Von Frank Claus

Die Dresdner Bahn, in Berlin und Brandenburg gelegen, wird für den modernen Nah-, Regional- und Fernverkehr fit gemacht. Es werden zwei neue elektrifizierte Gleise gebaut und alle neun Bahnübergänge entlang der Strecke durch Eisenbahnbrücken oder Straßenüberführungen ersetzt. Nach dem Ausbau können S-Bahnen sowie Fern- und Regionalzüge die Strecke nutzen.

Doch weshalb ist der Ausbau der Strecke für die Südbrandenburger so wichtig? Projektleiter Holger Ludewig sagt es kurz und knackig: „Wir erreichen damit eine deutliche Entlastung des Eisenbahnknotens Berlin und ermöglichen zudem kürzere Fahrzeiten Richtung Dresden und zum Flughafen Berlin-Brandenburg (BER).“ Noch brauchen Züge zwischen Dresden und Berlin 1:47 Stunden. Wenn alle Bauarbeiten beendet sind, voraussichtlich im Jahr 2028, sollen es nur noch 80 Minuten sein.

Und noch etwas ist wichtig: Der Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) werde optimal angebunden. Nur über die Dresdner Bahn könne der geplante Flughafen-Shuttle im 15-Minuten-Takt zwischen dem Berliner Hauptbahnhof und BER eine Fahrzeit von 20 Minuten erreichen.

Es hat mehr als 20 Jahre gedauert, bis nun endlich das 560-Millionen-Euro-Projekt in Angriff genommen werden kann. Alle Baugenehmigungen für die Streckenabschnitte im Stadtgebiet von Berlin, so der Projektkoordinator, liegen bereits vor. Derzeit laufe noch das Planfeststellungsverfahren auf Brandenburger Seite für den Abschnitt 3 Blankenfelde – Mahlow. „Wir erwarten den Planfeststellungsbeschluss im Frühjahr 2019“, sagt Michael Baufeld, für die Kommunikation von Infrastrukturmaßnahmen der Bahn zuständig.

In den Abschnitten 1, 2 und 4 haben im Oktober 2017 die bauvorbereitenden Arbeiten begonnen. Höhepunkt war am Dienstag dieser Woche der offizielle Startschuss für den Beginn der Hauptbauarbeiten, dem Vertreter der Bundespolitik, der Bahn und der Länder Berlin, Brandenburg, Sachsen und der Europäischen Union beiwohnten.

Zwischen Marienfelde und der Landesgrenze nach Brandenburg beginnen nun Schritt für Schritt die Hauptbauarbeiten. Durch die Teilung Berlins waren Teile der Strecke förmlich zugewachsen. Holger Ludewig schmunzelt, als er von Kleingartenanlagen berichtet, die wild entstanden waren. „Wir mussten Datschen, Komposthaufen, Kaninchenställe beräumen und natürlich jede Menge wild gewachsene Bäume fällen.“ Freilich, das brachte auch Kritik bei Einwohnern, die sich ans Grün und das Vogelgezwitscher beim Blick aus den Fenstern der dicht an der Strecke liegenden Häuser gewöhnt hatten. Auch der umfangreiche Schallschutz, der bereits vor den Hauptarbeiten realisiert wird, stößt nicht nur auf Gegenliebe. „Die Wände teilen unser Stadtgebiet“ – das bekommt Ludwig Neuenkirch, der als Bürgerberater im Infopunkt auf dem Lichtenrader Bahnhof arbeitet, öfter zu hören. Und es gibt immer noch einige, die dem versprochenen, verträglichen Lautstärkepegel nicht trauen. Die Mehrheit zeige sich an der Videobox, an der der Geräuschpegel simuliert wird, jedoch überrascht „Wir haben den Infopunkt extra dort installiert und dazu einen Fahrkartenschalter umfunktioniert, um Kunden nah am Geschehen zu informieren“, erklärt Michael Baufeld. Dort erfahren die Bahnkunden auch, dass auf der neuen Strecke Brückenentdröhnungen, die das metallene Scheppern mindern sollen, installiert werden. Die Gleise der Fernbahn würden in den Bereichen, in denen Wohngebiete unmittelbar an die Strecke angrenzen, in erschütterungsmindernder Bauweise verlegt. Die S-Bahn erhalte spezielle „besohlte Schwellen“. Holger Ludewig verweist auch auf die neue Technik an den Zügen selbst. Immer mehr kämen Flüster-, anstelle Klotzbremsen zum Einsatz.

Die neuen elektrifizierten Fernbahn-Gleise entstehen östlich der bestehenden S-Bahn-Trasse. Teilweise nehmen sie die Lage der jetzigen S-Bahngleise ein, die dafür verschoben werden müssen. Die S-Bahn-Strecke bleibt erhalten – zweigleisig bis Lichtenrade, eingleisig bis Blankenfelde. Sie werde modernisiert und an der Endstation Blankenfelde besser als bisher vernetzt: Der bestehende Haltepunkt der S-Bahn werde nach Süden verschoben. Im Bahnhof Blankenfelde soll ein kombinierter Bahnsteig für S- und Regionalbahn errichtet werden. Fahrgäste können so bequem umsteigen. Alle neun Bahnübergänge an der Dresdner Bahn werden durch Eisenbahnbrücken oder Straßenüberführungen ersetzt. Das bedeute: keine Wartezeiten mehr an geschlossenen Schranken und damit auch weniger Lärm und Abgase. Neun bereits bestehende Brücken würden erneuert bzw. erweitert.