ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:51 Uhr

Weiterbildung abgeschlossen
Hauptsache in Bewegung bleiben

Ein kleiner Kreis der Teilnehmer macht es vor, wie man ältere Mitbürger mit Spaß in Bewegung bringen kann.
Ein kleiner Kreis der Teilnehmer macht es vor, wie man ältere Mitbürger mit Spaß in Bewegung bringen kann. FOTO: LR / Sylvia Kunze
Uebigau-Wahrenbrück. Der Seniorenbeirat der Stadt Uebigau-Wahrenbrück hat sich von Profis Tricks und Kniffe verraten lassen, wie es „Lange mobil & sicher zu Hause“ klappen kann. Von Sylvia Kunze

Glaubt man Bevölkerungsprognosen, dann wird es von Jahr zu Jahr in unserer Region mehr Hochaltrige geben. Denen zur Seite zu stehen, damit sie „Lange mobil & sicher zu Hause“ bleiben können, hat sich der Seniorenbeirat der Stadt Uebigau-Wahrenbrück mit Vertretern aus fast allen Ortsteilen zur Aufgabe gemacht. Bei einem entsprechenden Qualifizierungsprojekt, das im Vorjahr in Partnerschaft von ASB-Regionalverband Elbe-Elster, Medis Lebensfreude gGmbH in Bad Liebenwerda und Diakonie in Doberlug-Kirchhain hier in der Region Einzug hielt, war Peter Kroll, Ortsvorsteher in Domsdorf und Mitglied des städtischen Seniorenbeirates, auf die Idee gekommen, die Profis mit ihren Tipps und Kniffen in seine Stadt zu holen und andere aus dem Beirat ebenfalls dafür zu sensibilisieren.

So haben nun die Ehrenamtler, die in den Ortsteilen der Stadt die Seniorenarbeit und -betreuung in die Hände nehmen, alle gemeinsam fleißig für mehrere Tage die Schulbank gedrückt und sich Basiswissen angeeignet. Dass eine ganze Stadt flächendeckend so aktiv wird, ist Dr. Ingrid Witzsche, Netzwerkkoordinatorin dieser Initiative der Akademie 2. Lebenshälfte, bis jetzt noch nicht untergekommen, weshalb sie für die Aktivitäten der Damen und Herren aus Uebigau-Wahrenbrück viele lobende Worte findet. „Von diesem guten Beispiel will ich gern überall im Land berichten“, verspricht sie bei der Abschlussveranstaltung, bei der alle Teilnehmer neben einem Zertifikat auch einen „Zauberbeutel“ erhalten.

Der enthält kleine Utensilien, die für leichte Bewegungsspiele nützlich sein können. Was man zum Beispiel mit den Tüchern anfangen kann, das demonstrieren einige Kursbesucher gleich ganz eindrucksvoll. Die Melodie „Wer will fleißig Waschfrauen seh’n“ wird schnell zu „Wer will fleißige Landfrauen seh’n“ und passend zur Strophe werden Hände, Arme und der gesamte Oberkörper bewegt. Der Spaß an der Sache ist Akteuren und Zuschauern gleichermaßen anzusehen. „Und wenn es Spaß macht, dann können wir ganz bestimmt den einen oder anderen älteren Menschen aus unserem Umfeld wieder bewegen, sich mehr zu bewegen“, sind sich alle einig. „Aber um Männern Freude zu bereiten, sollte stattdessen ein Bierglas zum Einsatz kommen, meinetwegen auch ein leeres“, regt Wilfried Hentschel aus Bönitz schmunzelnd an.

Dr. Witzsche findet diese Idee gar nicht so abwegig, „schließlich sind Männer anders zu knacken als Frauen. Generell aber Hut ab vor der Idee, in den Ortsteilen kleine Gruppen zu etablieren, in denen man sich regelmäßig bewegt.“ Davon hatte kurz zuvor zum Beispiel Martina Göpel aus Prestewitz berichtet. Sie ist schon mit keinen Fingerübungen auf Begeisterung bei den Senioren gestoßen und will sich nun mit dem neuen Wissen auch an andere Bewegungsanimationen heranwagen.

„Es ist erstaunlich, wie viel man sich bewegen kann, ohne sich dabei groß anstrengen zu müssen“, bekennt Wilfried Hentschel, der ebenso wie die anderen Mitstreiter in der Runde dankbar für die vielen Anregungen ist. Alle gemeinsam wollen sie Mitmenschen in ihren Heimatorten unterstützen, durch mehr Beweglichkeit ihr Leben besser meistern zu können.

Die Bewegungsangebote sollen in Seniorengruppen und bei Einzelbesuchen unterbreitet werden. Speziell die Einzelbetreuung ist in Marxdorf sehr etabliert. Dort werden Besuchs- und Hilfsdienste für jene ältere Mitbürger organisiert, die nicht mehr aus dem Haus kommen. Der „Zauberbeutel“ wird bei künftigen Besuchen sicher nicht mehr fehlen. Aber, auch das sagen die Helfer ganz deutlich: „Wir brauchen die Ärzte und Physiotherapeuten im ländlichen Raum.“ Das ist eine Aufgabe, die die Politik mit im Auge behalten muss, sind sich alle einig.

Vor Ort gehe es nun darum, diese Initiative noch mehr in die Breite zu tragen. Petra Hollstein, Vorsitzende des Kreisseniorenbeirates, die sich die Abschlusspräsentation in Uebigau-Wahrenbrück angesehen hat, will das Thema unbedingt auf der Tagesordnung der nächsten Zusammenkunft wissen. „Vielleicht können wir damit einen Schub für alle anderen Orte auslösen. Das wäre sehr wünschenswert und ein toller Erfolg“, hofft sie auf eine Initialzündung.