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Baulich der Realität anpassen

Ein Modell der Falkenberger Grundschule nach dem Anbau, hier die Ansicht vom Schulhof aus.
Ein Modell der Falkenberger Grundschule nach dem Anbau, hier die Ansicht vom Schulhof aus. FOTO: Stadt
Falkenberg. Falkenberger Grundschule ist auf dem Weg zu einer Schule des gemeinsamen Lernens. Die braucht schon jetzt vor allem eins: Platz. Es wird deshalb über einen Anbau nachgedacht. Sylvia Kunze

Die Mitglieder des städtischen Bildungsausschusses stehen schon voll dahinter. Die restlichen Abgeordneten sollen am heutigen Donnerstagabend im Rahmen der Stadtverordnetenversammlung von Bürgermeister Herold Quick und Schulleiterin Simone Lösler in Bezug auf die baulichen Pläne für die Lindgren-Grundschule informiert werden.

Konkret geht es um das Vorhaben, die Schule zu einer Schule des gemeinsamen Lernens zu entwickeln. Das Land hat dem Konzept ab dem beginnenden Schuljahr die Zustimmung erteilt. Dabei steht gemeinsames Lernen, sprich Integration und Inklusion, in Falkenberg schon lange auf dem Grundschul-"Stundenplan".

Steffen Nitschke, stellvertretender Schulleiter, hatte die Situation im jüngsten Bildungsausschuss so skizziert: Schon jetzt bedürfen 6,5 Prozent der Lindgren-Schüler einer sonderpädagogischen Förderung. Dazu zählen ein geistig behindertes Kind, sieben Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, sechs lernbehinderte Kinder, ein autistisches Kind, zwei sehbehinderte Kinder, drei hörbehinderte Kinder, zwei körperbehinderte Kinder sowie neun Mädchen und Jungen mit Schreib- und/oder Leseschwächen. Noch nicht mitgezählt und explizit genannt: Kinder mit Migrationshintergrund und begabte Schüler, die ebenfalls einer gezielten Förderung bedürfen.

Vor allem beim Platz stoße man immer wieder an Grenzen, Nitschke, der den Raumplan erstellt, kommt nicht selten dabei ins Schwitzen, alle Klassen unterzubringen, Teilungsunterricht zu ermöglichen und ein freies Plätzchen für Schüler mit besonderen Bedürfnissen zu finden. Auf Sinnesbehinderungen einzugehen, hat er bisher kaum Möglichkeiten.

Die diesjährige Schulbegehung hat das Dilemma noch einmal sehr deutlich aufgezeigt: Die Räume sind in Sachen Akustik grenzwertig bis kaum zu gebrauchen. Markierungen für Sehbehinderte wären dringend anzubringen beziehungsweise zu erneuern. Eine Rampe muss auch in den hinteren Bereich des Schulhauses. Hinzu kommt der erwähnte Raumbedarf.

Das Fazit der Schulverantwortlichen: Um gemeinsames Lernen möglich zu machen, braucht es vor allem eins: Platz. Und der soll mittels eines Anbaus geschaffen werden. Die Pläne wurden vor einiger Zeit schon einmal vorgestellt. An die Nordseite soll ein Anbau ran. Und ein Querverbinder soll an die Aula anschließen und die beiden Flügel im Obergeschoss verbinden. Erste Kostenschätzungen beliefen sich auf um die 800 000 Euro. Man macht sich Hoffnungen, dass das Land nicht nur ja zum Konzept sagt, sondern im zweiten Schritt auch zu Zuschüssen. Wird denen zugestimmt, könnte nach derzeitigen Plänen bestenfalls 2018 und 2019 gebaut werden.

Im Bauamt drängt man vor allem deshalb auf "grünes Licht", weil für den Sommer Arbeiten an der Fassade und der Bau der zweiten Rampe anstehen und man alle Vorhaben miteinander abstimmen wolle, um kein Geld unnütz auszugeben.

Die Bewilligung "Schule des gemeinsamen Lernens" macht übrigens nicht nur Hoffnung auf Fördermittel für Bauvorhaben. Wie der stellvertretende Schulleiter berichtete, knüpfen sich daran ab dem neuen Schuljahr auch zusätzliche 20 Stunden für alle Schüler und die Absicherung des erhöhten Personalbedarfs mit drei neuen Kollegen sowie der pädagogischen Unterrichtshilfe, sozusagen einer rechten Hand von Lehrern in Klassen, in denen Schüler mit Beeinträchtigungen in der geistigen Entwicklung unterrichtet werden.