Das war ein Novum: Den „Tag der Berufe“ an der Oberschule in Schlieben haben in diesem Jahr nicht Schule und Amt organisiert, sondern drei Schülerinnen des Beruflichen Gymnasiums in Falkenberg. Für ihr Projekt im Seminarkurs Studien- und Berufsberatung haben Sophie und Marie Molle sowie Lena-Sophie Krautz aus der 13. Klasse die gesamte Veranstaltung selbst auf die Beine gestellt. „Wir sind von der 7. bis zur 10. Klasse in Schlieben zur Schule gegangen“, berichtet Sophie Molle. „Auch aus Verbundenheit mit der hiesigen Schule haben wir uns den Tag der Berufe in Zusammenarbeit mit Schlieben ausgesucht. Wir wollen damit versuchen, anderen Schülern die Gelegenheit zu geben, sich über Möglichkeiten für ihre berufliche Zukunft zu informieren.“

Viel Vorbereitung nötig

Wie viel Arbeit mit der Vorbereitung verbunden ist, haben die Gymnasiastinnen schnell erkennen müssen. Da galt es, Firmen zu kontaktieren, Eltern und Schüler zu informieren oder Aushänge und Handzettel zu fertigen, um „eine größtmögliche Reichweite zu haben“. Dem fiel etliche Freizeit zum Opfer. „Das war teilweise wirklich stressig“, bilanziert Sophie Molle. „Die ganze Planung etwa, oder die vielen Versuche, die richtigen Ansprechpartner zu erreichen und sich abzustimmen. Aber die Schliebener Schule hat uns toll in unserem Vorhaben unterstützt.“

Am Ende standen 19 Unternehmen parat, die sich am vergangenen Wochenende präsentierten. Dass es nicht noch mehr waren, könnte auch daran gelegen haben, dass mancher die Anfragen der Schülerinnen „nicht so ganz erst genommen hat“, vermuten die Organisatorinnen. Es war nun einmal eine etwas andere Anfrage als gewöhnlich.

Viel gelernt

Gleichwohl war es für alle Teilnehmer ein Erfolg. Schulleiter Jochen Haase lobte ausdrücklich das Engagement. „Es ist schon eine Herausforderung, so eine Veranstaltung selbst auf die Beine zu stellen. Aber die drei haben gelernt, dass viele Kleinigkeiten enorm wichtig werden können und wie wesentlich die Kommunikation ist. Unter dem Strich muss man sagen, sie haben sich sehr viel Mühe gegeben und ihre Aufgabe auch sehr gut umgesetzt.“ Er persönlich hätte kein Problem damit, die Organisation des Tages der Berufe erneut in die Hände von Schülern zu legen, sagt Jochen Haase.

Sie waren mit der Resonanz auf ihr Projekt durchaus zufrieden: Lena-Sophie Krautz, Marie Molle und Sophie Molle (v.l.).
© Foto: Rico Meißner

Schliebens stellvertretender Amtsdirektor Andy Müller gibt sich da etwas verhaltener. „Wir werden uns mit den Schülerinnen zusammensetzen und alles noch einmal besprechen. Dann wird man sehen, ob man die Veranstaltung noch einmal in dieser Weise umsetzt.“

Unternehmen freuen sich schon über Praktikanten

Für die anwesenden Firmen ging es natürlich auch diesmal um die Nachwuchsgewinnung, was nicht immer eine leichte Aufgabe ist. „Es ist schwierig, junge Menschen zu finden, die sich für den handwerklichen Bereich, bei uns auch noch im Schichtbetrieb, interessieren. Die Berufswünsche gehen eher in Richtung Studium oder einfach Büroarbeit“, sagt etwa Anika Mischke, Personalsachbearbeiterin der Mineralquellen Bad Liebenwerda.

Für Christina Münch von den Agrarbetrieben Schliebener Land ist es immerhin schon ein Erfolg, Praktikanten zu gewinnen. Aber düster sieht sie die Perspektiven nicht. „Ich habe schon den Eindruck, dass Interesse an landwirtschaftlicher Ausbildung vorhanden ist. Aber natürlich ist das Hineinwachsen in den Arbeitsprozess eine Herausforderung. Schließlich muss sich die Landwirtschaft nach den Tieren und dem Wetter richten. Das ist kein Büroalltag an fünf Tagen in der Woche“, sagt sie.

Organisatorinnen ziehen positive Bilanz

Viele interessierte Schüler sind meist mit ihren Eltern einfach zum „Schnuppern“ gekommen. Wie etwa die 15-jährige Lena Jakob aus Wehrhain. „Ich wollte mich einfach nur mal umsehen. Selber bin ich noch unschlüssig, ob es in den kaufmännischen oder den sozialen Bereich gehen soll.“

Die drei Organisatorinnen waren auf jeden Fall zufrieden mit der Resonanz auf ihr Projekt. „Wir freuen uns, dass der Tag der Berufe auf großes Interesse gestoßen ist und natürlich auch darüber, dass wir das gemeinsam hinbekommen haben“, sagt Lena-Sophie Krautz. Womöglich könnte das auch ein Ansporn für Nachfolger sein.