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Baywatch-Image bei Rettungsschwimmern vom Kiebitzer fehl am Platz

Falkenberg.. Hoher persönlicher Einsatz, fachliches Können, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft Dienst zu machen, wenn andere Freizeit haben oder im Urlaub sind. Trotz Sommer, Sonne, Wasserspaß – Rettungsschwimmer haben keinen leichten Job. Thomas Seifert

Für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) wird es zunehmend schwierig, junge Menschen für die ehrenamtliche Arbeit als Rettungsschwimmer zu gewinnen, so DLRG-Generalsekretär Ludger Schulte-Hülsmann. Auch die Wasserwacht des DRK-Kreisverbandes Herzberg versucht, Jugendliche für die Ausbildung zum Rettungsschwimmer zu finden. Und das werde nicht einfacher.
Schwimmmeister Andreas Dexel hat schon so manche Saison am schönen Kiebitz-See verbracht. Seit 1986 arbeitet er im Erholungsgebiet bei Falkenberg. Gemeinsam mit neun Rettungsschwimmern sichert er in den Sommermonaten den Badebereich am Kiebitzer ab.
Es sind Ferien. Ein heißer Tag im Juli. Vormittags. Andreas Dexel steht bis zum Bauch im warmen Wasser des Kiebitzers und erklärt einigen Kindern, wie sie ins Wasser springen sollen. Vier Wochen lang erlernen sie bei ihm das Schwimmen. Es sind ungefähr 30 Kinder aus dem Städtischen Hort in Falkenberg, die jeden Tag gemeinsam mit ihren Erzieherinnen Beate Große und Martina Schrödter an den See kommen. „Manche sind etwas ängstlich, manchen macht es richtig Spaß“ , sagt Beate Große, die es sehr gut findet, dass die Kinder im frühen Alter das Schwimmen erlernen. Der Jüngste sei vier Jahre alt und schwimme nach wenigen Tagen schon ganz sicher, sagt Beate Große.
Schwimmmeister Andreas Dexel ist ein Profi. Er nimmt den Kindern die Angst vor dem Wasser, mit ruhigen Worten, aber bestimmt. Üben, üben und nochmals üben - die Kinder geben sich Mühe. Gerade für Einsteiger sei es wichtig, die Technik von Beginn an richtig zu erlernen, sagt Andreas Dexel. Eingelernte Fehler seien später nur schwer auszumerzen. „Die richtige Technik ist Voraussetzung, damit das Schwimmtraining nicht zur Wasserplanscherei wird“ , so Andreas Dexel weiter. Erst mit der richtigen Technik sei es möglich, sich mit und nicht gegen das Wasser zu bewegen. „Vielleicht sind ja unter den Kindern zukünftige Rettungsschwimmer“ , hofft Andreas Dexel, der mit seinen neun Kollegen der Wasserwacht ein festes und sicheres Team um sich hat. Doch auch er beklagt das schwindende Interesse der Jugend, sich als Rettungsschwimmer ausbilden zu lassen und ehrenamtlich für die Wasserwacht zu arbeiten.
An diesem heißen Vormittag unterstützt Rettungsschwimmer Aron Trippner den Schwimmmeister. Im Sommer wacht Aron Trippner als Saisonkraft gemeinsam mit Andreas Dexel über das Wasser. Aron Trippner erklärt die Aufgaben eines Rettungsschwimmers: „Wir müssen qualifizierte Hilfe leisten können. Auch der verantwortungsbewusste Einsatz von technischem Material und Rettungsmitteln, beispielsweise Wiederbelebungsgeräte oder Motorrettungsboote, gehört dazu. Wir sind durch unsere Einsatzkleidung - die Rettungsschwimmer am Kiebitz tragen blaue T-Shirts - immer als Ansprechpartner und Helfer erkennbar, sei es um bei kleineren Verletzungen ein Pflaster aufzukleben oder um lebensrettende erste Hilfe zu leisten.“ Die Arbeitstage der Rettungsschwimmer sind lang. Von morgens 7 Uhr bis abends 19.30 Uhr und länger und das von montags bis sonntags. „Das Baywatch-Image aus dem Fernsehen ist bei uns am Kiebitz total an der Realität vorbei“ , sagt Aron Trippner, der das Motorrettungsboot fahrbereit macht. Und wieder haben die Rettungsschwimmern vom Kiebitzer einen langen Arbeitstag vor sich.

Zum Thema Ausbildung
 Die Rettungsschwimmer der Wasserwacht trainieren dienstags um 18.30 Uhr „Am Kiebitz“ in Falkenberg. Ab Herbst beginnt ein neuer Ausbildungskurs zum Rettungsschwimmer. Der Kurs dauert 16 Stunden und kostet 25 Euro. Ansprechpartner ist Renè Granzow unter der Telefonnummer 01 77 / 5 51 89 24 oder Anett Heyne von der Erste-Hilfe-Ausbildung in Herzberg unter 0 35 35 / 4 03 50.