf Ernte-, Fleisch- und Milcherlöse hinauslaufen, habe man rechtzeitig neue  Strategien entwickeln können. So habe man die Tiere zum Beispiel über eine Zeit weniger auf Leistung gefüttert, um nicht so viel hochwertiges Futter zukaufen zu müssen.

Eisermann kennt diese Tricks und Kniffe. Er hat von der Pike auf im Betrieb gelernt. Aber als er 2003 im Sommer als Lehrling anfing, war so eine Zukunft für ihn unvorstellbar. Als ihn dann Bielagk nach dem ersten, einem durchaus schon guten Lehrlingszeugnis ansprach und zum Azubi meinte: „Wenn du das durchziehst, gehen wir Schritt für Schritt in die Richtung, dass du mein Nachfolger wirst“, war der sprachlos. „Am Anfang war das ganz schön weit hergeholt“, blickt er zurück und schickt nach: „Aber jetzt fühle ich mich der Aufgabe gewachsen.“

Denn auch, wenn er in den zurückliegenden Jahren nach umfangreicher Qualifikation als Leiter Tierproduktion eingesetzt war, hat der 39-jährige Agraringenieur doch in alle Teilbereiche des Unternehmens ausreichend Einblick erhalten, um nun zu wissen, was zu tun ist. Noch dazu hat er kompetente Bereichsleiter an seiner Seite. Die Tierproduktion leitet jetzt Matthias Pohlmann (ebenfalls wie der Chef im Betrieb „herangezogen“). Die Schweineproduktion liegt in den bewährten Händen von Roswitha Richter. Die Pflanzenproduktion kennt Uwe Bäurich seit Jahren aus dem Effeff. Und ganz wichtig: Marko Eisermann fühlt sich sowohl in der Landwirtschaft als auch auf dem Chefsessel an der richtigen Stelle. „Die Erfahrung meiner Kollegen hält mir den Rücken frei“, freut er sich auf eine gute Zusammenarbeit zum Wohle des Betriebes und der Region.

 Marko Eisermann ist der neue Chef der Agrargenossenschaft Beyern. Er hat von der Pike auf im Betrieb gelernt.
Marko Eisermann ist der neue Chef der Agrargenossenschaft Beyern. Er hat von der Pike auf im Betrieb gelernt. FOTO: Dieter Müller

Immerhin bewirtschaftet die Agrargenossenschaft Beyern Flächen von Rahnisdorf bis Marxdorf: 600 Hektar Grünland, 600 Hek­tar Mais und 1100 Hektar Getreide. In erster Linie, um die Tiere versorgen zu können: 420 Milchkühe plus Nachzucht, die komplett in der Weidehaltung ist. Außerdem hält der Betrieb 6600 Schweine-Mastplätze bereit, die mit drei Tier-Durchgängen pro Jahr bestückt werden. „Wir produzieren die Schweine und ziehen sie vor Ort groß, lassen sie in Belgern schlachten, und dann kommt das Fleisch zurück in die Läden der Region“, zeigt Marko Eisermann auf, wie aus seiner Sicht Tierproduktion in einer regionalen Kette laufen soll und kann.

Bei ausreichenden Erlösen hat er den Blick schon wieder auf die nächsten, dringend anstehenden Aufgaben und Investitionen. Ställe sind weiter zu sanieren. Im Feldbau sind die Güllefässer ausgetauscht, nächstes Jahr soll eigentlich noch ein Ausbringefass angeschafft werden, mit dem die Gülle gleich beim Ausbringen in das Grünland eingeschlitzt und auf den Acker eingearbeitet wird. Keine Abstriche sollen zudem an der weiteren qualitativ hochwertigen Lehrlingsausbildung gemacht werden. Der Chef weiß jedenfalls, wovon er spricht. Am 1. August beginnen drei neue Azubis in der Rinderproduktion, in der Schweineproduktion und im Feldbau. Eisermann freut’s, „dass wir immer wieder Leute aus der Region finden, die in der Landwirtschaft arbeiten wollen.“ Er jedenfalls sieht darin seine Zukunft.