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Berga lässt Uwe Dannhauer keine Ruhe

Uwe Dannhauer (r.) hat in Jean-Louis Rey einen engen Verbündeten gefunden, wenn es gilt, Licht in das Dunkel des KZ-Außenlagers Schlieben-Berga zu bringen. In den Jahren ihrer gemeinsamen Zusammenarbeit ist eine enge Freundschaft gewachsen.
Uwe Dannhauer (r.) hat in Jean-Louis Rey einen engen Verbündeten gefunden, wenn es gilt, Licht in das Dunkel des KZ-Außenlagers Schlieben-Berga zu bringen. In den Jahren ihrer gemeinsamen Zusammenarbeit ist eine enge Freundschaft gewachsen. FOTO: sk
Schlieben. Uwe Dannhauer ist am gestrigen Freitagnachmittag mit der Medaille des Landes Brandenburg zur Anerkennung von Verdiensten für das Gemeinwesen geehrt worden. Er ist der Vorsitzende des 2009 gegründeten Vereins "Gedenkstätte KZ-Außenlager Schlieben-Berga". Sylvia Kunze

Zehn Jahre ist es her, dass Uwe Dannhauer begonnen hat, sich intensiver mit der Geschichte des früheren KZ-Außenlagers in Schlieben-Berga zu befassen. Der bei der Bundeswehr Beschäftigte bekam zu dieser Zeit von einem aus dem Dienst ausscheidenden Vorgesetzten das Manuskript eines militärhistorischen Vortrages, der sich mit der Vergangenheit in Berga beschäftigte. "Ich habe mich immer schon für Geschichte interessiert. Ich hatte den heutigen Schliebener Ortschronisten Hans-Dieter Lehmann als Lehrer. Der hat zurückliegende Ereignisse super rübergebracht. Es hat Spaß gemacht, sich damit zu beschäftigen", verrät Uwe Dannhauer, woher dieses Interesse rührt, das ihn heute mehr denn je beschäftigt.

Als er anfing, mehr über Berga, das Lager und dessen Vergangenheit in Erfahrung bringen zu wollen, sei er erst einmal auf viel Gegenwehr gestoßen. Überhaupt sei bis dahin in seiner Heimatstadt über diese Zeit lieber nicht geredet worden. ",Lass' uns mit dem da oben in Ruhe!', habe ich immer wieder zu hören bekommen", berichtet der Schliebener.

Aber er hat keine Ruhe gegeben und fand Mitstreiter, unter anderem den Franzosen Jean-Louis Rey, der sich intensiv mit dem Schicksal der französischen Zwangsarbeiterinnen beschäftigte, die in Berga interniert waren, Walter Strnad, der gerade ein Buch über das KZ-Außenlager Schlieben-Berga geschrieben hatte, und Uwe Schwarz. Nicht zu vergessen seine Frau Marita und seine Tochter Stefanie, später auch seine Tochter Nancy. "Mit einem privat organisierten Forum zur Geschichte des Lagers hat alles angefangen", blickt der 57-Jährige zurück. "Es zeichnete sich bald ab, dass wir das alles gar nicht bewältigen konnten, was wir alles leisten wollten. 2009 haben wir deshalb den Verein gegründet und zwei Jahre später die Gedenkstätte eröffnet."

Anerkennung in Schlieben

Das unermüdliche Wirken von Uwe Dannhauer und allen seinen Mitstreitern im Verein findet inzwischen Anerkennung. Anerkennung auch in der Form, dass sich die Schliebener nicht mehr so kategorisch diesem Teil der Geschichte verschließen. Wenn Böden oder Schuppen geleert werden, denkt man an den Verein und stellt Ausstellungsstücke zur Verfügung. Viele Gespräche sind inzwischen geführt worden. Die Kontakte zu Augenzeugen und Angehörigen von einstigen Zwangsarbeitern und Häftlingen haben längst internationale Dimensionen angenommen. "Aber es sind nicht mehr viele am Leben, die uns von den schrecklichen Jahren berichten können", zeigt Dannhauer das größte Problem auf.

Zumal man in Sachen Forschen und Aufarbeiten der Geschichte eigentlich noch sehr weit am Anfang stehe. Der Grund dafür: In der Geschichtsdarstellung der DDR-Zeit habe es nur das große KZ Buchenwald gegeben. Von den vielen dazugehörigen Außenlagern, zu denen auch das in Berga zählte, sei keine Rede gewesen. Erst vor einigen Jahren habe man begonnen, auch diesen Lagern die nötige Aufmerksamkeit zu widmen. Unmengen von Unterlagen seien noch auszuwerten, um mehr Klarheit zu schaffen.

Forschung intensivieren

Der Forschungsarbeit müsse deshalb in den nächsten Jahren eine besondere Bedeutung beigemessen werden, wissen die Mitglieder des Vereins, die dabei aktuell immer wieder auf neue Erkenntnisse stoßen, Detailwissen mitein ander verbinden und das Bild über die Vergangenheit des Lagers abrunden können. "Es bleiben aber genügend Fragen", sagt Uwe Dannhauer und gibt damit zu verstehen, dass er sich noch viel vorgenommen hat.

Zum Thema:
Die Medaille des Landtages Brandenburg zur Anerkennung von Verdiensten für das Gemeinwesen ist erstmals im Vorjahr an 29 Frauen und Männer verliehen worden, darunter auch Heinz Welisch, Vorsitzender des Fördervereins Brandenburgisches Eisenbahnmuseum Falkenberg. Zu den Verdiensten der Ausgezeichneten zählen sowohl Leistungen im Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeit in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, als auch besonders belastende Tätigkeiten, zum Beispiel der Einsatz in Krisen- und Konfliktgebieten oder als Unfallhelfer, sowie Tätigkeiten unter Einsatz des Lebens, zum Beispiel im Munitionsbergungsdienst oder als Soldatin oder Soldat in einem Auslandseinsatz.