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| 20:01 Uhr

Baumfällarbeiten wegen Straßenbau
Stattliche Eichen müssen in Herzberg bald weichen

 Die noch belaubten Eichen in der Karl-Liebknecht-Straße dürften in diesen Tagen ein beliebtes Fotomotiv bei den Anwohnern sein. Bald müssen sie Bauarbeiten weichen. Anschließend wird eine neue Amberbaum-Allee gepflanzt. 
Die noch belaubten Eichen in der Karl-Liebknecht-Straße dürften in diesen Tagen ein beliebtes Fotomotiv bei den Anwohnern sein. Bald müssen sie Bauarbeiten weichen. Anschließend wird eine neue Amberbaum-Allee gepflanzt.  FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Mit der Anlage des Biotops an der Lapine hat die Stadt aber eine vorbildliche Ausgleichsfläche. Ideen für Alleen gesucht. Von Birgit Rudow

In der nächsten vegetationsfreien Periode bis zum Februar sollen 63 Eichen und Robinien in der Karl-Liebknecht-Straße in Herzberg gefällt werden. Die Straße wird komplett saniert. Und das wird auch höchste Zeit. Doch wenn man sich die statthaften Eichen so anschaut, dann könnte einem das Herz bluten. Und das nicht nur, weil sie schön aussehen. Im vergangenen und auch in diesem Sommer konnten die Anwohner froh sein, die Schatten und Kühle spendenden Bäume zu haben. So sehen es auch Daniela und Jens Uhlig, die in der Karl-Liebknecht-Straße wohnen. „Wir bedauern es sehr, dass die Bäume gefällt werden. Wenn man bei den hohen Temperaturen im Sommer in die Straße gekommen ist, hat man sofort gemerkt, dass sie für ein angenehmes Mikroklima sorgen. Das wird den Leuten über viele Jahre fehlen und das ist sehr schade. Wir wünschten uns, dass wenigstens die Bäume, die noch 10 oder gar 20 Jahre durchhalten, stehen bleiben könnten“, sagt Daniela Uhlig.

Eichen in Herzberg sind krank

Tatsächlich hat ein Baumgutachten im Zuge der Bauplanung einigen Bäumen noch eine so lange Überlebensdauer bescheinigt. Andere wiederum sind so krank und geschädigt, dass sie gefällt werden müssen. Im Herzberger Bauamt kann man das Ansinnen der Familie Uhlig, die auch dort vorgesprochen hat, gut verstehen. Denn auch in Herzberg kommt man um das Thema Stadtklima nicht herum. „Wir sind aber mit der Naturschutzbehörde übereingekommen, die Bäume im Zuge des Straßenbaus alle wegzunehmen“, sagt Reinhard Neupert, zuständig für den Tiefbau.

Ersatzpflanzungen mit Amberbäumen

 Die frisch gepflanzten Silberweiden an der Lapine zwischen der Lanfter und dem Grünen Feld in Herzberg im Jahr 2010.
Die frisch gepflanzten Silberweiden an der Lapine zwischen der Lanfter und dem Grünen Feld in Herzberg im Jahr 2010. FOTO: LR / Stadt Herzberg

In der Karl-Liebknecht-Straße soll gleich nach dem Straßenbau eine neue Allee aus Amberbäumen angepflanzt werden. „Wenn wir einige der Eichen stehen lassen, ist die neue Allee nur ein Rudiment. Das dürfte nachkommenden Generationen auch nicht gefallen“, sagt Neupert. Außerdem sei damit zu rechnen, dass durch die Bauarbeiten auch die noch einigermaßen intakten Eichen Schaden nehmen können.

 Aus den Bäumchen sind mittlerweile stattliche Bäume geworden. Das renaturierte Biotop an der Lapine lädt zum Spazierengehen ein.
Aus den Bäumchen sind mittlerweile stattliche Bäume geworden. Das renaturierte Biotop an der Lapine lädt zum Spazierengehen ein. FOTO: LR / Rudow

Wurzeln der Eichen beschädigen Rohr- und Leitungssysteme

Ein wichtiger Aspekt, der für die Fällung spricht, ist das Wurzelwerk der Bäume. Es hebt nicht nur Gehwege und Straßenkörper an, sondern hat sich schon längst bis in die Rohr- und Leitungssysteme in den Grundstücken vorgearbeitet. Viele Anwohner seien froh, wenn sie dieses Problem nicht mehr haben, so Neupert. Das Laub und die vielen Eicheln seien aber nicht als Argument für die Fällungen vorgebracht worden, bricht er eine Lanze für die Anwohner.

Herzberg hat in den vergangenen Jahren so manche Bäume und so manche Allee im Zuge von Straßen- oder anderen Baumaßnahmen verloren. Aber wie es das Gesetz vorschreibt, müssen dafür Ersatzpflanzungen vorgenommen werden, die umfangreicher sind als das, was weggenommen wurde.

Güne Lunge entlang der Lapine

Die Stadt hat sich dafür eine „grüne Lunge“ angelegt – entlang der Lapine zwischen Lanfter und Saatgutstraße. 2009 hat die Renaturierung dieses etwa einen Kilometer langen Areals mit der Pflanzung von Silberweiden zwischen Lanfter und „Grünem Feld“ begonnen. Aus den Weidenbäumchen sind mittlerweile stattliche Exemplare geworden, die sich ohne Eingriffe des Menschen entwickeln konnten.

Bäume, Sträucher und Hecken besiedeln jetzt das Gebiet. Im vorderen Teil kann man schon spazieren gehen. Im hinteren wird es noch etwas dauern, bis alles gut eingewachsen ist und der Zaun an der Saatgutstraße, der vor allem Wild fernhalten soll, abgebaut werden kann. In dem Biotop an der Lapine wurden Ausgleichspflanzungen für Fällungen bei städtischen Baumaßnahmen, bei Fremdbaumaßnahmen mit Beziehung zur Stadt und im Zuge des Baus der Bahnübergänge vorgenommen.

Die Fläche ist gut gefüllt, die Stadt muss nach neuen Möglichkeiten für Neupflanzungen Ausschau halten. Die hat sie unter anderem mit der Anlage von Alleen an Zufahrtsstraßen gefunden. An der Zufahrt nach Neunaundorf wurden einseitig 13 Bäume gepflanzt. An der 500 Meter langen Zufahrt von der Landesstraße nach Friedersdorf soll beidseitig eine Eschenallee gepflanzt werden als Ausgleich für die Fällungen beim Straßenbau im Ort und in der Palombinistraße. „Wir möchten noch mehr solche Alleen pflanzen, auch als Windschutz. Wer weiß, wo Alleen gut hin können und wo die Bürger sie haben möchten, kann sich gern im Bauamt melden“, so Neupert.