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| 15:30 Uhr

Herzberg
Orgel soll nicht mehr lange leiden

 Die Herzberger Rühlmann-Orgel ist das Glanzstück der Stadtkirche St. Marien. Als solches soll sie auch wieder erklingen.
Die Herzberger Rühlmann-Orgel ist das Glanzstück der Stadtkirche St. Marien. Als solches soll sie auch wieder erklingen. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Besonderes Benefizkonzert für Sanierung der „alten Dame“ am 11. August. Familie Gutsche übergibt am Sonntag 5000 Euro. Von Birgit Rudow

Sie leidet – die große Rühlmann-Orgel in der Herzberger Stadtkirche. Und mit ihr viele Musikliebhaber, die Kirchengemeinde und besonders Kantorin Solveig Lichtenstein. Seit 123 Jahren ziert das Instrument die Kirche und ist eine der größten dreimanualigen noch erhaltenen Rühlmann-Orgeln, die nicht umgebaut wurden. Doch jetzt ächzt sie vor allem in der Windanlage und in der Pneumatik. Die Bälge aus Leder sind porös und undicht. Ebenso sieht es bei den mit Leder abgedichteten Zwischenventilen an den kleinen Bleirohren aus, in denen die Luft zwischen Spieltisch und Pfeifen übertragen wird. Alter und klimatische Bedingungen haben dem Material zugesetzt. Die Orgel klingt nicht mehr, wie sie eigentlich klingen sollte. „Es ist des Öfteren schon an ihr rumgeflickt worden. Auch mein Vorgänger Gerhard Noetzel hat die Bälge gerichtet. Aber jetzt ist der Verschleiß so stark, dass sie dringend saniert werden muss“, sagt die Kantorin.

Spezialfirma geht ans Werk

Geschehen soll das im kommenden Sommer. Die Arbeiten sind bereits an die Orgelwerkstatt Scheffler in Sieversdorf bei Frankfurt/Oder vergeben. „Die Firma kennt sich mit spätromantischen Instrumenten, deren Funktionsweise sehr speziell ist, sehr gut aus. Da liegt es nahe, dass wir uns im Zuge der Ausschreibung für dieses kompetente Unternehmen entschieden haben“, so Solveig Lichtenstein.

90 000 Euro werden benötigt

Bleibt nur noch die Frage, wie die Sanierung finanziert werden kann. Etwa 90 000 Euro sind laut Kostenvoranschlag dafür nötig. Die Kantorin geht aber davon aus, dass es durchaus noch etwas mehr werden könnte. „Deshalb freuen wir uns, dass schon viel Geld zusammen gekommen ist“, sagt sie. Der Kirchenkreis und die Landeskirche geben etwas dazu. Beim Landkreis, bei der Sparkassenstiftung und bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sind Fördermittel beantragt. Doch für einen nicht unerheblichen Teil muss die Herzberger Kirchengemeinde selbst aufkommen. Dabei sollen vor allem Spenden helfen.

Familie Gutsche übergibt 5000 Euro

Seit vielen Monaten bereits bittet die Gemeinde bei Konzerten zum Beispiel um Spenden für die Orgelsanierung und die Konzertbesucher sind nicht kleinlich. Einen schönen Einfall hatten kürzlich die Herzberger Gisela und Horst Gutsche. Statt Geschenke und Blumen haben sie zu ihrer diamantenen Hochzeit um Geld für die Orgelsanierung gebeten. Den „Erlös“ von sage und schreibe 5000 Euro möchten sie am kommenden Sonntag beim Konzert „Sommer-Serenade“ in St. Marien der Kantorin Solveig Lichtenstein und der Leitungskreis-Vorsitzenden Renate Lieback übergeben. „Wir hoffen, dass das Geld dazu beitragen wird, fristgerecht in wenigen Monaten mit der Reparatur der Orgel zu beginnen, damit die Arbeiten im nächsten Jahr abgeschlossen werden können“, so Horst Gutsche.

Wunschtitel ersteigern

Zur Finanzierung der Orgelsanierung soll auch ein besonderes Benefizkonzert beitragen, bei dem die Zuhörer das Programm selbst mitgestalten können. Es ist sozusagen ein Wunschkonzert und findet am Sonntag, dem 11. August, um 18 Uhr im evangelischen Gemeindesaal in Herzberg statt. Zwischen 15 Uhr und 17.45 Uhr können sich Musikfreunde einen (oder mehrere) Lieblings-Klassik-Hit(s) aus einer Liste aussuchen und für einen kleineren (oder auch größeren) Betrag ersteigern. Grundgebot sind zwei Euro. Im Angebot sind bekannte und beliebte Stücke aus Barock, Klassik, Romantik und Moderne. Dazu zählen zum Beispiel die Carmen-Ouvertüre, die Petersburger Schlittenfahrt, die Mondscheinsonate, der Radetzkymarsch, der Säbeltanz, die Schicksalssinfonie, die Kleine Nachtmusik, der Hochzeitsmarsch und viele, viele mehr.

Die Stücke, die den höchsten Betrag erbracht haben, werden Solveig und Christopher Lichtenstein zum Konzert dann am Flügel spielen. „Die Idee mit der Ersteigerung der Musiktitel ist nicht neu. Schon viele Kantoren haben auf diese Art und Weise um Mittel für verschiedene Projekte gebeten“, so Solveig Lichtenstein.

Aber auch, wer nicht „mitgesteigert“ hat, kann an dem Konzert teilnehmen. Der Eintritt ist frei.

Sommerfest der Kirchengemeinde

Das Wunschkonzert ist eingebettet in das diesjährige Sommerfest der Herzberger evangelischen Kirchengemeinde. Wer möchte, kann im Gemeindezentrum vor dem Konzert auch gern einen Kaffee trinken. Der Erlös aus der Versteigerung der Stücke kommt vollständig der Orgelsanierung zugute.

Und vielleicht lässt sich der eine oder andere von diesen Aktionen – seien sie nun privater Natur wie bei Familie Gutsche oder bei Veranstaltungen – zur Unterstützung der Orgelsanierung inspirieren. Jede Spende ist willkommen, damit die Herzberger Rühlmann-Orgel bald wieder in voller Klarheit erklingen kann.

Evangelischer Kirchenkreis Bad Liebenwerda, Kirchenkassen Herzberg, IBAN: DE21 1805 1000 3300 1030 95, Verwendungszweck: Orgel Herzberg

 Solveig und Christopher Lichtenstein spielen zum Konzert am 11. August die Titel, die die Musikfreunde im Vorfeld ersteigert haben.
Solveig und Christopher Lichtenstein spielen zum Konzert am 11. August die Titel, die die Musikfreunde im Vorfeld ersteigert haben. FOTO: LR / CARSTEN HOFFMANN