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| 02:45 Uhr

Beste Bachelorarbeit mit Oberschulabschluss

Einer der Lieblingsorte von Daniel Britz: die Schaltzentrale des BTU-Teams für den Shell Eco-marathon auf dem Senftenberger Campus. Der Wahl-Senftenberger tüftelt bereits für das energiesparende Fahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb, das im Jahr 2018 die Lausitzer Universität bei dem europäischen Wettbewerb vertreten soll.
Einer der Lieblingsorte von Daniel Britz: die Schaltzentrale des BTU-Teams für den Shell Eco-marathon auf dem Senftenberger Campus. Der Wahl-Senftenberger tüftelt bereits für das energiesparende Fahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb, das im Jahr 2018 die Lausitzer Universität bei dem europäischen Wettbewerb vertreten soll. FOTO: Jan Augustin
Senftenberg. Der Wahl-Senftenberger Daniel Britz ist Brennstoffzellen-Spezialist. Die BTU ehrt ihn dafür. An die Lausitzer Uni kam er über Umwege. Jan Augustin

Morgens um zehn sieht Daniel Britz noch ein wenig verschlafen aus. Mit Dreitagebart und Struwwelhaar sitzt er in dem großen, noch verlassenen Mensasaal auf dem Senftenberger Campus der BTU. Vor ihm auf dem Tisch steht ein Becher Kaffee. Der Wahl-Senftenberger, der in Groß Leuthen bei Lübben aufgewachsen ist, kommt bei den Ausführungen über seine Bachelor-Arbeit jedoch Schluck für Schluck mehr in Schwung.

Das Thema klingt zwar sperrig: "Optimierung einer Versuchsanlage zur elektrischen Autarkie". Für seine Forschungsleistung erhält er die Traumnote 1,0 und von der Universität eine Auszeichnung für die beste Bachelorarbeit: "Darüber bin ich erstaunt gewesen". Doch versucht Daniel Britz die Kernaussagen so einfach wie möglich zu erklären. "Als unterstützende Lösung, zusätzlich zu einer Photovoltaikanlage, ist eine Brennstoffzelle sehr gut geeignet, wenn sie sehr gut abgeglichen ist mit Wetterprognosen, Akku-Ladestand und Nutzerverhalten", erläutert er. Im Zuge der Planung für das schwimmende Autartec-Haus auf dem Bergheider See (siehe Infobox) hat Daniel Britz am Anwenderzentrum des Instituts für Neuwertwirtschaft (IfN) in Lauchhammer an einem Versuchsstand gearbeitet, an dem einzelne Systemkomponenten zur elektrischen Versorgung und Speicherung gebündelt und optimiert werden. Ziel des Autartec-Projektes ist eine komplett eigenständige Energieversorgung des schwimmenden Hauses - von Strom über Wärme bis hin zu Wasser. In dem Versuchsstand hat Daniel Britz eine Brennstoffzelle zusätzlich ins System gebracht und die Spannung umgewandelt, sodass die vorhandene Photovoltaikanlage mit der Brennstoffzelle eine Lastversorgung bereitstellen kann, erklärt der Student.

Daniel Britz kommt nur über mehrere Umwege zur Universität. Der heute 27-Jährige hat einen 10. Klasse-Abschluss. Um an der Hochschule zu studieren, reicht jedoch das Oberschul-Zeugnis für gewöhnlich nicht aus. Daniel Britz schafft es aber. Nach der Schule beginnt er zunächst eine Lehre als Mechatroniker bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) in Cottbus. Nach der Ausbildung arbeitet er für zweieinhalb Jahre bei einer bayerischen Firma. Er überlegt, das Abitur nachzuholen, verwirft den Gedanken aber wieder. "Das habe ich zum Glück nicht gemacht", sagt er nun gut gelaunt. Mittlerweile wird auch der Weg für den Quereinstieg an der BTU frei. 2012 nimmt er das Maschinenbau-Studium in Senftenberg auf.

Schon kurz darauf steigt er in das Studenten-Team für den Shell Eco-marathon ein und wird hier zum Brennstoffzellen-Experten. Im vergangenen Jahr hatte das BTU-Team "Lausitz Dynamics" den Podestplatz mit seinem Energiesparfahrzeug "LaDy H2" bei dem Wettbewerb in London zwar knapp verpasst. In den Vorjahren schafften es die jungen Wissenschaftler aber regelmäßig aufs Treppchen. 2012 waren sie sogar schon Weltmeister bei den Batteriefahrzeugen.

Daniel Britz forscht seitdem intensiv an der Technik der Brennstoffzelle, die chemische Energie in elektrische Energie umwandelt. Die einzige Emission dabei? Wasser - was auch der Grund ist, warum der Groß Leuthener für dieses Thema so brennt. "Wasserstoff hat eine hohe Energiedichte und ist daher als Energiespeicher gut geeignet", erläutert Daniel Britz.

Sein Lieblingsthema rückt nun allerdings erst einmal etwas in den Hintergrund. Daniel Britz hat mit dem Masterstudium begonnen. Als Praktikant ist er momentan bei der Firma Actemium in Schwarze Pumpe angestellt. Hier will er seine Masterarbeit schreiben - das Thema hat er im Kopf. Im Hinblick auf mögliche Patentierungen gibt er aber nicht zu viel preis. "Es geht um die Digitalisierung von Tagebauen und Tagebauanlagen", verrät er. Ein komplett anderes Thema, sagt Daniel Britz, schmunzelt und trinkt den letzten Schluck aus seinem Becher.

Zum Thema:
An dem innovativen Autartec-Haus, das demnächst auf dem Bergheider See schwimmen soll, arbeiten Mittelständler, Industrie, Universitäten sowie zwei Fraunhofer-Institute. Das Haus auf dem 13 mal 13 Meter großen Stahlponton soll nicht nur elegant aussehen, sondern sich auch selbst mit Wasser, Strom und Wärme versorgen. Es soll sich über zwei Ebenen erstrecken: Das Erdgeschoss umfasst 75 Quadratmeter Wohnfläche, das Obergeschoss weitere 34. Auf der Terrasse soll man den gesamten See überblicken können. Das Haus soll moderne Architektur und Bautechnik mit effizienter Gebäudeausstattung verbinden. Solarzellen sollen beispielsweise in die Gebäudehülle integriert werden, Lithium-Polymer-Akkumulatoren die gewonnene Energie speichern. Schwimmende Häuser werden immer beliebter - und das nicht nur als Feriendomizil, sondern auch als fester Wohnsitz. Das Lausitzer Seenland bietet sich hierfür an: Es ist mit 23 Seen und einer Fläche von 13 000 Hektar das größte künstliche Seengebiet Europas.