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| 11:55 Uhr

Beim Bauernmarkt kommt das richtige Feeling auf
Landleben zum Anfassen und Mitnehmen in Herzberg

 Da kann es natürlich nicht regnen, wenn die „Regentrude" (r.) im Tiefschlaf liegt.
Da kann es natürlich nicht regnen, wenn die „Regentrude" (r.) im Tiefschlaf liegt. FOTO: Rico Meißner
Herzberg. Für jeden, der Interesse am Landleben hat, war der Festplatz in Grochwitz am Samstag genau der richtige Anlaufpunkt. Und gefühlt gemessen an der Anzahl der Besucher des Bauernmarktes waren das eine Menge Menschen. Von Rico Meißner

An den Ständen von 52 Anbietern gab es beim Bauernmarkt in Grochwitz so ziemlich alles, was sich mit dem Landleben verbinden lässt. Neben Landmaschinen wie Traktoren fanden die Besucher eine große Vielfalt an Produkten vor, egal ob Gemüse oder Kartoffeln, Pflanzen oder beispielsweise Dekorationsartikel für Haus und Garten.

Der Bauernmarkt hat eine insgesamt lange Tradition vorzuweisen, nun war er zum zweiten Mal wieder in Grochwitz. „Wir sind dankbar für alle Akteure, die an des Fest glauben und es mitgestalten“, meinte Karin Jage, Leiterin des Bildungs- und Kulturamtes. „Viele Händler haben schon jetzt zugesagt, auch im nächsten Jahr wieder dabei sein zu wollen. Und der Standort in Grochwitz bietet sich ja an, hier kommt einfach das richtige Feeling auf.“ Dass hin und wieder ein Regenschauer die Leute unter die Überdachungen trieb, sieht sie positiv: „Da wird es geselliger und man kommt schnell miteinander ins Gespräch.“

Auch Herzbergs Bürgermeister Karsten Eule-Prütz zeigte sich mit dem Verlauf zufrieden. „Ich hoffe, dass sich diese Veranstaltung weiter so etabliert“, sagte er am Rande. „Wir wollen die regionale Produktpalette, die wie hier haben, noch weiter ausbauen. Dabei soll aber immer die Qualität im Vordergrund stehen.“

 Auch historische und moderne Landmaschinen konnten am Samstag von den Bauernmarkt-Besuchern bestaunt werden.
Auch historische und moderne Landmaschinen konnten am Samstag von den Bauernmarkt-Besuchern bestaunt werden. FOTO: Rico Meißner

Dass gerade die Landwirtschaft zu knabbern hat, wissen alle. Für Michael Jänsch, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Gräfendorf, ist nicht nur der fehlende Regen das Problem. „Zwar ist die Mais- und Getreideernte etwas besser als im vergangenen Jahr ausgefallen, aber bei weitem nicht so wie sie sein sollte. Außerdem gab es bei der Trockenheit im Vorjahr noch Reserven, die wir dieses Jahr aber nicht mehr haben.“ So müsse man bereits zur Futterversorgung der Tierbestände Futter zukaufen. Noch etwas anderes treibt ihn aber auch um: „Die Reflektion der Landwirtschaft in der Bevölkerung muss eine andere werden. Wir werden gar nicht wahrgenommen als das was wir sind und tun, sondern bekommen reihenweise Kritik.“

Was die Trockenheit angeht, hat sie auch beispielsweise die Gärtnereien erreicht. Laut Volkmar Tietze von der gleichnamigen Gärtnerei nehmen die Nachfragen nach trockenresistenten Pflanzen zu. „Wir spüren eine erhöhte Nachfrage nach tiefwurzelnden Pflanzen, darunter Nordmanntannen, Hainbuchen oder Liguster.“ An alle Gartenbesitzer hat er den Rat, den Garten nicht „allzusehr aufzuräumen, sondern auch mal etwas stehenlassen“, so dass für Insekten und Vögel natürliche Lebensräume erhalten bleiben.

Für einige ist der Markt auch ein Grund, der Heimat einen Besuch abzustatten. Etwa Uta Mailick, gebürtige Herzbergerin, die mit ihrem Lebensgefährten Mattes Kirsch und Kind aus Berlin angereist sind. „Ja, es ist ein Familienbesuch“, begründet sie. „Aber wir haben den Termin extra wegen dem Bauernmarkt so gewählt.“ Kirsch ergänzt: „Es wirkt sehr ehrlich hier, da ist nichts gekünstelt.“ Beide erfreuen sich neben dem Handwerk auch an Wildspezialitäten, an denen es auf dem Gelände auf keinen Fall mangelte.

  Für alle, die Interesse an landwirtschaftlichen und generell regionalen Produkten haben, war die Festwiese in Grochwitz der richtige Anlaufpunkt.
Für alle, die Interesse an landwirtschaftlichen und generell regionalen Produkten haben, war die Festwiese in Grochwitz der richtige Anlaufpunkt. FOTO: Rico Meißner

Für die Kunst war ja auch indes der Kunstkreis der Stadt zuständig. Unter der Federführung von Ines Jacobi gab es auf der Bühne die „Regentrude“, basierend auf Theodor Storm, zu erleben. Das Stück, liebevoll angepasst an lokale Orte, passte wie die Faust aufs Auge, denn schließlich war und ist Regen Mangelware in letzter Zeit geworden. Wer hätte auch wissen können, dass die „Regentrude“ in einem Tiefschlaf liegt. Erfreulich, dass sich Bäuerin Stine an den Beschwörungsspruch ihrer Großmutter erinnern konnte und durch ihre Tochter und den zukünftigen Schwiegersohn eine Erlösung herbeigeführt wurde.

Der tatsächliche Regen nahm es übrigens nicht ganz so genau. Es dauerte etwa zehn Minuten bis nach Ende des Stückes ein kurzer Schauer einsetzte. Aber auf den Punkt genau, das wäre wohl auch zu viel verlangt gewesen.