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Besser lernen mit Cody

Jeden Mittwoch schlüpft Hund Cody in der Klasse 5a der Grundschule Finsterwalde-Nehesdorf in seine Rolle als Co-Pädagoge. Foto: Heike Lehmann
Jeden Mittwoch schlüpft Hund Cody in der Klasse 5a der Grundschule Finsterwalde-Nehesdorf in seine Rolle als Co-Pädagoge. Foto: Heike Lehmann FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde. 22 Schüler der Klasse 5a befassen sich im Geschichtsunterricht mit Griechenland. Ruhig und konzentriert lösen die Jungen und Mädchen die Aufgaben, die ihnen Lehrerin Grit Schreiber stellt. Das liegt auch an ihrem Begleiter. Ihr Hund Cody ist Teil eines pädagogischen Projekts, das sie selbst entwickelt hat. Heike Lehmann

"Wir haben Hundebesuch, tritt langsam ein!" ist an der Klassentür der 5a zu lesen. Jeden Mittwoch hängen die Schüler das Schild auf. Denn jeden Mittwoch bringt Lehrerin Grit Schreiber ihren Hund Cody mit zum Unterricht. Seit diesem Schuljahr läuft das Projekt "Hundegestützte Pädagogik im Klassenzimmer" an der Grundschule Finsterwalde-Nehesdorf. Das Staatliche Schulamt Cottbus, der Schulträger, die Unfallkasse Brandenburg und die Eltern der Klasse 5a haben zugestimmt.

In Brandenburg gibt's kaum Vergleichbares. Grit Schreiber - sie unterrichet Sport, Geschichte, Geografie und Politische Bildung - hat das Konzept entwickelt. Sie ist seit Jahren DRK-Rettungshundeführerin. Cody, der dreijährige Labrador, ist Rettungshund, hat die Begleithundprüfung, Wesenstest und Eignungstest bestanden. "Er liebt Kinder und ist nicht stressanfällig", erklärt die Lehrerin.

Cody ist ein gelassener Co-Pädagoge. Während die Kinder lesen, schreiben und Fragen beantworten, liegt er vor der ersten Bankreihe und spielt mit seinem Stofftier. Treibt ihn die Neugier, streift er durch die Gänge, um sich schwanzwedelnd Streicheleinheiten abzuholen. Nicht nur Michelle streckt ihren Arm nach dem schwarzen Fell. Ablenken lässt sie sich vom Lernen nicht. Sie bleibt konzentriert, ihr Blick auf Buch und Tafel gerichtet.

Stressabbau bestätigt

"In zahlreichen Studien wurde eindeutig belegt, dass schon die bloße Anwesenheit eines Tieres zu einem Stressabbau führt, ohne dass die Tiere überhaupt Aufgaben übernommen hatten oder gestreichelt werden konnten. In den Unterrichtsstunden und Pausen mit Cody führte dessen reine Präsenz zu einem deutlich geringeren Geräuschpegel", so Grit Schreiber. Das führe zu einer positiveren Lernatmosphäre in der Klasse. Kollegin Sylke Magister sagt anerkennend: "Mit Cody herrscht Ruhe. Die muss ich als Lehrerin manchmal dreimal einfordern." Die Schüler haben mehr Spaß am Unterricht, was eine Schulpsychologin nach ihrer Hospitation bestätigt hat.

Die Regeln im Umgang mit Cody haben die Kinder längst verinnerlicht. Er wird nicht hochgehoben, festgehalten und ihm wird nicht hinterhergelaufen. Und vor allem mögen Hunde keinen Lärm. Viele von den Kindern haben Haustiere. Katze, Hund, Vogel, Fisch - die ganze Palette wird aufgezählt. Und dennoch geben Josef und Philipp zu, vor großen Hunden Angst zu haben. Codys Nähe mögen inzwischen beide. Laura hat beobachtet: "Wenn wir an der Tafel stehen, bringt Cody Glück!" Ein Schüler habe seine Redeblockade vor der Klasse überwunden, bestätigt Grit Schreiber.

Cody mag auch keinen Streit. "Er ist mal zu streitenden Kindern gegangen. Die haben ihn dann gestreichelt und ihren Streit vergessen. Dafür bekam der Hund Beifall von der Klasse", erzählt Grit Schreiber.