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| 20:15 Uhr

Kinderbetreuung
Betreuung in der Zwergenstube

 Kathrin Weidner aus Freywalde arbeitet seit dem 2. Mai als Tagesmutti im Schönewalder Stadtgebiet.
Kathrin Weidner aus Freywalde arbeitet seit dem 2. Mai als Tagesmutti im Schönewalder Stadtgebiet. FOTO: LR / Rudow
Freywalde. Kathrin Weidner ist die erste Tagesmutter im Schönewalder Stadtgebiet. Von Birgit Rudow

Die Stadt Schönewalde hat jetzt auch eine Tagesmutti. Am 2. Mai hat Kathrin Weidner im Stadtteil Freywalde ihre „Zwergenstube“ eröffnet. Dort betreut die 28-Jährige jetzt zwei Kinder im Alter von einem und anderthalb Jahren, für den Januar liegt eine weitere Anmeldung vor, sagt sie.

Obwohl das Stadtgebiet über vier städtische Kindereinrichtungen in Schönewalde („Regenbogen“), Dubro („Themesknirpse“), Knippelsdorf („Wassertröpfchen“) und Ahlsdorf (Krippe) verfügt, die fast alle noch Aufnahmekapazitäten haben, sieht Bürgermeister Michael Stawski (parteilos) in der Tagesbetreuung von Kathrin Weidner keine Konkurrenz zu den Kindertagesstätten. Er hat der Freywalderin zur Eröffnung am 1. Mai viel Erfolg gewünscht. „Es ist gut, wenn wir den Eltern in der Stadt unterschiedliche Betreuungsformen anbieten können. Frau Weidner möchte mit der Stadt auch eine Kooperation eingehen, was Veranstaltungen und Weiterbildungen betrifft“, sagt er.

Kathrin Weidner ist die erste und bisher einzige Tagesmutti für Kinder von 0 bis drei Jahren in Schönewalde. Als 2014 ihre Tochter geboren wurde, hat sie selbst eine Tagesmutter gesucht und in der Nähe keine gefunden. Als zwei Jahre später ihr Sohn zur Welt kam, hat sie erstmals darüber nachgedacht, selbst eine zu werden. „Die Idee war da, aber damals fehlte mir der Mut“, sagt die gelernte Erzieherin. Bisher war sie immer in einer Kita beschäftigt, in Jessen und in Knippelsdorf. Die Idee aber ließ sie nicht los. „Ich habe lange überlegt und mich Ende vergangenen Jahres entschieden. Da war die Zeit reif“, sagt sie.

Um als Kindertagespflegeperson anerkannt zu werden, musste sie beim Jugendamt des Landkreises ein Einzelgespräch führen, einen 30-Stunden-Lehrgang und einen Erste-Hilfe-Kurs für Kleinkinder und Säuglinge absolvieren. Dann mussten die Räumlichkeiten so hergerichtet werden, dass sie den vorgegebenen Richtlinien entsprechen – getrennte Spiel- und Schlafräume, Sanitäreinrichtung, Küche, Rauchmelder, Steckdosen- sowie Herdsicherung und, und, und.

Ihr Mann Marcel hat ein Nebengebäude dafür umgebaut. „Wir haben sehr viel Hilfe von Freunden und Bekannten bekommen und viele Sponsoren haben uns unterstützt, zum Beispiel mit Möbeln und Baumaterial. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt sie. Die Malerin Kaj Osteroth, die in der Nachbarschaft wohnt, hat die Zwerge an der Wand im Spielzimmer gemalt. Im Garten ist ein Spielplatz entstanden und an den Haustieren der Familie von den Minischweinen über Schafe, Katzen und Hühner können sich auch die Tagespflegekinder erfreuen.

Mit Kindern zu arbeiten, ist für Kathrin Weidner der Traumberuf. An der Tagesmutterbetreuung gefällt ihr vor allem, dass es nicht so viele Kinder sind wie in einer großen Kita. So kann sie individueller auf jedes Kind eingehen. „Man hat mehr Ruhe und mehr Zeit“, sagt sie. Eltern sollten für ihre Kinder die Betreuungsform wählen, die sie als die beste erachten. Die Betreuung bei Tagesmüttern ist nach den Richtlinien des Landkreises nicht teurer als die Kita-Gebühren, so Kathrin Weidner. Ihre Kinder besuchen die Kita in Schönewalde und seien dort zufrieden, so die Erzieherin.

Als Tagesmutter möchte sie für die Eltern auch eine Entlastung sein. „Ich biete ganz individuelle Betreuungszeiten an“, sagt sie. Möglich ist ihr das auch, weil sie selbst durch die Schwiegereltern im Haus Rückendeckung hat.

Kathrin Weidner hat auch schon Kontakt zu anderen Tagesmüttern in Elbe-Elster aufgenommen. „Es finden Treffen und Weiterbildungen statt, auch im Rahmen des Netzwerkes ‚Gesunde Kinder’. Da lernt man sich kennen. Die Kolleginnen sind sehr nett. Wenn ich eine Frage hatte, haben mir alle sofort geantwortet. Konkurrenzdenken gibt es nicht“, freut sich die Freywalderin.

Laut Bedarfsplanung der Kreisverwaltung für die Kindertagesbetreuung in Elbe-Elster von 2018 gibt es im Kreis (ohne Kathrin Weidner) zwölf Tagespflegepersonen. Zwei betreuen Kinder im Haushalt der Familien. 49 Kinder sind in dieser Betreuungsform aufgenommen. Die Zahl der Tagesmütter ist in Elbe-Elster rückläufig. Als Grund gibt der Kreis Kita-Modernisierungen und flexiblere Öffnungszeiten an.